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Tourenberichte

Slow Food und Speed Jagd zurück

Die ersten Bäume blühen und vor mir liegen die Hügel des Piemonts - Für den Jaguar XKR wohl eine der schönsten Teststrecken, die man soch vorstellen kann. Und vor mir liegen die spannenden Stationen einer feinen Geniesser-Reise. Steigen Sie ein zu einer Testfahrt in vier Gängen.

"Kannst du kochen?" "Ja, Leo! Behauptet zumindest Nicoletta." Zwei Tage später gurgle ich mit 120 km/h - denn schneller darf man hier nicht – im Jaguar XKR Cabrio durch die Schweizer Alpen. Das kann man beklagen, oder man macht es sich gemütlich im Cognac-farbenen Leder des schnittig geformten Fahrersitzes. „Cruisen kann man schon mal in diesem sportiven Wohnzimmer erster Klasse“, denke ich und blinzle in die Sonne. Vorbei an Vaduz, überquere ich den San Bernardino. Und als mich später vom Straßenrand ein 10 Meter hoher Lindt-Hase anlächelt, gönne ich mir sogar ein Stündchen offen zu fahren im Land der Schokolade. Es ist noch frisch hier oben, aber offen zu fahren passt zum Frühling und zu meiner guten Laune.
Meine Mission: Eindrücke über den Jaguar sammeln und Geniesser-Highlights im Piemont entdecken. Der Norden Italiens ist die kulinarischste Region Europas. Wein aus Barolo, Spumante aus Asti, Trüffel aus Alba, das sind nur einige Produkte und Orte, die Genießerherzen höherschlagen lassen.

Vorspeise

„Bella Macchina!“ tönt es an der roten Ampel von der Seite. Drei Herren von der Turiner Stadtreinigung in leuchtorange-farbenen Anzügen winken. Aha. Im Land der Ferraris, Maseratis und Lamborghinis weiss man gelungenes Fahrzeugdesign zu schätzen. Das verwundert nicht. Denn die illustre Industriestadt ist die Heimat des Fiat Konzerns. Zudem war sie im 19. Jahrhundert für ein paar Jahre Italiens Hauptstadt. Das herrschaftliche Flair der Innenstadt mit seinen eleganten Läden und Palästen vermittelt mir, ich hätte schon früher einmal hierher kommen sollen.
Ich parke vor dem „Caffè Confetteria“. Die dunkelgrüne Holzfront umrahmt ein Schaufester mit hübschen geschwungenen Buchstaben. Hier dekoriert ein geschicktes Händchen, dessen Besitzerin mich sogleich mit mit einem „Bella Macchina!“ begrüßt. Im Café bekomme ich ein Bicerin, genauer gesagt die beste Trinkschokolade meines Lebens, von der fülligen Blondine auf mein Tischchen gelächelt. Das klassische Turiner Getränk, eine Schokoladen-Kaffee-Mischung, soll in dem Café aus dem 18. Jahrhundert hier an der Piazza della Consolata erfunden worden sein. Vielleicht! Wir reden über Süßigkeiten, Politik, Lidschatten und Autos.
Unser romantisches Plauderstündchen muss ich mit einer kleinen kontrollierten Explosion beenden. Anders ist der Aufbruch mit der 5,0 L V8 Maschine leider nicht zu machen. Ein „Bella Macchina“ dringt noch zu mir durch und ich knurre durch eine enge Via Santa Chiara davon.

Erster Hauptgang

Wohl einer der besten Ausgangspunkte für die Slowfood Aktivitäten im Piemont ist die Albergo dell’Agenzia. Das wunderschö restaurierte Erholungshotel mit Pool und vielfältigen Spa Einrichtungen befindet sich mit der Gastronomie-Universität „Università del gusto“, die sich selbst als die Gründerstätte der Slowfood-Bewegung sieht, im gleichen Gebäude. Der elegante Vierkanthof liegt in der Nähe von Alba und nur 10 Autominuten vom Stadtzentrum von Bra entfernt.
Mit einem sachlichen „Bella Macchina“ begrüßt mich die freundliche Empfangsdame und ich mache einen Abstecher in die Universität. Der XKR hat Pause. Die 4,8 Sekunden von 0–100 km/h habe ich fleißig getestet und so lerne ich heute etwas über Slow-Food und bekomme eine Führung durchs Labor. Die Professorin schildert, wie sie mit ihren Studenten im Labor die besten Produkte erforscht. Sehr empirisch die Dame, aber eigentlich ist die fesselnde Begeisterung, mit der sie spricht, ein unmissverständliches Bekenntnis zur Qualität aller Zutaten, die man für eine gute Küche braucht – von der Herstellung bis zur Zubereitung. Die Weinbank des Hauses lädt ein, piemontesische Weine zu entdecken – eine Schatzkammer. Viel davon wird leider nicht in meinem Kofferraum Platz finden können, dafür ist er zu „sportlich“.
Abends gibt es Barolo Braten. Rindfleisch, das lange bei niedriger Temperatur in einer intensiven Barolosauce geschmort wurde und so zart ist, dass es in feine Stücke zerfällt. Es stammt aus der Region und erfüllt die höchste Anforderung, die man an Zutaten haben kann: Qualität, nicht Quantität.

