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Tourenberichte

Hey! Weisst du noch? zurück

Auf der deutschen Spielzeugstraße von Nürnberg über Coburg und Sonneberg nach Ilmenau. Eine Reise im „Spielzeug für Erwachsene“, einem Audi A3 Cabrio, zu Eisenbahnen, Modellautos und Puppen. Mit an Bord ein Zwölfjähriger, damit auch der Blick auf die Welt des Spielzeuges aus heutiger Kinderperspektive nicht zu kurz kommt.

Als die Mannen um Gerd Müller 1974 für die gewonnene Fußballweltmeisterschaft zur Siegprämie noch einen fabrikneuen VW Kaäfer erhielten und, im selben Sommer, die ersten Audi 50 vom Band rollten, startete im fränkischen Zirndorf eine Erfolgsgeschichte, deren Ende längst nicht abzusehen ist. Stets freundlich lächelnd haben sie die Kinderzimmer erobert – die mittlerweile 2,5 Milliarden Playmobil-Figuren von Brandstätter, jener Firma übrigens, die zuvor schon Hula-Hoop-Reifen unters hüfteschwingende Volk geworfen hatte. Garant des unternehmerischen Erfolges ist nicht zuletzt professionelles Marketing, und so öffnen sich in Zirndorf die Tore des Playmobil-FunParks nach Feierabend nochmal für Gabi, Jan und mich zum Fotoshooting mit dem vierrädrigen Hauptdarsteller der Spielzeugstraßentour, dem Audi A3 Cabrio. Der wirkt vor den XXXL-Kulissen des Freizeitparkes keineswegs überdimensioniert, sondern könnte gleich integriert werden, sei es als weiße Hochzeitskutsche – mit 140 Pferdchen! – für die Prinzessin auf der Ritterburg oder als Fluchtauto für Gefangene, die es per Floß vom Piratenschiff an Land geschafft haben. Aber das ginge, trotz aller Innovationsfreude der stets nach neuen Themenwelten suchenden Macher bei Playmobil, dann doch zu weit, denn ins ganz auf die Phantasie der Besucher setzende Spielkonzept passen keine Fahrgeschäfte.
Ein Druck aufs Knöpfchen, und dank unsichtbarer Helferlein, viele davon vermutlich kleiner als die 7,5 Zentimeter große Playmobil-Standardfigur, faltet sich die Stoffmütze unseres Protagonisten ordentlich zusammen, sodass wir oben ohne von Zirndorf ins nahe Nürnberg surfen. Die Stadt ist, nicht nur zu Zeiten der Fachbesuchern vorbehaltenen, weltgrößten Spielwarenmesse Anfang Februar, ein Paradies für kleine wie große Spielkinder und lässt selbst hartnäckige Museumsmuffel schwach werden.

