Home Kontakt Impressum

Tourenberichte

Ja da schau her! Münchner G'schichten zurück

Es muss endlich geschrieben werden: München wurde geschaffen, um Cabrio-Freunden das Leben zu versüßen. Die Straßen der Stadt sind Genuss-Strecken, ihre Parkplätze Lifestyle-Buchten. Gehsteige verwandeln sich in Laufstege und Straßencafés bieten Logenplätze. Dafür gibt es einen Grund: Auf Münchens Wegen liegen Geschichten. Alte. Neue. Mögliche. Ihre?

Der bayerische König Ludwig I. war ein leidenschaftlicher Cabrio-Fan. Er liebte es, offen durch seine Stadt zu kutschieren. Das kostete ihn den Thron. Souverän lächelte er sich darüber hinweg. Schließlich bezahlte er mit dem Karriereknick für ein besonderes Vergnügen: die Affäre mit der Tänzerin Lola Montez. Der König war bis unter die Krone verliebt. Warnungen, wie die des Erzbischofs von München und Freising, schlug er in den Wind. "Bleib’ Du bei deiner Stola, ich bleib’ bei meiner Lola!", bescherte er dem Geistlichen, als dieser ihn seinerzeit bat, die leidenschaftliche Liebschaft diskreter zu pflegen. Doch Ludwig I. war nicht zu retten. Der König wollte weiterhin mit der berüchtigten Tänzerin und ein paar wenigen Pferdestärken offen durch die Isar-Metropole fahren. Er wusste warum. Auf Münchens Straßen werden alle Sinne angesprochen.

Dafür hatte nicht zuletzt der König selbst gesorgt. Unter seiner Regentschaft (1825 –1848) erblühte München zu einer europaweit anerkannten Kunstmetropole, zum sogenannten „Isar-Athen“. Spätestens jetzt müssen wir darauf hinweisen: Ludwig I. ist nicht der "Märchenkönig", dem wir Neuschwanstein zu verdanken haben, sondern dessen Großvater. Sein Enkel wurde drei Jahre vor der Abdankung Ludwig I. im Schloss Nymphenburg geboren. Hier beginnt Ihre Tour mit einer Audienz bei Lola Montez. Sie treffen die Dame in der Galerie der Schönheit. Selbstbewusst und verführerisch blickt sie aus einem Bilderrahmen. Doch sie ist nicht allein. Ihr Liebhaber Ludwig I. pflegte sein Faible für Frauen im großen Stil. Er beauftragte seine Hofmaler, die Schönsten des Königreichs zu finden und zu portraitieren. Heute setzen Sie sich in Szene: Parken Sie Ihr Cabriolet direkt vor dem Schloss. Die Kulisse schmeichelt Ihrem Wagen, während Sie im Schlosspark lustwandeln. Oder wollen Sie lieber Richtung Frühstück lenken?

Bitte anschnallen. Zwischen Ihnen und einem Café Latte liegt noch ein Stück Weg. Dabei umzirkeln Sie die Innenstadt, vorbei am Sendlinger Tor. Gönnen Sie sich einen Abstecher zum wunderschönen Gärtnerplatz mit seinem Theater und dem Box. Das Lokal lädt zum italienischen Frühstück, zu Pasta und vor allem zum Bleiben ein. München gilt nicht umsonst als nördlichste Stadt Italiens.

Mit einer angenehmen Brise Fahrtwind geht es weiter. Vorbei am Viktualienmarkt und Isartor, biegen Sie in die teuerste Meile Münchens ein. In die Maximilianstraße, wo Armani, Gucci & Co. Dependancen führen. Am Sonntag können Sie direkt vor Ihrem Lieblingsladen parken und ein wenig flanieren. Wochentags bekommen Sie hier eine private Vorstellung davon, was für Münchens Ruf sorgte, eine Stadt der Reichen und Schönen zu sein.

Dann geht es zum Fototermin vor die Oper. Hier können Sie sich selbst und Ihren Begleiter in Szene setzen. Das Hotel vier Jahreszeiten lassen Sie auf der Strecke rechts liegen. An Schlaf ist noch lange nicht zu denken, obwohl man Sie hier feudal bettet, ebenso wie im Bayerischen Hof. Später ...Wenn Sie original Weißwürste essen wollen, müssen Sie sich beeilen. Diese bayerische Delikatesse darf das "12-Uhr-Läuten" nicht hören. Früher, als es noch keine Kühlschränke gab, machte diese Tradition Sinn, heute macht sie Freude. Sie gibt den Bayern einen Grund für das erste Bier am Tag. Zu Weißwürsten passt eben keine Limonade und für Autofahrer gibt es schließlich die Alternative alkoholfreies "Weißes". Nur, wo sollen Sie den Gerstensaft zum Münchner Morgenmahl kombinieren? Und sollen Sie wirklich? Aber freilich!

