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Tourenberichte

Stressfrei im Salzkammergut zurück

Einfach mal raus aus dem Alltag. Rein in den Cabrio-Klassiker und ab zur nostalgischen Genießertour. Unsere Zeitmaschine ist ein Mercedes-Benz 220S Cabriolet und unser Ziel das verträumte Salzkammergut in Österreich mit romantischen Bergseen und feinsten Gasthäusern und Hotels.

War früher wirklich alles viel besser? Ein Leben ohne Internet und Globalisierung, dafür mit leeren Straßen und freien Parkplätzen in den Städten? Als Cabrio-Fahrer könnte man schnell nostalgisch werden. Wochenendausflüge ohne Staus und ohne hässliche Gewerbegebiete rund um die Städte. In den fünfziger Jahren fuhren Autos, die noch Gesichter und Charakterzüge hatten, die ihre Passagiere mit schweren Ledersesseln und duftendem Leder, mit Armaturen aus echtem Holz und filigranen Lenkrädern aus elfenbeinfarbenem Bakelit verwöhnten. Gut, man hatte ohne Servolenkung und Servobremse kräftig zu arbeiten. Aber wenn man im Mercedes-Benz 220S Cabriolet auf den verschwenderischen Polstern Platz nimmt und über die lange skulpturenhafte Motorhaube auf den majestätisch aufragenden Stern blickt, wenn der Sechszylinder schnurrt und sich der elegante Viersitzer gemächlich in Bewegung setzt, dann bekommt dieser Ausflug geradezu therapeutische Qualitäten. Man räkelt sich im Sessel, umspannt das dünne Lenkrad und spürt mit jedem gefahrenen Kilometer, wie man innerlich entspannt und die Zeit vergisst. Diese Nostalgie ist mehr als nur oberflächlich.Autofahren ohne Termindruck. Wellness auf vier Rädern. Gedränge und hektische Autobahnen sind bald vergessen. Solche Zeitreisen sind keine Träume. Sie warten auf uns. Zum Beispiel im österreichischen Salzkammergut. Es steht wie kaum eine andere Region der Alpen für Nostalgie und gediegene Eleganz. Unser gelbes 220S Cabriolet von 1957 ist ein Leihstück aus der Sammlung der Schörghuber-Gruppe, zu deren Latifundien auch die feine Herberge im Schloss Fuschl gehört, wo der Benz in der Remise parkt. Solche Oldtimer-Exkursionen samt Logis im standesgemäßen Schlosshotel kann man buchen. Auf Wunsch auch mit Chauffeur im Rolls-Royce Silver Wraith.Wir wählen die Selbstfahrer-Variante. Eine Reise durch das Salzkammergut auf den Spuren von Sissi und Kaiser Franz Joseph, Begegnungen mit Dichtern und Denkern, Landschaften und Perspektiven, bei denen Kitsch und Anmut miteinander zu verschmelzen scheinen.
Am Volant des Benz heißt es zunächst, sich mit der Ergonomie der Nachkriegsjahre
vertraut zu machen. Eine Sitzposition, hoch und aufrecht wie in einem Geländewagen. Eine Lenkradschaltung, die mit Nachdruck und gleichzeitig mit Gefühl bedient werden will. Bandtacho, ein Scheibenwischerschalter direkt an der Windschutzscheibe. Daran kann man sich schnell gewöhnen, insbesondere wenn man bei behutsamen 80 km/h auf der Uferstraße am Fuschlsee vorbeirollt und seine Umgebung mit Muße wahrnehmen kann.Wie soll auch Hektik aufkommen. Der 2,2-Liter-Sechszylinder leistet 100 PS, was für damalige Verhältnisse viel war, aber nach heutigem Geschmack nur sehr sparsame Beschleunigung produziert.
Den einen oder anderen Traktor überholen wir, sonst aber genießen wir den Blick auf Berge und Seen.

STATION 1: DIE POSTALM

  • Die breite Bundesstraße von Fuschl zum Wolfgangsee ist wie geschaffen zum Einfahren. Der Sechszylinder unter der langen Motorhaube schnurrt wie ein braves Kätzchen. Langsam gewöhnt man sich an die dicken weichen Lederfauteuils und an das gemächliche Reisetempo. Am Südufer des Wolfgangsees biegen wir rechts ab auf die kurvenreiche Straße hinauf zur Postalm. Die größte Almfläche Österreichs bzw. das zweitgrößte Hochplateau Europas ist sozusagen die erste Sonderprüfung auf unserer Flaniertour durch das Salzkammergut. Dunkle Schluchten und ein reißender Gebirgsbach säumen den Weg, der in enge Serpentinen mündet, bevor wir oben auf der Postalm den Blick über die sanft geschwungene Hügellandschaft genießen. Im Herbst tummeln sich hier Wanderer und Mountainbiker. Im Winter ist die Postalm ein Dorado für Skifahrer und Langläufer. An den sonnigen Südhängen rollt der Benz gemütlich Richtung Lammertal. Drüben in Annaberg wartet auf uns die erste Jausenstation, wie man hierzulande ein Berggasthaus bezeichnet. Nun ja, Jausenstation ist schon reichlich untertrieben für das Winterstellgut. Das postkartengerecht gelegene Haus hat sich Red Bull-Besitzer Dietrich Mateschitz verfeinern lassen, und so verwöhnt er seine Gäste mit hochkarätigem Landhaus-Ambiente, regionaler Gourmetküche und eleganten Suiten – alles zu vergleichsweise erträglichen Preisen. Unser Cabriolet rastet auf dem Vorplatz und zieht reichlich Besucher an. Es zeigt sich einmal mehr, dass automobile Klassiker erstaunlich neidlos angesehen werden und ausgewiesene Sympathieträger sind.

