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Tourenberichte

Ferrari California T - Ein Californier in Hamburg zurück

Was passt besser zusammen, als mit einem außergewöhnlichen Auto außergewöhnliche Plätze in Deutschlands schönster Großstadt zu erfahren? Cabriolife erkundete den Frühling in Hamburg entlang der Elbe mit dem neuen Ferrari California T und lauschte den Gedanken von Prominenten über die Hansestadt.

Zugegeben: Selbst die meisten Hamburger kennen das Gebiet um die Peute nicht so gut. Vor 100 bis 150 Jahren einst Ausflugsziel der Stadtbewohner zwischen Strohdachhäusern und Bauernhöfen, um frische Luft zu tanken, gibt es heute nur noch Industrie. Wer sich hier am Wochenende aufhält, kann sich eigentlich nur verfahren haben.
Deswegen gibt es auch kaum Augenzeugen, als wir mit dem silbernen Ferrari California T über Kopfsteinpflaster rattern, alte Gleise kreuzen und den Sound des Turbo-V8 in den Containerlagern brechen lassen. Am Sonnabend donnern hier nicht mal Lastwagen durch die teilweise breiten und gut ausgebauten Straßen – kein Blitzer stört unser leicht überhöhtes Tempo, kein Fußgänger beschwert sich über satten italienischen Sound, kein Hund kläfft die perfekt geformten 20-Zoll-Leichtmetallräder auf der Hinterachse an. Hier sind wir frei, hier dürfen wir es sein.

Das fällt uns aber auch leicht bei dem Auto: Es ist Ferraris erstes Turbomodell nach dem F40 Turbo aus dem Jahr 1987, und der California T ist ein gelungenes Beispiel für Downsizing aufgrund der Notwendigkeit des Spritsparens bei gleichzeitiger Erhöhung der Effizienz. Mit 560 PS und 755 Newtonmeter maximalem Drehmoment (fast doppelt so viel bei beim Vorgänger mit V8-Saugmotor) lassen sich die meisten Autos in Deutschland problemlos abhängen. Mit Notsitzen hinten kann eine Kleinfamilie Platz finden, dank der versenkbaren Dachschale kann das Auto als Coupé und Cabriolet gefahren werden, und aufgrund der wählbaren Abstimmung zwischen Komfort und Sport glänzt das Auto mit dem Pferd am Kühlergrill sowohl auf einer langen Reise als auch auf der Rennstrecke.
Und ebenso in der Großstadt. Wir reisen einfach mal durch Hamburg, und das kann länger dauern als gedacht. Denn Hamburg ist ein Stadtstaat, was sich in 755,22 Quadratkilometer Fläche sowie 4.000 Straßen mit rund 7.000 Straßennamen ausdrückt. Viele davon führen an der Elbe und ihren Armen, an den Hafenbecken und den vielen Wassergräben entlang. Und über viele der rund 2.500 Brücken, die Hamburg zur Brücken-Weltstadt machen. Die frühe Sonne erlaubt uns, das Klappdach zu öffnen – in 14 Sekunden verschwindet es vollautomatisch im Kofferraum, für den dann immer noch 240 Liter Volumen bleibt. Eine angenehme Sitzposition ist schnell gefunden. Die Sportsitze sind gut geformt, ohne dass übertriebene Seitenhaltwulste den Körper zu sehr einzwängen. Formel-1-inspiriert ist das schöne Lenkrad mit den Schaltwippen dahinter. Das allerdings seine Schwächen hat – auch wenn es sonst kaum etwas zu kritisieren gibt an dem Supercar. Denn die in das Lenkrad integrierten Blinkertasten empfinden wir als höchst unpraktisch – zum Beispiel, wenn man zügig in einen Kreisverkehr fährt und bei der Ausfahrt blinken möchte. Wir jedenfalls haben nie den richtigen Knopf gefunden. Auch der Fernlicht- und Lichthupenknopf links unten im Lenkrad ist da nicht wirklich günstig platziert: Um ihn zu bedienen, muss man die linke Hand vom Lenkrad nehmen, weil man den Daumen nicht nach unten verbiegen kann. Und wo wir schon beim Meckern sind: Der plastikummantelte Zündschlüssel mit feststehendem Bart, dessen Rot weder mit dem des Manettinos (kleiner Schalter auf dem Lenkrad bei Ferrari, mit dem diverse Modi wie Gaspedal-Kennlinie, Gangwechsel-Zeiten, Stoßdämpfer-Einstellung etc. angepasst werden können) noch mit dem wunderbaren Rot des herrlichen Innenraumleders korrespondiert, ist eines 183.499 Euro teuren Ferrari nicht wirklich würdig. Das können andere besser. Aber zugegeben: Hamburg ist auch nicht an jeder Ecke prachtvoll.

