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Tourenberichte

Cabriolife Tour 2012 - Fahren, Erleben, Genießen zurück

800 Kilometer Bergstraßen in vier Tagen, zwölf Alpenpässe, unzählige Spitzkehren und zahl reiche kulinarische Höhepunkte: Die spektakuläre Landschaft im Hochpustertal in Südtirol ließ Träume wahr werden.

Jedes Auto hat hier seine Geschichte. Der weiße Mercedes SL 190, Baujahr 1960, mit den roten Ledersitzen zum Beispiel hat schon fast die ganze Welt gesehen, ehe er den Weg in die Anzeigenspalten einer Zeitung fand und dort vor gut 25 jahren von Norbet Wagner (76) entdeckt wurde. Auch heute noch sind seinem "Schätzchen" bewundernde Blicke gewiss – auch in Sexten im Hochpustertal in Südtirol. Dort steht der 190er SL vor dem sehr gepflegten Hotel Monika. Zusammen mit weiteren 32 Fahrzeugen. Vom Old- und Youngtimer bis hin zu den starken Marken BMW, Porsche, Jaguar oder Aston Martin. Und es ist durchaus sportlich, was die Männer und Frauen - angereist aus ganz Deutschland und der Schweiz – in den kommenden vier Tagen vor sich haben. Ausgestattet mit Roadbook, schickem Cabriolife-Käppi, blauer oder grüner Softshell-Jacke können sie es kaum noch erwarten. Das Erleben und Erfahren einer Traumlandschaft mit dem Cabriolet. Großes Kino vor einer gigantischen Kulisse mit dramatischen Ausblicken auf imposante Felsmassive und saftig-grüne Almwiesen. Die Strecke: 800 Kilometer Alpenstraßen, zwölf Pässe inklusive. Für alle eine Premiere: Die 1. Cabriolife-Tour 2012 kann starten. Man versteht sich, ob Alt oder Jung. Ob Fahrer eines Oldtimers oder eines ganz normalen italienischen Bergflitzers.

Und wie immer bei Cabrio-Ausfahrten, das Fahrzeug muss glänzen. Fahrer verabreichen ihrem Cabrio auf dem Hotelparkplatz letzte Streicheleinheiten mit dem Poliertuch. Und der Blick richtet sich dabei häufig zum Himmel. Das Wetter! Dunkle Wolken ziehen auf. Hält es oder hält es nicht? Erste Regentropfen fallen. Auch der offizielle Wetterbericht klingt nicht ermutigend. Aber was soll’s! Es gibt kein schlechtes Wetter. Langsam setzt sich die Kolonne in Bewegung. Die Tour am ersten Tag ist wie die Vorspeise zu einem opulenten Mahl oder die Ouvertüre einer großen Operninszenierung.

Streicheleinheiten fürs Blech auf dem Hotelparkplatz

Ziel ist der 2.052 Meter hohe Staller Sattel, der an der Grenze zwischen Südtirol und Österreich liegt und der die Gesichter der Teilnehmer plötzlich strahlen lässt. Die Sonne scheint. Die Umrisse einer imposanten Bergwelt werden sichtbar. Erleichterung ist spürbar: „Wer sagt’s denn: wenn Engel reisen.“ Der Kaffee- und Kuchenstopp mit Köstlichkeiten aus der österreichischen Zuckerbäckerei auf der malerischen Burganlage Schloss Bruck in Lienz mehr als verdient. Denn der Staller Sattel ist eine Herausforderung. Nicht nur für Wagners SL und die anderen Oldtimer: zwei Triumph TR3A, zwei Austin Healey 3000 und ein Spitfire 1500. Die Berge kennen keine Gerechtigkeit. Sie machen keinen Unterschied zwischen alten und neuen Autos.

Es ist ein ehrlicher Respekt, der am Abend nach getaner Fahrarbeit bei anregenden Benzingesprächen an der Bar den Oldtimer-Kollegen gezollt wird: „Alle Achtung!“, „Respekt!“, „Donnerwetter!“ Wenngleich die Gedanken des einen oder anderen Oldtimer-Fahrers in dem Moment eher bei der lecken Ölpumpe seines Triumph oder der defekten Krümmerdichtung seines Austin Healey waren. Die Glücksrezeptur eines Cabrio-Fahrers hatte am Vorabend der Vorsitzende des Tourismusverbandes Hochpustertal Alfred Prenn bei seiner Begrüßung aufgezählt: kein Regen, sondern Sonnenschein – und hoffentlich auch keine Werkstatt. Der Wunsch ging nicht ganz in Erfüllung. Zumindest nicht bei Leo DaCabrio. Die Krümmerdichtung war’s, die seinen rot-weiß lackierten Healey, Baujahr 1962, kurzfristig von den Bergstraßen fernhielt. Wäre auch zu schade gewesen.

