Home Kontakt Impressum

Tourenberichte

BBQ Road zurück

Eigentlich begann alles ganz harmlos, während eines Abendessens bei Grill-Ikone Klaus Winter in seinem Restaurant „Strandhaus“ in Lindau. Er erzählte von der anstehenden Grill-Weltmeisterschaft in Marokko und von einem BBQ-Konvoi, der sich von Lyon aus auf den Weg nach Afrika macht, wo sich Meister aus ganz Europa treffen.

Draußen vor der Tür steht er: der brandneue Opel Cascada, der standesgemäß bewegt werden will. Nur – das Wetter in Mitteleuropa ist so mies und nasskalt, dass an Open-Air-Unternehmungen nicht zu denken ist. Warum also nicht nach Nordafrika? Sicherlich nicht der nächste Weg, aber einer, der viel Spannung und vor allem Sonne verspricht. Und überhaupt – einer Grill-WM beizuwohnen fand ich höchst spannend. Dies schien genau die richtige Tour zu sein, um den neuen Wagen einzufahren. Wir, das ist der Verfasser und eine gute Bekannte, die sich spontan von der Idee begeistern ließ, lassen die von links-liberalen Schreckbremsern dominierten deutschen Autobahnen schnell hinter uns. Ab jetzt gilt freie Fahrt bis zum Mittelmeer! Auf der A 7, der Autoroute du Soleil, passieren wir Lyon. Die Sonne haben wir bislang aber nicht gesehen, der Regen trommelt unablässig aufs Verdeck. Das einzige Blau weit und breit scheint das unseres Fahrzeugs zu sein.
Es ist zwölf Uhr mittags. Auf dem Autobahnrastplatz hinter Lyon treffen wir tatsächlich auf die Konvoiteilnehmer. Eine stattliche Anzahl fetter Pickups – vornehmlich Dodge Rams, friedlich vereint mit üppig motorisierten SUVs aller Couleur, daneben und dahinter, Wohnmobile und Kleinbusse sowie ein Truck, der auch noch einen Wohnanhänger hinter sich herschleppt. Überhaupt hängen an einigen der Gefährte dampflokartige Ungetüme, sogenannte „Barbecue-Smoker“, mobile holz- oder kohlebefeuerte Öfen, in denen Speisen im heißen Rauch sanft gegart, respektive geräuchert werden. Eine uramerikanische Erfindung des 19. Jahrhunderts, die sich schnell auch in der alten Welt etabliert hat. Jetzt steigt kein Rauch mehr auf, obgleich die Jungs um den Schweizer Konvoi-Chef großzügig Beef Brisket (Rinderbrust) verteilen. Viel Zeit für den BBQ-Break bleibt nicht, der Roadmaster scheucht den Tross vom Platz. Das Tagesziel ist der kleine Ort La Jonquera in der Region Katalonien. Neben dem Baskenland und Galizien zählt Katalonien zu den historisch autonomen Gemeinschaften Spaniens.

High Noon am Autobahnrastplatz „Relais de Solaize“ hinter Lyon

Von teils heftigen Mistralböen längs des Küstenstreifens – von Perpignan bis kurz vor den südöstlichen Ausläufern der Pyrenäen – arg geschüttelt, treffen wir am späten Abend in unserem Hotel ein. Die Gemeinde La Jonquera, wo im letzten Jahr ein verheerender Waldbrand wütete, liegt in den Pyrenäen an der Grenze zu Frankreich. Der Ort war schon zu Zeiten der Römer eine bedeutsame Grenzstation. Zu jener Zeit passierte die römische Via Augusta an exponierter Stelle, der katalanischen Pforte, die Pyrenäen. Traurige Berühmtheit erlangte der kleine Ort vor drei Jahren durch die Eröffnung Europas größtem Bordells. Gegen den massiven Widerstand des Bürgermeisters erzwang die spanische Justiz seinerzeit die Baugenehmigung. Beim Nachbarn in Frankreich sind nämlich Bordelle verboten!
Das kleine Fischerdorf L ́Ampolla unweit des Ebro-Deltas, mit seinen sanft abfallenden Sandstränden, war bereits Ende der 80er-Jahre ein beliebtes Domizil eidgenössischer Aussteiger, die hier eine neue Existenz begründeten. Einer von ihnen ist Werner Bärenfaller, einstmals Koch und Gründungsmitglied der World Barbecue Association, der uns Konvoi-Teilnehmer zu einem opulenten Barbecue auf seiner Farm willkommen heißt. Der 62-Jährige lebt seit nunmehr 35 Jahren im Hinterland auf einer idyllisch gelegenen Farm, wo er unter anderem ein Restaurant, oder besser einen Saloon, betreibt. Wir genießen seine sagenhafte Paella und sanft gegarte Köstlichkeiten vom Kohlegrill und aus dem Smoker. Mit vollem Magen klinken wir uns aus. Schließlich wollen wir den Ort noch ein wenig erkunden, bevor es am nächsten Morgen auf die heftige Schlussetappe des Trecks geht: gut 650 Kilometer. Für uns, im Opel Cascada, eine kurzweilige Cruising-Tour. Für das Gros des Konvois, eine Monster-Etappe zum Fährhafen in Almería, wo wir uns die nächste Nacht einschiffen werden. Wir schlafen aus, lassen den Treck ziehen...