Nürnberg lässt selbst hartnäckige Museumsmuffel schwach werden

Ganz stark das DB Museum voller Lokomotiven und Waggons in Originalgröße. Ob stromlinienförmige 05 001, mit 2,30 Meter hohen, flammend roten Speichenrädern und 175 km/h Spitze bis heute die schnellste Dampflok Deutschlands, oder der brave Schienenbus, dessen Kunstledersitze selbst nach Jahrzehnten noch den Muff der Wirtschaftswunderzeit verströmen – Exponate wie diese sind quasi das Salz in der Suppe von zwei Jahrhunderten Eisenbahngeschichte. Nicht zu vergessen auch Werner Otto, 59 Jahre, Lokführer im Vorruhestand und hier nun Modellbahnvorführer auf 400-Euro-Basis. „Das ist kein einfacher Job und schwerer als Klavierspielen“, stöhnt Otto, während er von vier Gleisbild-Stellwerken aus virtuos 30 Fleischmann-Zug-Garnituren über das verzweigte Netz von 500 Metern Schiene dirigiert, immer in der Hoffnung, sich nicht zu oft durch die diversen Klappen in der 140 Quadratmeter großen Pappmascheelandschaft zwängen und „Rädele wieder auf die Gleise stellen“ zu müssen. Fast schon touristische Pflicht, besonders, wenn mittags was in den Magen muss: sechs Nürnberger Rostbratwürstel. Damit sich auch der Blick über den Tellerrand lohnt, empfiehlt sich ein Lokal in dem von Türmen und Mauern der mittelalterlichen Stadtbefestigung umrahmten Handwerkerhof am Königstor. Magnetische Anziehungskraft in dem Geviert voller Kunstgewerbeläden hat natürlich der auf An- und Verkauf spezialisierte Blechspielzeugladen von Alexander Baier. Ein buchstäblich überbordendes, buntes Sammelsurium an Preziosen. Wie Torpedos schießen da aus den Tiefen der Erinnerung plözlich Szenen der Kindheit empor. Mein erstes Déjà-vu-Erlebnis dieser Reise ist das Wiedersehen mit einem U-Boot, wie es seinerzeit die Badewannensessions begleitete. „Andere Jungs haben das gute Stück sogar oft unfreiwillig und für immer im Dorfteich versenkt“, so Lothar Ihrig, 57, hauptberuflich Zahntechniker und samstags aushilfsweise hinterm Tresen im Handwerkerhof stehend.
Der Mann kennt sich aus, holt auf die Frage nach einem Wagen mit den vier Ringen prompt einen Auto Union Studio II von Schuco aus der Vitrine, „den mit der Zwillingsbereifung auf der Hinterachse für die Bergrennen“. Das gute Stück kostet 98,90 Euro, wenig im Vergleich zum ebenfalls vorrätigen, seltenen Distler Porsche für 800 Euro. Auch Gabi ist hin und weg, entdeckt jene Propellerflugzeuge, die sie stets vergeblich auf ihren Wunschzettel schrieb; dabei hätte ein klitzekleines, nur 10 Zentimeter langes Exemplar ja schon zum selig sein gereicht. Stattdessen gab’s – und gibt’s im Blechspielzeugladen noch immer – für die Puppenstube einen Esbitkocher, auf dem die Speckwürfelchen und Milch aber jedes Mal anbrannten. Weiter zum Spielzeugmuseum Nürnberg, bereits die dritte Station heute, die, wie für manche das Shoppen mit Schatzi, einiges an Kondition erfordert. Mannomann, vier Stockwerke, die ganze Vielfalt des Spielzeugs von anno dunnemals bis heute – und alles picobello sortiert. Die Verantwortlichen hatten auf dem Schulzeugnis in Ordnung bestimmt eine Eins. Während Pädagogen angesichts von Schlachtschiffen und Panzern aus der Zeit der Weltkriege wieder mal „Kein Kriegsspielzeug im Kinderzimmer“ fordern, spiegelt sich für Soziologen die großbürgerliche Welt von 1870-1900 in den pompösen Puppenhäusern, deren Preis den Jahresverdienst mancher Heimarbeiter damals überstiegen haben dürfte. Aber es finden sich auch Beispiele für die Nivellierung scheinbar naturgegebener Unterschiede: Die Puppe „Hans“ sieht untenrum genauso aus wie seine doch eindeutig dem weiblichen Geschlecht zuzuordnende Nachbarin im Schaukasten. Tja, prüde waren die Zeiten. Und was registriert unser prä-pupertierendes Adlerauge sofort? Gleich neben der Museumskasse ein Mau-Mau-Spiel mit Motiven aus der Star Wars Saga. Merke: Der Mensch fokussiert (nur) auf das, wofür er sich interessiert. Was dann durchaus länger dauern kann, sodass Parkuhren stets großzügig zu füttern sind; zumal, wenn im Museumscafé „La Kritz“ noch ein Zwischenfazit gezogen wird. Die dabei von Jan favorisierten Vokabeln sind „cool“ und „geil“, mit etwas Abstand folgt „toll“. Solcherart geadelt werden vor allem die Loks zum Anfassen im DB Museum. Und auch wenn bei einem Zwölfjährigen naturgemäß das Reflektionsvermögen noch nicht so ausgeprägt ist, konstatiert er: „An die Sachen von ganz früher muss ich mich gar nicht erinnern; schön, dass es sie einfach gibt.“ In Gabis Ranking ganz oben steht ein schwarzer Pudel. Riesige 50 Zentimeter hoch war respektive ist das auf einem dauernd zum Umkippen neigenden Rollbrett montierte Tier, das sie als Kind hinter sich her zog und nun beim Rendezvous im Spielzeugmuseum mit einem stillen „Da bist du ja wieder“ begrüßt hat.