Glücksrezept vom Chef des Tourismusverbandes

Wann bekommt man so viele Traumstraßen und Traumpässe auf einmal präsentiert? Darunter den Klassiker der Tour am zweiten Tag: die weltberühmte Sella Ronda: Furkelpass, Grödner Joch, Sella Joch, Pordoijoch, Passo di Falzàrego. Das heißt früh aufstehen und lange fahren. Sieben Stunden und satte 291 Kilometer geht es durch eine reale Postkartenlandschaft. Garniert mit unzähligen Spitzkehren. Anstrengend aber schön. Sportlich eben.

Wan Tan gefüllt mir Burrata auf einem Tomaten-Carpaccio

Unterwegs wurden aber auch kulinarische Gipfel erklommen: im Hotel Turm in Völs am Schlern. Dort verwöhnte Sternekoch Stefan Pramstrahler die Gaumen der Cabriolife-Tour-Teilnehmer mit einem Sechs-Gänge-Menü. Verzückende Kommentare waren Pramstrahler sicher und das Versprechen, wieder zu kommen. Nostalgische italienische Dörfer, einsame verwundene Bergstraßen erwarteten die Cabriolife-Freunde bei ihrer dritten Tour. Auf dem Programm das Lesachtal und der Plöckenpass und natürlich einem Stopp bei Österreichs Starköchin, Sissi Sonnleitner in Kötschach-Mauthen und der einzigartigen deutschen Enklave in Sauris. Oben im Riglar Haus stärkten sich Teilnehmer für die Weiterfahrt und gönnten ihren Autos eine Verschnaufpause, ehe es über das ursprüngliche Cadoretal und dem malerischen Kreuzbergpass zurück nach Sexten ging. Bereits erwartet – wie an jedem der vier Tage – von Hausherr Alexander Egarter und seinem freundlich-aufmerksames Team, das die Gäste auf höchstem Niveau beim Fünf-Gänge-Genießer-Dinner im Kerzenschein ver- wöhnte: Wan Tan gefüllt mit Burrata auf einem Tomaten-Carpaccio und einem Risotto aus „Riso Arborio“ an gebratenen Garnelen, dem Besten vom Kalb in einer raffinierten Kräuterpanade und zum Schluss mit einer Mousse von der weißen Schokolade. Eben Schlemmen wie Gott in Sexten.

Eine gelungene Überraschung zu später Stunde

Und einer Überraschung zu später Stunde, zelebriert von Leo DaCabrio: Eine Verlosung unter den Teilnehmern. Gesponsert vom Hotel Monika, der Firma Bogner-Leather und der Uhrenfirma Haemmer. Unter den glücklichen Gewinnern Norbert Wagner. Als ältester Teilnehmer der Tour und als Fahrer des ältesten Fahrzeugs.

Letzter Tag. Wie sich die Bilder gleichen. Auf dem Parkplatz vor dem Hotel Monika herrscht schon vor dem Frühstück rege Betriebsamkeit. Frühaufsteher nutzen die Zeit zwischen dem ersten Kaffee und der Abfahrt und polieren ihre Autos nochmal auf Hochglanz. Fleißig wird mit Eimer und Lappen hantiert. Sie gehören zur Grundausstattung eines Cabrio-Fahrers. Wer will schon mit einem eingestaubten Porsche oder Jaguar unterwegs sein? Gut aussehen heißt es auch am letzten Tag. Dann ist es soweit. Auf geht’s. Die Motoren werden angelassen. Der Parkplatz leert sich langsam. Die Karawane schöner Cabriolets zieht los. Die Motorengeräusche verschwinden in der Ferne. Der Pragser Wildsee, der als der schönste Bergsee Südtirols gilt und eines der beliebtesten Ausflugsziele ist, wird angesteuert. Es ist zudem ein historisch bedeutsamer Ort. Vom Pragser Wildsee geht es in Richtung St. Lorenzen weiter.

1.000 Jahre alte Burgruine beherbergt Vier-Sterne-Hotel

Schloss Sonnenburg sieht man schon von weitem. Eine fast 1.000 Jahre alte Burganlage. Noch vor Jahren eine Ruine, heute ein Juwel. Schlossherr Gunther Knötig erwartet seine Gäste im Garten der Burg, die ein Vier-Sterne-Hotel beherbergt. Etliche Besucher kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus, wenn sie sehen, was man aus einer alten Ruine machen kann. Wer allerdings geglaubt hatte, dass dies eine Sache von wenigen Jahren war, der sieht sich getäuscht. Nicht umsonst hat Knötig seinem Projekt den Namen „1.000 Jahre und vier Sterne“ gegeben. Es ist noch lange nicht beendet.

Erleben, Fahren, Genießen: In Brixen trennen sich nach der Fahrt über das Würzjoch die Wege der Teilnehmer. Leichte Wehmut kommt auf. Aber die Er- innerungen an vier sonnige, spannende und unfallfreie Tage bleiben. Und was kann es Schöeres geben als das ehrliche Lob einer Beifahrerin am Ende der Tour: „Danke für die schöne Zeit. Wir kommen wieder."

Text: Rudi Kanamüller
Fotos: Timo Sinn