Zurück zu den Freuden des Ferrari-Alltags: Nach Besuch eines der letzten alten Industriegebäude wie dem Hamburger Cigarren Contor, einem wunderbaren Ziegelbau von 1858 und einer der letzten überlebenden Zeugen alten Hafenlebens, rollen wir über die Veddel – ein Stadtteil auf der großen Elbinsel Wilhelmsburg, bei dem man nicht weiß, ob Schlote oder Einwohner überwiegen – zum Stadtteil Wilhelmsburg. Er ist der flächenmäßig größte Stadtteil Hamburgs und liegt zwischen den beiden großen Elbarmen Norderelbe und Süderelbe-Köhlbrand. Seit dem Jahr 2006 glänzt er unter anderem durch seine visionären Häuser zur Internationalen Bauausstellung – ein Ort, zu dem der hochmoderne California T mit seinen Designreminiszenzen an den 250 Testa Rossa passt.
Wir verlassen Hamburgs Süden durch den alten Freihafen und entern die HafenCity von Süden aus. Hier, hinter der Großmarkthalle, finden sich außer Hamburgs „schrägstem Ort“ (und das ist wörtlich gemeint), der Oberhafen-Kantine, noch alte Schuppen und Speicher, heute voller Graffiti und ungewöhnlicher Einrichtun- gen wie die Hamburger Materialverwaltung, die gebrauchte Requisiten und Kulissenteile sammelt und zum Beispiel an Schulen weitergibt. Kantine, Oberhafen-Brücke und die Ziegel-Gebäude werden immer wieder für Film- und Fotoaufnahmen genutzt – weil es so viele Originale nicht mehr gibt.

Von dort ist es nicht weit zum Internationalen Maritimen Museum Hamburg in der neuen HafenCity – und seiner neuen Attraktion auf dem Vorplatz: eine sechs Meter hohe, alte Schiffsschraube aus Propeller-Bronze. Sie verweist auf den neuen Schiffsanleger, an dem die Hafenbarkassen seit Kurzem erstmals in der zentralen HafenCity anlegen können. Von hier kann man mit den Barkassen die Speicherstadt besuchen oder aber auch die IBA anfahren.
Wir schenken uns heute die Tour auf dem Wasser und entern den Ferrari. Und müssen nicht mit großem Gebrüll auf uns aufmerksam machen. Erstens ist das Auto schon im Stand eine Show, zweitens ist das Klappdach-Cabrio bei Bedarf völlig unspektakulär zu bewegen. Wer hanseatisch zurückhaltend cruisen will, stellt das Manettino auf „Comfort“, streichelt das Gaspedal und schwimmt im Verkehr mit. Klar müssen wir einmal durch die Speicherstadt fahren – der größte, auf Eichenpfählen gegründete Lagerhauskomplex der Welt, gebaut ab 1883. Und klar, hier steppt der Bär. Die Gebäude sind alt, die Brücken sind alt, aber das Publikum ist jung und genießt diese einzigartige Atmosphäre in vollen Straßenzügen. Gar nicht so einfach, die muskulösen Flanken des California T im Umfeld der alten Backstein- und Stahlbauten einzufangen, ohne dass sich Menschen um den rassigen Italiener scharen.

Wir lassen die HafenCity hinter uns, um Richtung Westen die Sonne zu putzen. Da gibt es nur einen adäquaten Weg: über die Elbchaussee – die wohl prächtigste, aber auch längste Straße Hamburgs. Sie beginnt am Altonaer Rathaus, dessen neoklassizistische Fassade man nur von der Rückseite sehen kann, führt am Edel-Restaurant Le Canard und dem gewagten Designerhaus von Architekt heinrich Stöter vorbei, führt durch das noble Othmarschen sowie in die beiden hochwasser manchmal überfluteten Niederungen von Teufelsbrück, steigt weider an zum Treppenviertel in bLankenese, wo die alten Kapitänshäuser stehen.
Hier sollte man durch, will man der Elbe ganz nahe sein. Aber aufpassen: Mit seinen Abmessungen will der Ferrari California T hier behutsam chauffiert werden. Seine Länge von knapp 4,6 Metern ist kein Problem, aber die Breite von fast zwei Metern kommt manchmal den hohen Gartenmauern und liebevoll gepflanzten Blumen schon recht nahe. Aber wo es die „Bergziege“, ein extrem kurzer Linienbus, schafft, da kommt man auch mit einem Supersportler wie dem California T durch.