Zweiter Hauptgang

Heute fahre ich raus aufs Land, genauer gesagt in eine Gegend, die die Italiener Langhe nennen. Dort besuche ich Gianfranco Massolino. Er ist Koch und Besitzer der „Trattoria della Posta“, einem der besten Restaurants des Piemonts. Das Restaurant liegt etwas außerhalb des kleinen Ortes Monforte d'Alba, mit einem herrlichen Ausblick über die piemontesiche Hügellandschaft. Ich betrete den Gastraum. Dieser ist so privat, wie ein Gastraum nur sein kann: Ein Bücherregal neben dem Kamin in Raummitte geschmückt von kleinen Ölbildchen, teilt ihn in zwei Hälften. Ich werde mit einem „Buongiorno“ von Gianfranco und seiner Gattin Marita begrüßt und was nun folgt, lässt mich erleben, weshalb die piemontesische Küche als die beste und abwechslungsreichste Italiens gilt.
Als Vorspeise gibt es Carne cruda. Das ist Kalbfleisch, das mit dem Messer fein geschnitten ist, einen Bergsalat und danach einen „Bagna cauda" mit frischem Gemüse zum dippen. Das ist eine Knoblauchcreme, für die dem Knoblauch in einem Milchbad der Geruch soweit genommen wird, dass der unangenehme Geschmack nach dem Essen entfällt. Gute Idee und ein Aroma, das seinesgleichen sucht.
Lo Scamone di Vitella Piemontese Impanata nel Grissino e Fritto ist Hauptspeise und Höhepunkt. Ein Klassiker und noch dazu ganz einfach: Grissini fein stoßen und damit ein Kalbsfilet panieren. In Öl scharf, aber nur etwa 4 Minuten anbraten. Der Kern sollte rosa sein. Dann in Scheiben schneiden, salzen und mit frittierten Artischocken und grobem Senf servieren. Wenigstens ein paar Geheimnisse konnte ich meinen Gastgebern entlocken und etwas betont Gianfranco noch beim Hinausgehen „Uns stehen außergewöhnlich gute Zutaten zur Verfügung.“ Vor mir liegen 30 km Hügellandschaft. Der Jaguar zeigt, was er am besten kann: Er nimmt die rasanten Kurven schnell und dies bei bester Linienführung. Das macht Freude. Ich sehe auf einer der hübschen Hügelketten eine Burgruine in der Frühjahrsonne und drossle das Tempo. Die Katze schnurrt und gemütlich geht es nach Hause.

Nachtisch

Ernesto Abbona bedeckt die Augen, die Sonne scheint bereits kräftig. Sie scheint die sanften Hügel vor Ernesto zu streicheln, die langgezogenen grünen Rebreihen zu liebkosen. Ernesto geht einige Schritte, kniet sich hin und hebt mit der Hand etwas Erde auf. Er riecht daran und sagt dann: „Wir haben einen der besten Weine der Welt. Das ist nicht mein Verdienst. Entscheidend ist der Boden. Und wir haben den besten Boden der Welt.“ Der beste Boden, damit meint Ernesto die Hügellandschaft im Piemont, vor allem die Weinberge um das Dörfchen Barolo. Dort werden die Trauben angebaut, die die Grundlage bilden für einen der bekanntesten und beliebtesten Weine der Welt, den Barolo.
Ernesto Abbona ist der Chef der „Marchesi di Barolo“. Ein Marchese ist so etwas wie ein Fürst. Und Ernesto ist sozusagen der Fürst der Fürsten, er besitzt mit der „Cantina“ in Barolo eines der bedeutendsten Weingüter der Welt – bezüglich der Qualität, nicht der Quantität. Er ist Herr über 110 Hektar Weinberg und produziert etwa 1.500.000 Flaschen pro Jahr. Seine Weine sind: Barolo, Barbaresco, Nebbiolo d'Alba, Barbera d'Alba, Dolcetto d'Alba, Roero Arneis, Gavi, Moscato d'Asti e Brachetto d'Acqui.
Von welchem Hang schmecken die Trauben des Nebbiolo am besten? Nach 3 Stunden Weinverkostung zu 5 Gängen bester piemontesischer Küche, breche ich auf. Der „Marchesi di Barolo“ hat den besten Boden und ich das beste Fahrzeug der Welt, schmunzle ich in mich hinein. Noch einmal hallen die 510 PS der „Bella Macchina“ durch den Innenhof des Weingutes. Danke Ernesto für diesen phantastischen Tag!
Ich habe viel dazu gelernt: Gute Küche braucht beste Zutaten, Respekt vor der Natur und viel Erfahrung und Können. Und die „Bella Macchina“? Der Jaguar ist die perfekte Vorspeise, ein hervorragender Hauptgang und natürlich eine sehr feine Nachspeise. Und ich bin sicher: In ein paar Jahren wird man ihn auch noch als feinen Jahrgang loben. „Bella Macchina“! Was für eine Ausfahrt.