Im Navi bröckelt die Ankunftszeit fürs Etappenziel Minute um Minute

Sonntagmorgen. Ein letztes Frühstücksmahl im kommoden Headquarter der vergangenen zwei Nächte, dem „Holiday Inn“ in der Engelhardsgasse, und dann: Nürnberg ade, Fräkische Schweiz olé! Diente das Cabrio gestern offen gestanden oder, treffender, zugestandenermaßen nur als bequemer ÖPNV-Ersatz, so wird es nun deutlich artgerechter bewegt, darf in der wiesengrünen Hügellandschaft rund um markante Kalksteinzacken und Burgen spielfreudig Haken schlagen wie Franck Ribéry im gegnerischen Strafraum. Während im Trubachtal hoch über der Straße Felskletterer einen auf Spiderman machen und ein paar Etagen tiefer Bachforellen durchs glasklare Wasser flitzen, lassen sich die Kolben im automobilen Maschinenraum auch nicht lumpen, sausen emsig auf und ab, gespeist von fein zerstäubtem Diesel. Kaffee und Kuchen, dazu den geranieneingefassten Blick auf die prächtige Wallfahrtskirche von Balthasar Neumann, offeriert das Hotel „Krone“ in Gößweinstein. Dass dann das örtliche Spielzeugmuseum bereits geschlossen hat, eine Stunde früher als auf Flyern ausgedruckt, ist zwar schade, zugleich aber willkommenes Startsignal zur zweiten Halbzeit der Berg- und Talfahrt durch eine Landschaft, die den schmückenden Beinamen „Schweiz“ nicht zu Unrecht trägt. Dank der Effizienz aller relevanten Parameter bröckelt die vom Navi fürs heutige Etappenziel prognostizierte Ankunftszeit Minute um Minute. Vom Beifahrersitz richtet sich dabei lediglich, durch ein gelbes Hinweisschild animiert, die mütterliche Stimme an Jan: „Da ist der Ort, aus dem du kommst: Rackersberg.“ Maschine stopp schließlich in Rödental am Braugasthof Grosch, wo man nicht nur Sauerbraten butterzart zuzubereiten, sondern auch durstige Kehlen mittels hauseigenen Fuhrmannstrunks aufs süffigste zu löschen weiß.
Da wegen eines Brandschadens das Coburger Puppenmuseum, von einem früheren Besuch in allerbester Erinnerung, momentan renoviert wird, fällt der Abstecher zur alten Residenzstadt mit der mächtigen Veste aus und kann die Zeit genutzt werden für andere themenbezogene Locations (mal mit, mal ohne Loks) – an denen es unserer Route wahrlich nicht mangelt. Wem es dabei nicht ausschließlich um die kuschelige Verklärung der Kindertage geht, besuche in Neustadt das Museum der Deutschen Spielzeugindustrie. Im Mittelpunkt dort der harte Broterwerb, dem die Menschen der Region einst nachgingen, etwa als Papiermascheegießer, Bärenstopfer, Augeneinsetzer oder Puppenfriseuse.

Die Kindertage werden nicht immer nur kuschelig verklärt

Einer der vielen Betriebe, die hier im ehemaligen Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha Spielwaren produzieren und deren wechselhafte Chronik zudem oft eng verküpft ist mit den politischen Verhältnissen vor und nach 1989, ist die Firma Heunec in Neustadt. „Wir sind Vollsortimenter in Plüsch“, erklärt Prokurist Heiner Dransfeld. „Wie VW, wo es vom up! bis zum Veyron ja auch alles gibt?“, spielt der Autor den Ball zurück. „Naja, anders als bei Herrn Piëch konzentriert sich die Preisspanne bei uns auf den Bereich von 10 bis 30 Euro.“ Wie jedes Team hat Heunec aber ebenfalls einige Stars im knuddeligen Ensemble aus Hunden, Katzen, Mäusen und Bären, produziert als Eigenkonzept oder in Lizenz. Herausragende Vertreter sind so illustre Originale wie die überlebensgroßen Schnatterinchen und Pittiplatsch, Urmel und Wutz. Und während ein Atze Schröder noch als schultornisteranhängseltaugliches Präsent die Reise mit Jan fortsetzen darf – Ja nee, is klar! – , bräuchten wir für das im Showroom aufgebaute, 2,80 x 2,80 Meter große Schachspiel nebst entsprechender Figuren statt des A3 Cabrios eher einen T5 Multivan.