Kurz hinter Blankenese endet Hamburg, also fahren wir einen Teil der Elbchaussee wieder zurück. Wir begegnen Sportwagen aller Couleur und Oldtimer aller Altersstufen, die hier besonders am Wochenende ausgeführt werden, und so mancher Quiddje – auf Hochdeutsch „Zugezogener“ – bekommt den Mund nicht mehr zu. In Othmarschen auf die Autobahnauffahrt und flugs durch den neuen Elbtunnel. Das bedeutet 3,325 Kilometer Sound, wenn wir wollen: Manettino auf „Sport“, ein paar Gasstöße – herrlich. Man muss nur bedenken, dass Kameras alle Sperenzien wie den angedeuteten Sprint von 0 auf 100 km/h in 3,6 Sekunden an die Aufpasser in die Zentrale über der nördlichen Tunneleingangsseite übermitteln – es gibt wohl kaum etwas Peinlicheres als über Lautsprecher auf einen Verkehrsverstoß hingewiesen zu werden. Also kühlen wir das Blut wieder herunter, nehmen die erste Ausfahrt auf südlicher Seite und schlängeln uns die Köhlbrandbrücke hoch. Von hier hat man einen atemberaubenden Blick auf Hamburg und den Hafen – leider ist Stoppen und Aussteigen absolut verboten.
Unser letzter Besuch gilt Steinwerder, dem Stadtteil gegenüber den berühmten Landungsbrücken: Während sich die Musical-Fans im „Theater an der Elbe“ „Das Wunder von Bern“ ansehen oder im benachbarten „Theater im Hafen Hamburg“ den „König der Löwen“, suchen wir abgelegene Straßen auf, wo unzählige Container gestapelt werden. Hier können wir noch einmal ausgiebig mit dem Ferrari spielen – ein Wolkenbruch hat inzwischen Pfützen gebildet, die der Italiener stilvoll durchpflügt. Kein Mensch stört hier die Zweisamkeit von Auto und Fahrer. Und das an einem pulsierenden Wochenende in Hamburg. Man muss es nur machen...

Text: Roland Löwisch
Fotos: Sven Krieger

  • Technische Daten
    Ferrari California T
  • V8 mit Turbolader
  • 3.855 ccm
  • 560 PS (412 kW) bei 7.500 U/min
  • 755 Nm bei 4.750 U/min
  • Siebengang-Doppelkupplung
  • Hinterräder
  • 4.570/1.910/1.322 mm
  • 2.670 mm
  • 1.625 kg
  • 0-100 km/h in 3,6 sec
  • 316 km/h
  • 100 km/10,5 l
  • 250 g/km
  • 183.499 Euro

Einst war Wilhelmsburg nur grau — jetzt Mittelpunkt von Architekten.

Das Hamburger Rathaus in der Dämmerung — eine der schönsten Bauten der Hansestadt.

  • „Ich liebe diese Stadt, wegen der Atmospäre, wegen der Mentalität der Menschen und wegen des Wassers.“
  • Michael Stich, Tennisspieler

  • „Hamburg ist eine Weltstadt mit dem besonderen maritimen Flair, mit allem, was eine moderne Großstadt bieten muss.“
  • Wladimir Klitschko, Boxer

  • „Schon Störtebeker wusste, dass der Norden rockt, und hat mit seinem Kahn hier gleich angedockt.“
  • Fettes Brot, Hip-Hop-Gruppe

  • „Ich liebe das Wasser; die Elbe, die Alster sind mir sehr nah.“
  • Siegfried Lenz, Schriftsteller

  • „Hamburg, meine Perle, Du wunderschöne Stadt. Du bist mein Zuhause, Du bist mein Leben, bist die Stadt, auf die ich kann.“
  • Lotto King Karl, Musiker

  • „Der Grund, warum hier Menschen gern leben: Weil die Leute erst fühlen, dann denken, dann reden.“
  • Denyo, Rapper

  • „Mit seiner Lage, der Elbe und der Alster ist es für meinen Geschmack Deutschlands schönste Stadt.“
  • Karl Lagerfeld, Modedesigner

  • „In Liverpool bin ich aufgewachsen, in Hamburg bin ich erwachsen geworden.“
  • John Lennon, Musiker