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Tourenberichte

Es war einmal – Paris hat viel zu erzählen zurück

Eine Stadtrundfahrt durch die französische Hauptstadt ist immer auch ein Ausflug in ihre Geschichte. Zum Glück hat Paris eine schillernde Vergangenheit. Von großer Historie zu kleinen Histörchen – ein Wegweiser in zehn Etappen.

1. Der Turm, über den sich alle aufregten.

  • Der Eiffelturm steht immer noch. Das ist ein Wunder. Als ihn der Ingenieur Gustave Eiffel 1889 anlässlich der Weltausstellung baute, wurde er dafür heftig kritisiert und geschmäht. Seine Gegner wollten das filigrane Bauwerk sofort wieder abreißen. Heute strahlt das 324 Meter hohe Wahrzeichen von Paris jede Nacht in einem Lichtermeer. Ein Hoch auf Gustave Eiffel!

2. Wie die Fischer zu Gabeln kamen.

  • Paris begann als kleines Fischerdorf, das mit Überschwemmungen kämpfte. So hatten die Römer ein leichtes Spiel, als sie die Siedlung 55 v. Chr. eroberten. Später schickten die Italiener dafür Katharina von Medici an den französischen Hof. Sie brachte den Franzosen, die bis dato wenig fein nur mit Messern und ihren Fingern aßen, Gabeln mit. Katharina machte sich dennoch die Hände schmutzig – mit Blut. Sie war mitverantwortlich für die Bartholomäusnacht 1572, in der Tausende von Hugenotten wegen ihres Glaubens ermordet wurden. Ihr Mann, der König, liebte übrigens eine andere, seine schöne Mätresse Diane de Poitiers. Unglückliche Frauen können gefährlich werden.

3. Die Kirche legt die Stadt trocken.

  • Im 12. Jahrhundert sorgten Geistliche als intellektuelle Schrittmacher dafür, dass die Pariser Sümpfe entwässert wurden und die Stadt expandieren konnte. Kaum trocken, war Paris im Mittelalter bereits ein Bildungszentrum mit der weltberühmten Universität Sorbonne. Zum Geist gesellte sich die Schönheit: Architektonische Meisterwerke wie Notre-Dame entstanden. Die Verbindung zwischen Geist und Schönheit prägt noch heute den Charakter der Stadt. Das Ergebnis: Esprit!

4. Das Königskind, das alles wollte.

  • Mit fünf Jahren stieg Ludwig XIV. auf den Thron. Als er volljährig die Macht übernahm, wusste das Königskind, was es wollte: alles! "Der Staat bin ich!" war Ludwigs berühmtester Ausspruch. Als Sonnenkönig prägte er im 17. Jahrhundert Paris mit dem Anspruch der absoluten Herrschaft und großen Bauwerken. Während seiner Regierungszeit entstanden u.a. der Dôme des Invalides, das Palais du Luxembourg und das Schloss Versailles. In seinem Spiegelsaal wurde gefeiert, getanzt und geflirtet – und ganz nebenbei entwickelten sich am Hof des Sonnenkönigs feine Umgangsformen, die der europäische Adel kopierte. Fazit: Gute Manieren sind in Paris zu Hause.

5. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.

  • Während die Adeligen am Hof von Ludwig XVI. und seiner österreichischen Frau Marie Antoinette ausschweifend feierten, litten die meisten Pariser unter Schmutz und Hunger. Die ungerechten Zustände lösten 1789 die Französische Revolution aus. Die Menschen kämpften für "liberté, egalité, fraternité." Und was sagte Marie Antoinette dazu? "Wenn die Menschen kein Brot haben, dann sollen sie Kuchen essen." Das Ende der Geschichte: Die Königin verlor ihren Kopf, die Franzosen bekamen eine republikanische Verfassung und das Baguette gehört zu jeder französischen Mahlzeit.

6. Die schönste Stadt der Welt.

  • Er kam, sah und siegte: Napoléon Bonaparte gewann eine Schlacht nach der anderen, erlag seiner großen Liebe Joséphine, krönte sich 1804 zum Kaiser und setzte sich zum Ziel, aus Paris die schönste Stadt der Welt zu machen. Sein bekanntester Beitrag ist der "Arc de Triomphe", mit dem er an seine Siege erinnern wollte – rechtzeitig vor den Niederlagen. In Waterloo wurde er endgültig geschlagen, aber sein Traum hat sich verwirklicht. Paris entwickelte sich zur schönsten Stadt der Welt. Davon sind zumindest die Pariser überzeugt und die kennen ihre Stadt am besten.

7. Der Baron, der einen Stern schuf.

  • Baron Haussmann verwandelte das enge, mittelalterliche Paris nach 1848 in eine moderne, weitläufige Hauptstadt. Er ließ ganze Viertel abreißen und schuf große Parks, elegante Avenuen und Boulevards. Dabei entwarf er einen Stern von zwölf breiten Straßen rund um den "Arc de Triomphe". Die weniger glanzvolle Seite der Geschichte: die neue Straßenordnung sollte dabei helfen, revolutionäre Demonstrationen zu bekämpfen. Der Stoff für einen Jahrhundert-Roman war gewebt: 1862 schrieb Victor Hugo "Les Misérables" – das Happy End des Bestsellers ist typisch französisch: L’amour.

8. Die ersten Cabriolets.

  • Die Franzosen gaben bei der Entwicklung von Autos ordentlich Gas und schon um 1900 fuhr der Citroen 5CV durch die Straßen von Paris. Der Trendsetter war ein Cabriolet. Seine Zeit wurde schließlich nicht umsonst "Belle Epoque" genannt. Toulouse-Lautrec, Matisse und Renoir schwangen die Pinsel, das Moulin Rouge verwandelte sich von der einfachen Mühle zum berühmtesten Nachtclub der Stadt. Paris wurde zur Glitzerstadt – und leuchtet noch immer.

9. Die Frau mit dem Bananen-Rock.

  • Sie passte nach Paris, denn sie war revolutionär, lebenslustig und sie hatte einen eigenen Stil. Die schwarze Amerikanerin Josephine Baker schockierte die Welt und gewann die Herzen der Franzosen, als sie in den 20er-Jahren nur mit einem Rock aus Bananen in Paris auftrat. Hier regierte die Avantgarde das Nachtleben. Schriftsteller, Musiker, Maler und Filmemacher – sie alle kamen nach Paris. Sie kommen immer noch.

10. Marianne, das Staatssymbol.

  • Frankreich ist anders. Das beweist nicht zuletzt das Staatssymbol. Während andere Nationen Adler steigen lassen oder sich mit wuchtigen, kriegerischen Damen wie der Germania und Britannia identifizieren, wählten unsere Nachbarn Schönheit und Sinnlichkeit als Symbol ihres Landes – und ließen sich von Marianne verkörpern. Marianne, das französische Staatssymbol, zeigt sich meist mit nacktem Busen und ohne Waffen. Sie ist ein Kind der französischen Revolution und damit ein Kind des Volkes – und sie beweist: Frankreich ist weiblich, denn die Franzosen lieben die Frauen. Vive la France!