Im weiten Bogen um Valencia und den Teutonengrill

Nach Valencia verlassen wir die maut-pflichtige Autopista AP-7 und gleiten auf großzügig ausgebauten Nationalstraßen, den sogenannten Autovías, durch kaum urbanisiertes Terrain. Das Verdeck verschwindet augenblicklich und wir genießen das Sonnenbad bei Tempo 110. Die Costa Brava, diesen schon in den 50er-Jahren von vielen Deutschen „nachhaltig“ heimgesuchten Küstenabschnitt zwischen Cap de Sant Antoni bis kurz vor Cartagena, lassen wir ganz weit links liegen. Murcia, eine der ältesten Universitätsstädte Spaniens, lassen wir ebenso links liegen, auch wenn wir nur allzu gerne eine ganz besondere murcianische Spezialität genossen hätten, die Morcilla – eine Blutwurst mit Zimt und Pinienkernen. Wir wollen noch bei Tageslicht den Konvoi im Fährhafen treffen.
Ein Hauch von Nordafrika umfängt uns, als wir die engen Gassen mit den alten weißen Häuschen und die palmenbewehrte Corniche in Almería durchfahren. Und ist da nicht dieser unnachahmliche Geruch von frischer Minze und exotischen Gewürzen – oder bilden wir uns dies nur ein? Gedanklich sind wir jedenfalls schon fast drüben. Knapp 100 Seemeilen trennen uns von Marokko. Angekommen im Fährhafen verschwinden bereits die letzten Fahrzeuge unseres Konvois im Bauch des Schiffes. Wir Nachzügler kommen spät, aber noch im Zeitfenster. Die riesige Auffahrtrampe schließt sich. Unser Cascada hat jetzt für gut sechs Stunden Pause.
Nach drei Tagen Autofahrt und einer Nacht an Bord des Fährschiffes, landen wir in der spanischen Exklave Melilla an. Jetzt gilt es eine letzte Hürde zu überwinden: Einreise nach Marokko. Quälend zieht sich das Prozedere am Zoll hin. Die Papiere für die temporäre Einfuhr des Wahl-Rüsselsheimers müssen erst beschafft und dann ausgefüllt werden. Pass hier vorzeigen, Stempel dort abholen und das gleiche nochmals für die Opel-Papiere. Und plötzlich geht’s ganz flott. „Sie kommen aus Rüsselsheim...?“, so die suggestive Frage des Zollbeamten, und dies in relativ sauberem Deutsch. „Der Wagen ja, ich aber nicht“, erkläre ich mich und will nachsetzen. Soweit komme ich nicht. Jetzt erzählt er nicht ohne Stolz von seinem Bruder, der in Groß-Gerau mit seiner Familie lebt und bei Opel arbeitet, und den er hin und wieder in Deutschland besucht. Keine Frage, Opel baut für ihn die besten Autos der Welt, und von dem neuen Cascada hat er auch schon gehört. Wir haben einen neuen Freund. Der Stempel saust aufs Papier und er wünscht uns einen angenehmen Aufenthalt im Königreich. Wir sind durch, der Rest des Konvois zieht nach. Die Kunde vom BBQ-Konvoi nach Saïdia hat wohl auch den Rest seiner Kollegen und Kolleginnen erreicht ...

