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Tourenberichte

Start und Ziel im Gartendorf Algund zurück

Diese abwechslungsreiche Tour führt von Algund bei Meran ins nördliche Trentino — durch eine spektakuläre Bergwelt mit tiefen Schluchten und fruchtbaren Tälern. Sie ist besonders während und nach der Weinernte im Zimberntal zu empfehlen. Denn dann folgt ein Weinfest dem anderen und die kleinen malerischen Ortschaften werden von geselligem Leben erfüllt.

Die 33 Kilometer lange Gampenjochstraße zwischen Lana und Fondo weist zwar keine atemberaubenden Steigungen auf, dafür aber werden schöne Kurven und Aussichten geboten. Hinter Lana passiert man die Leonburg, eine Burganlage aus dem 13. Jahrhundert, die seit 800 Jahren im Besitz der Grafen von Brandis ist und deren Lage einst von großer militärischer Bedeutung war. Die Gampenjochstraße zieht sich kontinuierlich am Berg entlang und eröffnet immer wieder schöne Ausblicke über das Etschtal. Mit einem Gasthof und dem hölzernen Souvenirladen ist die Passhöhe recht unspektakulär.

Der Gampenpass verbindet das Etschtal mit dem Nonstal

Aber nur ein Stückchen weiter liegt der berühmte Wallfahrtsort „Unsere liebe Frau im Walde“. Das hübsche Dorf ist wohl die älteste Siedlung im Gebiet von Deutschnonsberg. Bereits 1194 wurde hier ein kleines Hospiz für Reisende über den Gampenpass betrieben. Jetzt geht es schwungvoll über Almen und durch kleine Ortschaften hinunter bis St. Felix. Idyllisch liegt das Dörfchen auf einer von der Sonne verwöhnten Hochebene mit prachtvollen Lärchenwäldern. Der nahe Felixer Weiher und ein Wasserfall bieten Erfrischung an heißen Sommertagen. Von hier geht es gemächlich weiter nach Fondo, das bereits in der autonomen Provinz Trentino liegt und Hauptort des oberen Nonstals ist. Wer sich bei der Abfahrt Zeit lässt, kann grandiose Blicke ins Tal werfen. Das Herz der historischen Ortschaft wird von einer sehr tiefen Schlucht, die der reißende Wildbach Rio Sass im Laufe von Jahrtausenden aushöhlte, in zwei Teile geschnitten. Dank der Stege, Treppen und Leitern kann man auf Entdeckungstour der wirbelnden Gewässer, Wasserfälle, Fossilien, Stalaktiten und Stalagmiten gehen. Weiter geht es auf der SS42 durch das reizvolle Novella-Tal. Zuerst passiert man Brez mit einigen kulturhistorisch interessanten Gebäuden wie dem Ansitz Casa De Avancini aus dem Jahr 1697 mit seinem Eckturm und der wertvollen Sonnenuhr oder die Casa Ruffini mit Portal und Wappen der gleichnamigen Familie Ruffini. Auch in Arsio gibt es zwei schöne Ansitze aus dem 16. Jahrhundert zu besichtigen: die Casa Corazzi und Schloss Castel San Giovanni. In der kleinen Gemeinde Cloz, am Fuße des Monte Ozol, ist die traditionelle Kupferverarbeitung noch lebendig und wird hier von den lokalen Handwerkern ausgeübt. Von Cloz lohnt ein zweistündiger Ausflug in den Flusspark der Novella, der Welt der Canyons.

Wilde Flussromantik, prächtige Palazzi und Burgen im Nonstal

Das zauberhafte Revò liegt in schöner Panoramalage nahe des Stausees Santa Giustina. Durch seine günstige klimatische und strategische Lage wurde das Gebiet bereits in der Kupferzeit besiedelt. Über Sanzeno und Dermulo führt die SS43 in Richtung Trento, wobei sich links und rechts der Trentiner Apfelstraße weite Obstgärten ausbreiten. Links biegt ein Sträßchen zum Castel Thun in Vigo di Ton ab – ein prächtiges Beispiel gotischer Burgenarchitektur und Symbol des riesigen Prunks eines der mächtigsten Trentiner Geschlechter. Zurück auf der SS43 erblickt man am Eingang zum Etschtal die antike Ortschaft Mezzocorona in der Rotaliana-Ebene, die als „der schönste Weingarten Europas“ bezeichnet wird. Die Reben genießen hier traditionsgemäß eine sogenannte „Spalier-Erziehung“. Einen Besuch lohnt die ortsansässige Weinkellerei mit Direktverkauf und Verkostungsmöglichkeit – übrigens einer der größten Weinbetriebe Italiens – als auch die ziemlich unbekannte Burgruine Castello San Gottardo, eine senkrecht in die Felswand getriebene Höhlenfestung hoch über dem Tale, nach dem heiligen Godehard benannt, der 1022 zum Bischof von Hildesheim berufen und später heiliggesprochen wurde. Auf der anderen Seite des Flusses liegt San Michele, wo sich die Weinberge der Rotaliana-Ebene bis zu den Hügeln von Faedo und Giovo erstrecken. Inzwischen auf der Trentiner Weinstraße, folgt man einem winzigen Sträßchen über Faedo zur SP612 auf die Nordseite des Val di Cembra, ins Deutsche übersetzt: Zimberntal. Allerdings leben die 1.000 Zimbern mittlerweile nur noch auf drei Sprachinseln südlich von hier im Valsugana bzw. in den benachbarten östlichen Provinzen. Die mit bunten Weinreben bewachsenen Terrassen verleihen dem Tal sein typisches Aussehen. In den Weinkellern und Brennereien kann man lokale Weine und Grappe verkosten als auch unverfälschte Speisen mit Bergtradition genießen.

