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Tourenberichte

Bella Figura zurück

Man nehme die Zutaten für eine perfekte Italienreise: Den malerischen Comer See mit seinen Villen und Uferpromenaden. Die Outlet-Shops der großen italienischen Designermarken. Und als stilgerechtes Transportmittel einen neuen, knallroten Alfa Spider.

Es ist vielleicht eine Geschmacksfrage, ob man sich mehr für Friedrich Nietzsche oder George Clooney interessiert. Beide waren sie jedenfalls ziemlich begeistert vom Comer See. Clooney ist es heute noch und wohnt in einer feudalen Villa am Seeufer. Das kann man auch gut verstehen. Der dunkle Gebirgssee, eingerahmt von steilen Bergflanken, eng aneinander gepferchte Dörfer mit eleganten Villen und Gärten, vornehme Häuser hinter dicken Mauern, alles das entspricht dem klassischen italienischen Klischee. Schöne Landschaft, gediegene Lebensart. Bella Figura heißen es die Italiener, wenn es um den stilvollen Auftritt geht. Der Lago di Como hat jede Menge davon.
Man kann sich den Attraktionen des Comer Sees auf traditionelle Weise nähern. Kirchen und Museen, kunsthistorische Preziosen sind so zahlreich, dass man Wochen mit deren Besichtigung füllen könnte. Aber was wäre eine Reise durch Norditalien ohne die Gastronomie, ohne den Genuss kurvenreicher Uferstraßen und ohne Shoppingausflüge zu den berühmten Designermarken? Schließlich befinden wir uns in der Region um Mailand, die Metropole der Mode und der Ästhetik. Eine zeitgemäße und ausgesprochen sinnliche Version einer Kulturreise. Zeitgemäß auch deswegen, weil wir uns an das Credo der Markt- und Trendforscher halten, wonach wir uns in einer Zeit des smarten und erlebnisorientierten Konsums befinden. Wir genießen die schönen Dinge und selektieren das Angebot mit Intelligenz und Geschmack.

Dieses verführerische Arrangement wird noch intensiviert durch denneuen Alfa Spider. Die Neuauflage des offenen Klassikers ist wie geschaffen für die engen Kurven am Lago di Como, die schmalen Landstraßenrund um Mailand. Und selbst in der mondänen Via Montenapoleonemitten in Mailand vor den exklusiven Boutiquen macht der knallrote Alfa eine Bella Figura und zieht die Blicke der Passanten auf sich. Doch sein wahres Metier sind die Bergstraßen in den Alpen, wo der neue 1,8-Liter-Turbo seine 200 PS unter Beweis stellen kann. Die Anreise durch das Engadin, vorbei an St. Moritz und Silvaplana in derimposanten Hochgebirgslandschaft, ist sozusagen die Einstimmung. Über Maloja und Chiavenna geht es auf kurvenreichen und gut ausgebauten Straßen bis zum Nordufer des Lago di Como. Bei Sorico erreichtman das Nordwestufer des Sees. Die enge und reichlich befahrene Straßeam Westufer passiert kleine Dörfer mit malerischen Hafenanlagen. Dieherrschaftliche Villa Camilla in Domaso, Gravedona mit dem majestäti-schen Renaissance-Palazzo Gallio, das idyllische kleine Fischerdorf Musso. Wie Perlen an einer Kette sind die Uferorte aneinandergereiht.Vom lebhaften Menaggio eröffnet sich der Blick auf die Gabelung von Lago di Como und Lago di Lecco, die beide wie Fjorde in die steile Landschaft geschnitten wirken. Dazwischen erkennt man in der Ferne die stattlichen Palazzi von Bellagio am gegenüberliegenden Flussufer. Bellagio erreicht man idealerweise mit der Fähre von Cadenabbia. Nicht weit von der berühmten Villa Carlotta, die sich der Landgraf Giorgio Clericials Sommerresidenz bauen ließ, und die heute ein vielbesuchtes Kunstmuseum beherbergt, legt die Fähre nach Bellagio ab. Einige wenige Minuten fährt man über den See, genießt die frische Briseund nähert sich den Fassaden dieses ebenso kleinen wie elitären Ortesan der Spitze der Landzunge. Vorne das luxuriöse Hotel Villa Serbelloni, daneben die kurze und abwechslungsreiche Uferpromenade mit Barsund Geschäften. Etwas weiter südlich die klassizistische Villa Melzi mitschönen Gartenanlagen. Zweifellos gehört Bellagio neben Cernobbio zu den vornehmeren Plätzen an diesem ohnehin so eleganten Gewässer. Die Villa d’Este in Cernobbio zählt zu den besten Hotels des Landes. Cernobbio grenzt direkt an Como und ist damit gewissermaßen der Abschluss der Fahrt entlang des Westufers.