Wir treffen schnatterinchen und pittiplatsch, urmel und Wutz

Auch wenn es wie die Inkarnation einer heilen Spielzeugwelt aussieht: Für Schäfermeister Peter Kieslich, der zusammen mit Sohn Jonas und den Hunden Alette, Negger, Anni und Prinz rund 1.300 Schafe auf einem Hügel bei Almerswind in Schach hält, hat sein Dasein mit Sozialromantik wenig zu tun. Was nicht daran liegt, dass Kolkraben schon mal Lämmer töten, ihnen die Augen auspicken und die Gedärme rausziehen. Der foto- wie telegene Klischeeverkörperer, der bereits als Statist im Luther-Film mitgespielt hat („da gab es extra Frauen, die haben mir die Strümpfe angezogen“), berichtet, dass Schafe nur noch zur Landschaftspflege dienen und dort grasen würden, wo Felder wegen der Hanglage nicht mechanisierbar und bloß mit dem Bio-Mäher kurz zu halten seien; demnächst solle Schafswolle sogar als Sondermüll entsorgt werden. „Schon drei Hunde sind mir von vorbeirasenden Autos überfahren worden, den Schaden durfte ich immer selbst zahlen.“ Meister Kieslich bildet übrigens noch Lehrlinge aus, meistens bewerben sich Mädchen. „Beste von allen war eine mit Dreadlocks, die wollte ich erst gar nicht nehmen.“ Urteil und Vorurteil, immer wieder spielentscheidend im Leben. Unverhoffte Audienz mit gleich drei Figuren der Weltgeschichte wird in Rauenstein gewährt: der Papst, der Dalai Lama und Regentin Angela krönen die Riege der rund 600 Exponate in den Schaukästen des Schildkröt-Museums. Die Traditionsfirma, deren Name Langlebigkeit und Stabilität symbolisiert, stellt seit 1896 Puppen aus Celluloid her; diese waren robuster, realistischer und hygienischer als die zeitgenössischen Pendants aus Porzellan, Holz und Stoff. Wer heute in den Produktionsräumen von Schildkröt beim Prozess des sogenannten Gelierens zusieht, fühlt sich womöglich an die Alchimistenküche Frankensteins erinnert. Metallische Abbilder von Torso, Kopf und Gliedmaßen, alles hübsch voneinander getrennt, warten darauf, mit Leben gefüllt zu werden. Venylpaste in die hohlen Körper, Deckel drauf, und ab in den 250 Grad heißen Ofen. Dort rotieren die Formen um zwei Achsen, und nach neun Minuten – zwei laänger als ein gut gezapftes kühles Blondes – ist der Schöpfungsakt vollbracht. Fast. Mit leisem Plopp wird die fertig gebackene, dünnwandige Kunststoffhaut, zunächst noch elastisch wie ein Luftballon oder auch Kondom, aus der heißen Ummantelung gezogen, bevor sie an der Luft zur vorgegebenen Form erhärtet.