Uns erwartete ein großer Bahnhof in Beni Enzar und in Saïdia

Kaum auf der anderen Seite des Grenzzauns angekommen, werden wir von einer Motorradstaffel des Gold Wing Clubs in Empfang genommen. Der veranstaltende marokkanische BBQ-Verband hat dies organisiert. Gut zwei Dutzend Gold Wings eskortieren uns, machen den Weg buchstäblich frei, auf den letzten 80 Kilometern längs der Mittelmeerküste nach Saïdia. Jetzt fahren tatsächlich alle im Konvoi, wir mitten drin. Die Jungs vom Gold Wing Club halten die Herde zusammen. Der Einzug in Saïdia gleicht einem Triumphzug. Hinter uns liegen knapp 2.200 Kilometer. Wir haben es geschafft. Auch in den Zeiten modernster mobiler Technik und hochentwickelter Verkehrsinfrastruktur – es bleibt ein Hauch von Abenteuer. Die hier bereits versammelte Barbecue-Internationale feiert unsere Ankunft. Die Spiele mögen beginnen.
Was die Vegetarier unter uns erblassen lässt, wird hier auf höchstem Niveau zelebriert. Annähernd zwei Tonnen Fleisch, darunter gut 200 Hühner, mussten herhalten, für eine Demonstration des guten Geschmacks. Dafür reisten aus der ganzen Welt 35 Teams aus 23 Nationen an, um einer internationalen Fachjury fünf Wertungsgänge vorzulegen: Lammrippchen, Hühnchen, Lammschulter, Rinderbrust und ein Dessert. Es herrscht ein köstliches kosmopolitisches Durcheinander auf dem mit unzähligen bunten Fahnen gesäumten Place Mahgreb im Zentrum Saïdias, wo wir zusammen mit abertausend begeisterten Marokkanern eine fulminante Grill- und Barbecue-Show erleben. Hier wird ein wahres Feuerwerk an kulinarischen Köstlichkeiten auf den Rosten und im Smoker der internationalen Grill-Elite abgefackelt. Die Neugierde und das Interesse an dem, was die ausländischen Gäste bieten, ist so groß, dass die Scheu vor dem vermeintlich Fremden schnell weicht. Sprachbarrieren gibt es keine, denn guter Geschmack, ein feines Essen, und wenn es eben nur eine Kostprobe ist, wird mit einem Kopfnicken oder beredten Gesten belohnt. Essen verbindet – weltweit.

Das trifft zu: Wir kamen als Fremde und gingen als Freunde

Während noch die Juroren mit der Auswertung befasst sind, bricht auf dem Platz Jubel aus. Die Teams aus dem Kongo und der Elfenbeinküste haben die Showbühne geentert und begeistern die Menge mit rhythmischen Tänzen. Der Funke springt über. Eine berberische Folklore-Truppe nimmt den Rhythmus auf, jetzt gibt’s kein Halten mehr. Libyer, Argentinier, junge Marokkaner, Österreicher und der Rest der Welt tanzen ausgelassen auf der Bühne. Es sind vor allem diese Bilder, die uns und den Teilnehmern der ersten Barbecue-WM auf afrikanischem Boden in Erinnerung bleiben werden. Gegen 18 Uhr verkündet der Jury-Marshall das Ergebnis. Der neue BBQ-Champion kommt aus Dänemark, dicht gefolgt von dem amtierenden deutschen Meister, dem Team Gut Glut aus Rösrath bei Köln. Den dritten Platz belegt das Team aus dem Fürstentum Liechtenstein. Auch wir fühlen uns als Sieger. Denn alle, die den Weg in das nordafrikanische Küstenstädtchen gefunden hatten, haben gewonnen.

Text: Ernst H.R. Büttner
Fotos: Christian Lutze

Das Nationalgericht der Region Valencia ist die Paella. Für eine Paella von Werner Bärenfaller fahren einige Gäste auch mehrere tausend Kilometer.

Ein Horrorszenario für Vegetarier. Bei der BBQ-Weltmeisterschaft in Marokko wurden annähernd zwei Tonnen Fleisch vergrillt.

Garküchen warten auf hungrige Reisende: Pitstop in Saïdia, unweit der Grenze zu Algerien.

Heiß und süß muss er sein, der köstliche Tee, zubereitet mit frischer Minze – auch im Sommer ein Genuss!