In der Innenstadt schmecken die Weißwürste neben der Frauenkirche im Andechser am Dom oder im Weißen Bräuhaus im Tal. Diese Adressen bevorzugen auch die Einheimischen. Schauen Sie sich von ihnen ab, wie man die berühmten Würste isst: ohne Haut, mit süßem Senf und einer Brezn.

Nur wenige Schritte entfernt, mitten in der Fußgängerzone, steht das Rathaus. Ein lohnender Blick und dann nichts wie zurück zu Ihrem Wagen. Es gibt viel zu entdecken. Das Lehel am linken Isarufer zuerst.

Die Klosterkirche St. Anna führt Sie ins Herz des alten Viertels mit seinen Häusern im Jugendstil und Biedermeier. Sobald Sie sich daran satt gesehen haben, lenken Sie in die majestätische Prinzregentenstraße mit seinen Museen. Hier siedelt das Haus der Kunst, die Neue Sammlung und das Bayerische Nationalmuseum. Die erhabenen großen Gebäude machen nur einen kleinen Fleck in der Münchner Kunst-Landschaft aus. Insgesamt zählt die Stadt über 50 Museen und Sammlungen, darunter das größte technische Museum der Welt, das Deutsche Museum. Das liegt auch an der Isar, nur zwei Brücken weiter. Genug Informationen, jetzt ist ein Blick nach oben angesagt. Sie fahren direkt auf den Friedensengel zu. Sein Gold leuchtet über München und zu seinen Füßen lässt sich vorzüglich ein Picknick mit Panoramablick veranstalten. Beste Zutaten erhalten Sie bei Feinkost Käfer. Sollte Ihnen der Sinn nicht nach Selbstbe dienung stehen – im hauseigenen Restaurant speisen Sie vorzüglich. Schräg gegenüber liegt das Prinzregententheater. Danach empfehlen wir eine Prise Frankreich. Die können Sie in Haidhausen schnuppern. Nicht nur, weil es hier die besten Franzosen der Stadt gibt: das Rue Les Halles und das Le Faubourg. Wenn Sie zwischen Wiener Platz und Bordeauxplatz Edith Piaf oder Serge Gainsbourg in den CD-Spieler legen, offenbart sich der besondere Charme dieses Stadtteils garantiert. Genießen Sie ihn, denn gleich gibt es Promi-Alarm.

Wir fahren nach Bogenhausen. Wenn Sie durch die kleinen feinen Straßen steuern, begeben Sie sich in eine erstklassige Lage. Nur Grünwald mit seinen Villen schlägt dieses noble Viertel. Ihre nächste Station ist der Kleinhesseloher See im Englischen Garten. Im Biergarten am Seehaus trifft sich, wer wichtig ist oder es gern wäre. Im Biergarten am Chinesischen Turm geht es entspannter zu – und lauter, wenn im Turm die Kapelle den Bayern den Marsch bläst.

Die Leopoldstraße führt Sie durch Schwabing zurück in die Innenstadt. Wenn Sie auf der belebten Strecke mit Cafés und Eisdielen nicht zu einem Stopp verführt werden, dann dürfen Sie sich auf das Tambosi am Hofgarten freuen. Hier lebt innen und außen alte Kaffeehaus-Kultur, hier können Sie sich mit Blick auf Feldherrnhalle und Theatinerkirche von der Sonne kitzeln lassen. Eine Alternative um die Ecke: die schattigen Bäume des Hofgartens.

Die Brienner Straße bringt Sie zum Königsplatz. Das Prachttor in seiner Mitte hat Leo von Klenze mit Blick auf die Akropolis entworfen. Links und rechts prägt die antike Tempelarchitektur der Glyptothek und der Antikensammlung den Ort. Hier lässt sich erahnen, warum man München einst den Titel „Isar-Athen“ verlieh.

Nur ein paar Meter weiter liegt Italien – zumindest ein Eindruck davon: das Lenbachhaus, erbaut im Stile einer Renaissance-Villa. Zu ihm gehört der wohl romantischste Garten Münchens.

Apropos Romantik. Wollen Sie wissen, was aus Lola Montez wurde? Ein Star! Nach der Skandal-Affäre flieht sie aus München in die Schweiz, schreibt ihre Memoiren und wandert nach New York aus. Am Broadway führt sie „Lola Montez in Bavaria“ auf. Dem König blieben das Gemälde in seiner Schönheitsgalerie und die Erinnerung an das Vergnügen, mit Lola im offenen Wagen durch München gefahren zu sein. Ähnlich schöne Erinnerungen wünschen wir Ihnen! Gute Fahrt!

Text | Erika Thimel

Monopterus im Englischen Garten

Oktoberfest

Münchner Schmankerl: 2 Weißwurste mit süßem Senf