Die Alchimistenküche Frankensteins lässt grüßen

Begleitet von der Urmutter aller irdischen Formen, der glutroten Sonnenscheibe, gleitet das weiße Cabrio wie eine Segelyacht über die Wellenkämme des Thüringer Waldes. Da die Deutsche Spielzeugstraße nur selten ausgeschildert ist – die zahlreichen Ziele markieren den Weg –, kann sich den Kurs jeder selbst abstecken. Was kein wirklicher Nachteil ist. Sonneberg voraus. Neben Nürnberg ist die Stadt das zweite Zentrum der deutschen Spielzeugindustrie, das entsprechende Museum mit einem kulturgeschichtlichen Abriss von der Antike bis zur Gegenwart allerdings nicht unbedingt das, wovon Kinder träumen, die auf Playstation Portable, Xbox 360 und Nintendo Wii stehen. Zum Trost stiftet die mitfühlende Leiterin des Hauses immerhin einen himmelblauen Trabi für den heimischen Fuhrpark. Für die grauen Zellen ein das museale Parkett zierender Spruch: „Man kann sich zu etwas Einfachem viel leichter etwas hinzuträumen als von etwas allzu Reichem etwas wegzudenken.
Durch das Hinzuträumen wird dem Kinde das Ding aber erst recht lieb, dadurch vertieft sich sein Spiel.“ Noch ein bedauernder Blick auf den gefesselten „Gulliver in Liliput“, Schaustück der Londoner Weltausstellung 1851, und endlich Abflug zu der Adresse in Sonneberg, die Kids tatsächlich begeistern kann, zum Raceway von Tamiya.
Der Mini-Hockenheimring ist das Mekka der Generation Joystick. Immer am ersten Augustwochenende treffen sich mehr als 200 Nachwuchspiloten und kämpfen mit 60 km/h schnellen Einheitsmodellen um den Sieg im Fighter-Cup; eine Woche später dann der Euro-Cup, eine freie Klasse, die technisches Tuning an den Bonsai-Boliden erlaubt. Beim Training werden Reifen eingefahren, Kampflinien gesucht – und immer wieder Autos aufs Dach gelegt, was die meist elterlichen Helfer auf den Plan ruft, während der Nachwuchs ungeduldig mit der Fernbedienung hantiert. Und Achtung: Im Werksverkauf kann man schnell das Taschengeld eines ganzen Jahres auf den Kopp hauen. „Wenn Sie hier Samstag um 13 Uhr auf dem Marktplatz hinfallen, besteht die große Chance, dass Sie nicht vor Montag acht Uhr gefunden werden.“ Peter Bufe besitzt nicht nur Humor, sondern auch ein Händchen fürs Gastgewerbe. Zusammen mit Ehefrau Annette, beide ehemalige VEB-Küchenmeister, hat er das „Waldhaus“, ein Hotel hoch über dem schmucken, wenngleich bürgersteighochklapp-gefährdeten Zentrum von Waltershausen gekauft und in ein klasse Kleinod verwandelt. Gleich neben der Gastterrasse ein Kräutergarten voller Kerbel, Lavendel und Thymian, Strauchtomaten und wildem Spargel. Nur logisch, dass der Chef des Hauses dort auch die Zutaten pflückt fürs delikate Dessert, Basilikum-Eis. Mmmhh.

Der „Struwwelpeter“ wurde zur Erziehungsbibel vieler Generationen

Hast du alles probiert? Hat deine Welt sich wirklich gedreht? „Wir sind am Leben“ von Rosenstolz kickt uns in den neuen Tag. Verdeck nach hinten, Lautstärkeregler der fetten Bose-Anlage auf ein noch sozialverträgliches Level und los. Aus der Zeit, als man Pferdedroschke fuhr und Kinder für jede Aufmüpfigkeit gleich verdrosch, stammt der „Struwwelpeter“. 1845 erschien das berühmt-berüchtigte Bilderbuch des Frankfurter Arztes Heinrich Hoffmann, das als Katalog rigoroser Sanktionierungsmaßnahmen zur Erziehungsbibel vieler nachfolgender Generationen wurde. Im Kurort Tabarz bittet die sogenannte Märchenwiese mit ihren Struwwelpeter-Figuren zum kurzweiligen Spazierziehungsgang. Jan: „Warum hat der Suppenkaspar denn nichts anderes zu essen gekriegt; dann hätte er doch nicht verhungern müssen?“ Gabi: „Damals gab es eben keine Partizipation von Kindern und Jugendlichen – nicht nur in der Essensfrage.“ Wer mag, kann jetzt natürlich auch die Problematik von Magersucht und Essstörungen erörtern – oder hochkurven zum Großen Inselsberg und sich dort auf der Panorama-Terrasse vom Berggasthof „Stöhr“ eine Thüringer Rostbratwurst einverleiben.

Die Gefühle und Gedanken schlagen Purzelbäume

Nach Landschaft satt zur Speisung der Synapsen noch zwei Stationen, wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Im Schlossmuseum Arnstadt prunkt die Puppenstadt „Mon plaisir“ mit Schaukästen, deren 391 Figuren und etwa 2.670 Objekte, geschaffen einst von einer Fürstin während ihrer 35-jährigen Witwenzeit, das Leben einer barocken Residenz abbilden. Präsentiert wird das in pastoraler Ruhe und Düsternis, Trabis zur Aufheiterung mitgeschleifter Kinder gibt es keine. Einen quietschebunten Querschnitt durch 40 Jahre des letzten Jahrhunderts bietet dagegen das DDR-Spielzeugmuseum in Ilmenau. Die Halle einer Ex-Eisengießerei, beschallt von herzallerliebsten Pittiplatsch-Liedchen und mit angegliedertem Ostalgie-Café, ist die reinste Wundertüte. Egal, ob einem die 13 Fahrzeuge der NVA aus dem Militaärkabinett – keine Spielwaren, sondern maßstabsgerechtes Schulungsmaterial für Offiziere – ins Auge stechen oder man sich diese erstaunt reibt angesichts kleiner Autos aus zusammengesteckten Pebe-Plastiksteinen, die verblüffende Ähnlichkeit mit Lego haben: Kalt lässt das Museum keinen, Gefühle und Gedanken schlagen Purzelbäume. Wärenddessen dreht sich in einer Hallenecke ein altes Kirmeskarussell immer wieder munter weiter wie das Rad der Geschichte; die Freifahrt ist im Eintrittspreis enthalten.