Wichtige Dokumente sind in der Pinakothek von Cavalese zu sehen

Auf der Südseite des Tals lohnt ein Abstecher zur Hochebene von Pinè mit ihren Nadelwäldern und den beiden kristallklaren Seen Lago della Serraia und Lago delle Piazze, umgeben von der imposanten Kulisse der südlichen Dolomiten. In der Nähe von Segonzano sind Erdpyramiden zu bestaunen. Es handelt sich um elegante Kolonnen mit einer Höhe bis zu 20 Metern, deren Spitzen von großen Felsen gekrönt sind. In Cavalese endet das Val di Cembra und beginnt das Val di Fiemme. Ein Besuch der Museum-Pinakothek im schönen Pallazzo della Magnifica Comunità di Fiemme, einer fast tausendjährigen, selbstverwaltenden Gemeinschaft des Fleimstals, ist zu empfehlen. Der Gang durch die antiken Gemäuer des adeligen Palastes beginnt mit der Ausstellung der wichtigsten Dokumente der Gemeinde. Originale und Kopien des ersten Statuts des Tales sind hier ausgestellt. Zum Passo Lavazè geht es auf der SS620 vorbei an weiten Hochalmen durch lichte Wälder und mit herrlichen Ausblicken auf das Fleimstal. Auf der Passhöhe zweigt ein kleiner Fahrweg zum abseits gelegenen Jochgrimm ab – eine wirklich lohnenswerte, aber kurvenreiche Sackgasse, zwischen Weißhorn und Schwarzhorn gelegen. Vorsicht ist hier nur vor den frei weidenden Kühen geboten. Diese betrachten die Straße zu Recht als ihr ureigenes Territorium. Oben existieren auch ein paar Berggasthöfe für den entspannten Einkehrschwung. Zurück auf der SS620 fährt man gen Norden nach Rauth in Südtirol, wo die Orte wieder zweisprachig beschildert sind. Nahezu die gesamte Strecke hinunter nach Birchabruck führt durch dunklen Nadelwald entlang eines kleinen Bergflüsschens. Als krönender Abschluss der Tour wird das wildromantische Eggental durchquert, bevor man über Bozen zurück ins Meraner Land und zum Urlaubsdomizil in Algund findet.

Fotos: Tourismusverein Algund/Daniela Prossliner (1)

Touren-Empfehlung von Cabriolife

  • Strecke ca. 212 km
    Fahrzeit ca. 4 Stunden
    Algund - Gampenjoch - Val di Non - Trentiner Apfelstraße und Weinstraße - Val di Cembra ­- Passo Lavazè - Etschtal

Zimbrisch

  • Eine traditionelle Mundart

  • Die Zimbern sind eine bayrische Sprachminderheit, die drei kleine Sprachinseln in den Regionen Venetien und Trentino-SÜdtirol bilden. Ihre traditionelle Mundart, das Zimbrische, in den „Sieben Gemeinden“ (Sette Comuni) seit dem 17. Jahrhundert zur Schriftsprache ausgebaut, wird heute nur noch von knapp 1.000 Menschen gesprochen, wovon die meisten im Trentino leben. Alle Bewohner sprechen Italienisch, viele auch Deutsch. Nur im Dorf Lusern ist das Zimbrische auch heute Alltagssprache. Die anderen noch existierenden Sprachinseln liegen Übrigens im Valle dei Mòcheni (Fersental), in Sappada, Provinz Belluno, sowie in Sauris und Timau, Provinz Udine. Es wird vermutet, dass der Begriff „Zimbrisch“ vom Wort Tzimberer (Zimmerer) stammt.