STATION 2: DAS AUSSEERLAND

  • Man trennt sich wirklich schwer von diesem paradiesischen Platz mit Panoramablick auf das Tennengebirge. Unser nächstes Ziel ist das Ausseerland mit seinen prachtvollen Bergseen und nostalgischen Villen einstiger Künstlerkolonien. Über Gosau, vorbei am berühmten Hallstätter See, kurbeln wir den Mercedes auf eine Passhöhe und rollen hinunter ins schöne Ausseerland. Richtig arm waren die Leute in den vergangenen Jahrhunderten nie. Der Salzbergbau brachte reichlich Wohlstand, weshalb die Landwirtschaft als Gelderwerb nie notwendig war. Die Vorliebe der Dichter, Musiker und Maler für das Ausseerland ist voller Geschichten und Anekdoten und mag in den Grundzügen so erklärt sein: Mitte des 19. Jahrhunderts war vermutlich der Lyriker Joseph Christian Freiherr von Zedlitz der erste, der den Weg nach Altaussee fand. Zu seinen Freunden, mit denen er sich in Altaussee traf, zählte Joseph Freiherr von Eichendorff. Auch Adalbert Stifter kam in dieser Zeit und machte den Flecken zum Thema von Texten und Bildern. Hugo von Hofmannsthal verbrachte einige Sommer in Obertressen, einem Weiler zwischen Altaussee und Bad Aussee. Von ihm existiert eine Beschreibung dessen, womit sich die Dichter am See damals beschäftigten. „Wir wohnen allein verschiedenen kleinen Häusern an der Berglehne über dem dunklen, kleinen See, essen und nachtmahlen bald bei dem einen, bald bei dem andern; lesen zusammen englische Gedichte, der ältere Franckenstein komponiert kleine Lieder, die ich in Marienbad gemacht habe, mittag fahren wir im Boot hinaus und baden, bis tief in die sternenhellen Nächte gehen wir spazieren oder sitzen auf dem Geländer vor einem Bauerngarten und reden miteinander.“ Gerade das verträumte Altaussee mit seinem Altausseer See direkt unter den steilen Felswänden des Loser versprüht auch heute noch diesen feinsinnigen Charme der einst so populären Sommerfrische. Gediegenes Nichtstun, was passt besser dazu als ein nobles altes Cabriolet, mit dem wir offenen Daches an den verspielten Landhäusern vorbeirollen und uns vom Duft frisch gemähter Wiesen betören lassen. Am Grundlsee treffen wir uns mit Herrmann Rastl, einem waschechten Ausseer, der sich für uns gleich in die Tracht geworfen hat.
    Allzu viel brauchen wir uns darauf allerdings nicht einbilden, denn die Einheimischen tragen die Tracht auch im Alltag. Mit der kurzen Ledernen und dem schwarzen Steirer Hut auf dem Kopf chauffiert er uns am Grundlsee entlang nach Gößl, wo es im GasthofVeit frischen Saibling gibt. So sind wir für unsere letzte Salzkammergut-Etappe bestens gestärkt.

STATION 3: SCHLOSS PICHLARN IM ENNSTAL

  • Der Grundlsee liegt schon einige Kilometer und einen breiten Bergrücken hinter uns und wir fahren der Sonne entgegen. Etliche Pässe und Bergfahrten hat der Benz ohne Murren absolviert. Dass man als Fünfzigjähriger nicht mehr ganz so flink ist wie die Audis und BMWs, die an uns vorbeihuschen, spielt keine Rolle. Die gepflegte Promenade passt ohnehin besser zum Fahrzeug und zur Landschaft. Nach Bad Mitterndorf und der Tauplitzalm steuern wir gen Süden. Rechts ragt die Skiflugschanze am Kulm aus dem Bergwald, vor uns bauen sich die unendlich breiten Felswände des Grimming auf. Im stattlichen Schloss Pichlarn, in Aussichtslage auf der Südseite des Ennstals, hat sich schon Papst Pius II. erholt.
    Heute steigen hier vor allem Golfspieler und Wellness-Gäste ab. Ein Ayurveda-Zentrum und ein Grand Spa, das klingt nach gesunder Erholung. Wer so reist wie wir, braucht das eher nicht.Wir steigen aus dem Mercedes und werden mit typisch österreichischem Charme begrüßt. "Darf’s für die Herrschaften ein Kaffee sein? Vielleicht ein kleiner Brauner oder eine Melange?"

Text | Georg Weindl

Mercedes-Benz 220S Cabriolet

  • Baujahr 1957 | 2,2-Liter-Sechszylinder
  • 160 km/h Höchstgeschwindigkeit
  • Neupreis 1957: 21.500 DM
  • Aktuelle Marktpreise bei gutem Zustand ab 60.000 €

Ein Umweg, der sich lohnt. Zur Postalm führen traumhafte Panoramastraßen. Ideal für die nostalgische Cabrio-Tour.

"Zwei Schlösser – ein Oldtimer"

  • ist ein Arrangement des Fünf-Sterne-Hotels Schloss Fuschl mit Übernachtung und Oldtimer samt Roadbook und kostet ab ca. 1.400 € pro Person im DZ.
  • Das Arrangement "Zwei Schlösser – IHR Oldtimer" beinhaltet zwei Nächte im Hotel Schloss Fuschl und zwei Nächte im Hotel Schloss Pichlarn. Das gesamte Package inklusive Oldtimer-Transport mit dem Sattelschlepper kostete für fünf Tage (bis Ende Oktober 2009) 1.210 € pro Person im DZ und 2.180 € pro Person im EZ. www.schlossfuschl.at