Hinter Como wird das Land flach und eintönig. Industriegebiete rundum Mailand. Je mehr man sich der Metropole nähert, desto turbulenter wird es auf den Straßen. Aber auch diese auf den ersten Blick eher schlichte Gegend hat Schönheiten zu bieten. Versteckte Schönheiten allerdings und das im doppelten Sinn. Am Rande des kleinen Ortes Vertemate neben der Landstraße, die von Como nach Süden in Richtung Seveso führt, steht eine Pilgerstätte des guten Geschmacks. Ein unauffälliges, dreistöckiges, kaufhausartiges Gebäude mit der Aufschrift Factory Store. Nicht irgendein Fabrikladen, sondern jener von Giorgio Armani, wo man Kollektionsreste und Artikel zweiter Wahl erheblich günstiger kaufen kann. Eine Etage für Damen, eine für Herren und eine für Jeans und Sportswear. Hemden für 40 €, Jeans für 70 €. Aber die offiziellen Fabrikverkaufsstellen der Nobelmarken verlangen ein pfadfinderisches Talent. Das gilt auch für Dolce & Gabbana, deren Outlet in Legnano südwestlich von Mailand in einem zentrumsnahen Gewerbegebiet versteckt ist.

Auf der Suche nach dem Dolce & Gabbana Outlet landet man irgendwann an der Agip-Tankstelle neben einer großen Kreuzung, wo die beiden Tankwarte vor dem Kassenraum auf schlichten Plastikstühlen dösen. Auf die Frage nach der Via Rossini kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen: "Ah, Dolce Gabbana. Nach der zweiten Ampel rechts, dann links und wieder links." Basta. In Legnano nach dieser Adresse zu fragen, ist im Prinzip so, wie wenn ein Tourist in Mailand die Scala sucht. Nur dass die Scala nicht annähernd so gut versteckt ist. Lassen wir uns etwas Zeit, denn im Nachbardorf Parabiago wartet noch einer der besten Schuhproduzenten des Landes. Direkt neben der Produktion von Fratelli Rossetti gibt es einen großzügigen Fabrikverkauf.

Heute Schnäppchen, morgen purer Luxus. Zum Abschluss gönnen wir uns einen Abstecher in die Modemetropole Mailand. Einen Espresso im Nobelkaufhaus von Giorgio Armani in der Via Manzoni, dann ein Spaziergang durch die Galleria Vittorio Emanuele mit einem Abstecher indie schmale, aber nichtsdestotrotz exklusive Via Montenapoleone. Hier ist Mailand schick und vornehm, exklusiv und teuer. Aber keine Gegend für Cabrio-Touren. Deshalb verlassen wir die Via Montenapoleone und flüchten in die Berge. Kurvige Uferstraßen und majestätische Villen stehen dem Spider eben doch besser zu Gesicht.

Text | Georg Weindl

Adressen

  • DOLCE & GABANNA Via Rossini, 72
    I-20025 Legnano (Mi)
    Tel. 0039 / 0331 / 54 58 58
  • ARMANI
    FACTORY STORE
    Via Provenciale per Bregnano, 13
    I-22070 Vertemate (Co)
    Tel. 0039 / 031 / 88 73 73
  • FRATELLI ROSSETTI Via Cantù, 24
    I-20015 Parabiago (Mi)
    Tel. 0039 / 0331 / 49 52 17

Auf einen Blick

  • Alfa Romeo Spider 1,8 TB 16V
  • 1,8-Liter-Vierzylinder
  • 200 PS
  • 0 – 100 km/h in 7,8 Sek.
  • 235 km/h Höchstgeschwindigkeit
  • C02-Emission 192 g/km
  • Preis: ab 31.950 €
  • Was uns gefallen hat:
    Das Pininfarina-Design ist genauso klassischAlfa wie das Handling des neuen Spiders.
  • Was uns nicht gefallen hat:
    So filigran wie ein Maßschuh und soleicht füßig wie seine Vorfahren ist der neue Spider nicht mehr. Ergonomische Detailschwächen verzeiht man einem Alfa fast aus Tradition, nur das Navigationssystemist sein Geld nicht wert.
  • Was uns überrascht hat:
    Der neue Spider fasziniert. Sein Design erregt Aufsehen, wo immer er parkt. Leutel aufen zusammen und bewundern ihn wie einen Ferrari. Und das bei einem Cabriofür rund 30.000 €. Complimenti.

Von der Seepromenade zur Shopping-Meile.

  • Die Highlights:
  • 1. Das Stadtzentrum von Como
  • 2. Armani in Vertemate
  • 3. Dolce & Gabbana in Legnano
  • 4. Fratelli Rosetti in Parabiago
  • 5. Das Zentrum von Mailand

Das pulsierende Herz der Alta Moda ist die Via Montenapoleone mitten in Mailand. Kaum ein Top-Designer, der hier nicht vertreten ist.