Fahrpausen BBQ Road

  • Lindau / Bodensee
  • Strandhaus
    Das beste Barbecue am See
    Restaurant, Bar, Cafe
    Fraunhoferstraße 20
    D-88131 Lindau-Zech
    Tel. +49 8382 27 37 992
    www.strandhaus.li
  • Lyon
  • „La ville de gueule“, was soviel heißt wie „Stadt der Gaumenfreuden“. (Die Altstadt gehört zum UNESCO Weltkulturerbe.) Im Örtchen Collonges au Mont d’Or, unweit von Lyon, wurde Paul Bocuse geboren. Hier betreibt er auch sein Restaurant.
  • L’Auberge du Pont de Collonges
    40, quai de la Plage
    F-69660 Collonges au Mont d'Or
    Tel. +33 4 72 42 90 90
    www.bocuse.fr
  • Hôtel des Célestins
    Zentral & charmant schlafen
    4, rue des Archers
    F-69002 Lyon
    Tel. +33 4 72 56 08 98
    www.hotelcelestins.com
  • Orange
  • Sehenswert
    Ein vorzüglich erhaltenes römisches Amphitheater aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. und das an der Straße nach Lyon gelegene römische Monumentaltor aus vorchristlicher Zeit.
  • La Jonquera
  • AS Hotels Porta Catalana
    Schlafen – direkt an der Piste
    Autopista AP-7 Km 6
    Área de servicio La Jonquera
    E-17700 La Jonquera, Girona
    Tel. +34 93 363 63 63
    ashotelesportacatalana.com
  • Figueres
  • Der Geburtsort des Surrealisten Salvador Dalí. Im Stadttheater hat der große Meister das erste Mal seine Werke ausgestellt. Hier liegt er auch begraben, in der Krypta unter einer Glaskuppel.
  • Lohnende Autobahnausfahrt
    Teatre-Museu Dali
    Plaza Gala-Salvador Dalí, 5
    E-17600 Figueres, Girona
    Tel. +34 972 677 500
    www.salvador-dali.org
  • L’Ampolla
  • Hotel Flamingo
    Ruhig & gepflegt schlafen
    C/ Ronda del Mar, 58
    E-43895 L’Ampolla, Tarragona
    Tel. +34 977 59 38 1
    www.hotelflamingo.cat
  • Dalton’s Bar-B-Q Catering
    Barbecue und Paella bei
    Werner Bärenfaller
    Apartado de correos No.40
    E-43895 L’Ampolla, Tarragona
    Tel. +34 607 211 659
    www.vivabarbacoa.com
  • Il Gattopardo
    Tapas & Burger & Cerveza
    Marcel Miralles, 22
    E-43895 L’Ampolla, Tarragona
    Tel. +34 977 593 459
  • Parc Natural del Delta de l’Ebre
    Ein Muss für Naturliebhaber: Mit einer Fläche von 320 km2 ist er das zweitgrößte Feuchtgebiet und größte Reisanbaugebiet Spaniens.
    www.deltaebro.com
  • Elx (Elche)
  • Zentrum der spanischen Schuhindustrie. Nach dem Schuhkauf ist Chillen in einem der schönen schattenspendenden Palmengärten angesagt, wobei man sich gleich auf Nordafrika einstimmen kann. Einer dieser Palmenhaine wurde übrigens zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt.
  • Almería
  • Sehenswert
    Alte maurische Festung Alcazaba und die darunter gelegene Medina. Wilder Westen herrscht gleich ums Eck im Naturpark Cabo de Gata. Es ist dies die einzige Wüste (bzw. Halbwüste) Europas. Hunderte Westernfilme wurden hier gedreht. Unter anderem auch Sergio Leones „Spiel mir das Lied vom Tod“.
  • Plaza Vieja Hotel & Lounge
    Viel Atmosphäre! Im Herzen der Altstadt schlafen
    Plaza de la Constitución, 4
    E-04003 Almería
    Tel. +34 950 28 20 96
    www.plazaviejahl.com
  • Casa Puga
  • Essen einen guten Steinwurf vom Plaza Vieja Hotel entfernt — eine Institution! Seit 1870 gibt es diese beliebte Taberna – Bar. Die Vielfalt der angebotenen Tapas-Köstlichkeiten wird nur noch durch die Weinkarte getoppt.
    C/ Jovellanos, 7
    E-04003 Almería
    Tel. +34 950 23 15 30
    www.barcasapuga.es