Text & Fotos: Klaus H. Daams

Audi A3 Cabrio 2.0 TDI

  • Technische Daten
  • Leistung
    104 PS (103 kW)
  • Hubraum
    1.968 cm3
  • VmaX
    208 km/h
  • Verbrauch
    4,6 l/100 km
  • CO2-Emissionen
    119 g/km
  • Basispreis
    32.800 Euro

Solide Speichenräder XXL: DB Museum Nürnberg.

Wenn der Wind mit den Haaren und Halmen spielt: dann schmeckt der Sommer.

Wir fahren: nicht auf der Autobahn, sondern kurvenreich über Land.

Schneewittchen und die sieben Biere: Plakatwand in Hilpoltstein.

Über den Gipfeln hat die Sonne bald Ruh‘: Abendstimmung im Thüringer Wald.

40 Jahre anderes Denken: das DDR-Spielzeugmuseum in Ilmenau.

Fahrpausen Deutsche Spielzeugstraße

  • SCHAUEN
  • Ordnung ist das halbe Leben. Erst die Arbeit, dann das Vergnuügen. Was vielleicht spießig oder pedantisch klingt, ist bei einer Reise entlang der Deutschen Spielzeugstraße fast schon Voraussetzung fürs Gelingen der Tour. An der 300 Kilometer langen, nur selten als Spielzeugstraße ausgeschilderten Strecke vom fränkischen Schwabach bis ins thüringische Waltershausen liegen mehr als 20 Museen und Erlebnisparks sowie rund 60 Spielzeugbetriebe und Produktionsstätten. Da empfiehlt es sich, als Fahrplan ganz nach persönlichen Vorlieben schon zu Hause eine Liste mit Veranstaltungsterminen, Adressen und Öffnungszeiten zusammenzustellen. Aber immer damit rechnen, dass, ähnlich wie Weihnachten, nicht alles erfüllt werden kann, was auf dem Wunschzettel steht; manche Besuche dauern einfach länger als gedacht. Und bitte die Geduld mitfahrender Kinder nicht überstrapazieren. Dass Terminhetzte eher kontraproduktiv zur Idee des Spielens ist, dürfte sich von selbst verstehen. Hier eine subjektive Auswahl an Stationen, von Süd nach Nord.
  • Stadtmuseum Schwabach
    Fleischmann Zeitreise mit sechs Modellanlagen:
    Spur 0, H0, N, Piccolo, Magic Train und Auto Rallye
    Museumsstraße 1
    D-91126 Schwabach
    Tel. +49 9122 83 39 33
    www.schwabach.de/stadtmuseum
  • Playmobil-Funpark
    Mix aus klassischen und neuen Themenwelten in XXL, für kleine Besucher vielleicht das Gößte, Hotel und Gastronomie
    Brandstätterstraße 2-10
    D-90513 Zirndorf
    Tel. +49 911 96 66 17 00
    www.playmobil-funpark.de
  • Städtisches Museum Zirndorf
    Rund ums Blechspielzeug, von der Produktion bis zum Brummkreisel, Sonderausstellungen
    Spitalstraße 2
    D-90513 Zirndorf
    Tel. +49 911 96 06 05 90
    www.museum.zirndorf.de
  • DB Museum Nürnberg
    Es lo(c)kt die größte Sammlung historischer Eisenbahnfahrzeuge in Deutschland mit rund 30 Exponaten.
    Lessingstraße 6
    D-90433 Nürnberg
    Tel. +49 180 444 22 33
    www.db.de/dbmuseum
  • Blechspielzeugladen Alexander Baier
    Spezialist für An- und Verkauf von Spielzeug aus der Vorplastikära Handwerkerhof
    Am Königstor
    D-90402 Nürnberg
    Tel. +49 911 20 81 86
    www.handwerkerhof.de
  • Spielzeugmuseum (Museum Lydia Bayer)