Text: Harald Finger, Simon Biallowons
Fotos: Harald Finger

Fahrpausen Piemont

  • SCHAUEN
  • Duomo di San Giovanni
    Die mächtige Kathedrale aus dem 15. Jahrhundert beherbergt das Turiner Grabtuch, ein Leinentuch, das das Abbild eines Mannes zeigt. Pilger verehren es als das Tuch, in das Jesus im Grab gewickelt war.
    Duomo di San Giovanni
    Piazza San Giovanni 4
    10122 Turin
    Tel. +39 011 436 15 40
    Öffnungszeiten: Mo bis Sa:
    8.30 - 12 Uhr und 15.30 - 19 Uhr
    www.redcliffslodge.com
  • Mole Antonelliana
    Via Montebello 20
    10124 Turin
    Duomo di San Giovanni
    Piazza San Giovanni 4
    10122 Turin
    Tel. +39 011 813 85 60
    Öffnungszeiten Museum:
    Di bis Fr, So: 9 - 20 Uhr,
    Sa: 9 – 23 Uhr
  • Juventus Stadium
    Das Heimatstadion des legendÄren Fußballclubs Juventus Turin. Ein Muss für jeden Fan.
    Juventus Stadium
    Strada Comunale di Altessano
    131, 10151 Turin
    www.juventus.com
  • Bra Freiheitsplatz
    Auf dem wunderschönen Platz befindet sich zusammen mit anderen herrschaftlichen Bauten auch das imposante Rathaus. Bra Provinz Cuneo
  • Alba Fussgängerzone
    Hier kommen Feinschmecker auf ihre Kosten: Inmitten der von Renaissance- und Jugendstilgebäuden gesäumten Via Vittorio Emanuele findet man auch den berühmten Trüffel.
  • Dom von Asti
    Für Kulturinteressierte: Das Gourmet-Zentrum Asti besitzt eine gotische Kathedrale aus dem 14. Jahrhundert mit romanischem Glockenturm und einer Krypta aus dem 8. Jahrhundert.
  • ALBA Tourist Info
    Bra Langhe &
    Roero Piazza Risorgimento, 2
    12051 Alba
    Tel.+39 0173 358 33
    www.langheroero.it
  • SCHLAFEN
  • Albergo dell’Agenzia
    4-Sterne-Slow-Food Hotel mit ausgezeichneter Atmosphäre.
    Albergo dell’Agenzia
    Via Fossano 21
    12042 Pollenzo, Bra (CN)
    Tel. +39 0172 45 86 00
    www.albergoagenzia.it
  • Golden Palace
    Luxuriöses Hotel im Zentrum von Turin.
    Golden Palace Hotel
    Via dell’Arcivescovado 18
    10121 Turin
    Tel. +39 011 551 21 11
    www.goldenpalace.it
  • GENIESSEN
  • Trattoria della Posta
    Eines der besten Restaurants im Piemont — ein Geheimtipp!
    Trattoria Della Posta
    Di Gianfranco Massolino
    Loc. SantAnna, 87
    12065 Monforte D'alba
    Tel. +39 0173 781 20
    www.trattoriadellaposta.it
  • Caffè Confetteria al Bicerin
    Hier wurde im 18. Jahrhundert der berühmte Bicerin, eine heiße Kaffee-Schokoladenmischung, erfunden.
    Piazza della Consolata, 5
    10122 Turin
    Tel. +39 011 436 93 25
    Öffnungszeiten:
    täglich 8.30 -19.30 Uhr,
    Mittwoch Ruhetag
  • Marchesi di Barolo
    Das traumhafte Weingut liegt im Herzen des Dörfchens Barolo. Feinste Weine und einen stilvoller Laden erwarten Sie. Cantine dei Marchesi di Barolo S.p.a.
    Via Roma, 1 (Cantina storica)
    12060 Barolo
    Tel. +39 0173 56 44 00
    www.marchesibarolo.com