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Tourenberichte

Ausflug ins Paradies zurück

Was soll man über das Tessin erzählen, was noch nicht gesagt wäre: eine subtropische Insel in der südlichen Schweizer Bergwelt? Das Tessin zieht Cabrio-Fahrer magisch an. Und nicht nur die. Viel Prominenz aus Wirtschaft und Showbusiness lebt dort. Ich kann mir hier zwar nur ein paar Tage Urlaub leisten, aber dafür genieße ich sie in vollen Zügen.

Die Anfahrt über die Inntal-Autobahn, den Arlberg, das Fürstentum Liechtenstein, über Chur und das Hinterrheintal dauert länger als es die Luftlinie erwarten lässt, bietet aber viele Highlights. So die Via Mala zwischen Thusis und Zillis-Reischen im Schweizer Kanton Graubünden, eine Engstelle beim Aufstieg ins Hinterrheintal und Schreckgespenst für Generationen, die diesen Weg nehmen mussten. Für uns ein guter Grund die Schnellstraße mit ihren Tunnels zu verlassen und diese alte Straße nach Splügen zu fahren, die längst nicht mehr abenteuerlich ist, dafür aber ein Garant für Entschleunigung und genussvolles Reisen.
Auch den Bernardino-Pass nehmen wir puristisch, die ganz Eiligen nehmen den Tunnel... Von Norden sind es nur wenige Serpentinen zur Passhöhe, aber viele im südlichen Abstieg in das Misox. Dabei bieten sich immer wieder schöne Ausblicke nach Südwesten. Interessant zu beobachten, wie das Außenthermometer vom einstelligen Bereich auf der Passhöhe in den zweistelligen Bereich bis nahe an die 30 Grad-Grenze im Tal nach Bellinzona klettert. Nachdem wir vor drei Jahren die Gegend um den Luganer See erkundet haben, biegen wir diesmal nach Locarno ab und weiter nach Ascona zum Lago Maggiore. Unsere Entscheidung durch den Umfahrungstunnel von Locarno mit geöffnetem Verdeck zu fahren, bereuen wir bitter: 34,5 Grad Celsius und ein unerträglicher Smog. Als Entschädigung empfängt uns das Vier-Sterne-Hotel Tobler in Ascona mit einer grandiosen Aussicht und einem Werbeslogan, den wir unterstreichen möchten: "Ankommen und daheim sein." Der akribisch gepflegte Garten und das ausgezeichnete Essen verwöhnen Auge und Gaumen. Dieses Mal haben wir die richtige Wahl getroffen.

Der Kanton Tessin — ein Stück Italien in der Schweiz

In den folgenden Tagen umrunden wir mit unserem Cabrio den Lago Maggiore, überqueren mehrfach die Grenze zwischen der Schweiz und Italien, besuchen die Isola Madre und die weithin bekannte Isola Bella. Wobei wir der Isola Madre eindeutig den Vorzug geben. Nicht so sensationell in der Anlage, aber mit einer ebenso üppigen Flora und deutlich weniger Gedränge. Ähnliches gilt für die Brissago Inseln mit einem wunderbaren botanischen Garten. Das Wetter spielt mit. Das Dach unseres gelben Mercedes SLK bleibt bei jeder Ausfahrt offen und wir fühlen uns wie im Paradies.
Die Heimfahrt durch die Schweiz dehnen wir etwas aus. In Splügen im Hinterrheintal biegen wir noch einmal Richtung Süden auf den gleichnamigen Pass ab und gelangen wieder nach Italien. Die Nordrampe ist vergleichsweise kurz, befindet man sich doch schon auf knapp 1.500 Metern Seehöhe. Doch der Abstieg nach Chiavenna hat es in sich, vor allem der Teil zwischen Pianazzo und Campodolcino. Hier wurde die Strecke abenteuerlich an den Berghang gebaut. Von der Passhöhe (2.113 Meter) nach Chiavenna ist ein Höhenunterschied von insgesamt 1.800 Metern zu überwinden – ein Genuss für den sportlichen Cabrio-Fahrer, für mitreisende Ehefrauen manchmal weniger. Erholsam dagegen die Fahrt von Chiavenna durch das Bergell, das Tal der oberen Mera, und über den Malojapass zurück in die Schweiz. An den Oberengadiner Seen entlang und über St. Moritz geht es nach Landeck in Österreich und schließlich wieder über die Inntal-Autobahn zurück – vom Ausflug ins Paradies.

Fotos: Kurt Webersinke, swiss-image.ch/Markus Buehler-Rasom, /Christof Sonderegger, /Christoph Schuerpf Fotomontage, /Stephan engler, /Jan Geerk

Text: Kurt Webersinke

„Sonniger“ Begleiter: ein SLK (Bj. 1998) in der Farbe „Yellowstone“ — damals mutig, heute schon ein gesuchter (fast) Youngtimer.

Osteria Borei in Brissago mit Aussicht auf den Lago Maggiore.

Blick auf Valle Morobbia, nahe Bellinzona.