    Die ganze Geschichte des Spielzeugs auf vier Etagen, Sonderausstellungen, Veranstaltungskalender
    Karlstraße 13-15
    D-90403 Nürnberg
    Tel. +49 911 231 31 64
    www.museen.nuernberg.de
  • Coburger Puppenmuseum
    900 Puppen und 50 Puppenstuben – die bürgerliche Alltagswelt von 1800-1955 in Miniatur
    Rückertstraße 2-3
    D-96450 Coburg
    Tel. +49 9561 89 14 80
    www.coburg.de
  • Heunec Kuschelshop
    Knuddelige Figuren zum Herzer- weichen: Selbst Plüschphobiker können da nicht widerstehen.
    Am Moos 11
    D-96465 Neustadt bei Coburg
    Tel. +49 9568 85 50
    www.kuschelshop.heunec.de
  • Puppendoktor Thomas Packert
    Alles wird gut, plastische Chirurgie von Kopf bis Fuß für Puppen und Teddys, riesiges Ersatzteillager
    Goethestraße 7b
    D-96465 Neustadt bei Coburg
    Tel. +49 9568 6525
    www.puppendoktor-packert.de
  • Schildkröt Puppenmuseum
    Früher aus Celluloid, heute aus Tortulon – mit Bärbel, Inge oder Erika spielte wohl Mutti schon.
    Reitgasse 10
    D-96528 Effelder-Rauenstein
    Tel. +49 36766 800 40
    www.schildkroet.de
  • Deutsches Spielzeugmuseum
    Kulturhistorisch-ethnographischer Schwerpunkt, Vorzeigeobjekt ist die „Thüringer Kirmes“
    Beethovenstraße 10
    D-96515 Sonneberg
    Tel. +49 3675 422 63 40
    www.spielzeugmuseum-sonneberg.de
  • Dickie-Tamiya Raceway
    Rennstrecken (on- und offroad) für Modellautos; Finalläufe von Fighter-Cup und Euro-Cup
    Mittlere-Motsch-Straße 9
    D-96515 Sonneberg
    Tel. +49 3675 733 30
    www.dickietamiya.com
  • DDR-Spielzeugmuseum
    Tempel für (N)ostalgiker mit 4.500 Exponaten aus 40 Jahren spielerischer Sozialisierung, Erlebniscafe
    Rottenbachstraße 27
    98693 Ilmenau
    Tel. +49 170 348 16 95
    www.spielzeugmuseum-ilmenau.de
  • Märchenwiese Tabarz mit Struwwelpeter-Figuren
    Aus Holz nachgebildete Szenen des Kindererschreckerziehungsbuches von Heinrich Hoffmann
    Lauchagrundstraße
    D-99891 Tabarz
    Tel. +49 36259 610 87
    www.tabarz.de
  • SCHLAFEN
  • Holiday Inn Nürnberg City Centre
    Ruhig und zentral inmitten der Altstadt, 260 Zimmer im modernen Landhausstil, Radverleih gratis
    Engelhardsgasse 12
    D-90402 Nürnberg
    Tel. +49 911 24 25 00
    www.hi-nuernberg.de
  • Braugasthof Grosch
    Gastlichkeit seit 1425 – das Motto des Traditionshauses gilt auch im 21. Jahrhundert, und zwar nicht nur für Bierliebhaber.
    Oeslauer Straße 115
    D-96472 Rödental
    Tel. +49 9563 75 00
    www.der-grosch.de
  • Hotel Waldhaus
    Astreine Aussichtslage hoch über der alten Puppenstadt Waltershausen, rustikale Gaststube, Terrasse, Kräutergarten
    Zeughausgasse 5
    D-99880 Waltershausen
    Tel. +49 3622 690 03
    www.waldhaushotel.de
  • INFORMIEREN
  • Deutsche Spielzeugstraße e.V.
    c/o Landratsamt Coburg
    Lauterer Straße 60
    D-96450 Coburg
    Tel. +49 9561 51 43 22
    www.spielzeugstrasse.de