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Tourenberichte

Cabrio-Spaß im Dreiländereck zurück

Postkartenpanoramen, atemberaubende Ausblicke und kurvige Pass-Straßen machen einen Drei-Tage-Trip ins Engadin zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Traumhafte Spaätsommertage mit blauem Himmel, herrlicher Fernsicht und Temperaturen um die 23 Grad: Wenn das kein Grund ist, spontan zu
einer Drei-Tages-Tour ins Dreiländereck Österreich, Italien, Schweiz aufzubrechen? Und natürlich gilt auch hier die alte Zen-Regel „der Weg ist das Ziel“. Deshalb nehmen wir nicht den kürzesten Anreiseweg ins Engadin, sondern den landschaftlich reizvolleren. Unser Ausgangspunkt ist Landeck, leicht erreichbar über die Inntal-Autobahn, den Arlbergtunnel oder über den Fernpass aus Richtung Füssen/Garmisch-Partenkirchen.

Leckerbissen für Freunde enger Kurven und steiler Straßen

Die Fahrt über den Reschenpass führt uns ins benachbarte Südtirol, vorbei am Reschensee, aus dem mystisch die Spitze der beim Aufstauen des Sees versunkenen Dorfkirche ragt. In Laatsch fahren wir unter der Apsis der Kirche hindurch. Eine Verkehrsführung, die den engen Platzverhältnissen geschuldet ist. Wir erreichen das Münstertal, die Schweizer Grenze und schrauben uns die flüssig angelegte und bestens ausgebaute Ofenpass-Straße empor. Die Ab- zweigung zum Umbrailpass ignorieren wir dieses Mal bewusst. Dieser Weg, als Zubringer zum Stilfser Joch, kann erfahrenen Passfahrern, die kein Problem haben auf engen Straßen auch mal rückwärts zu fahren, als Leckerbissen nur empfohlen werden. Von der Scheitelhöhe des Ofenpasses (2.149 Meter) fahren wir durch ein ausgedehntes Naturschutzgebiet, das an einen amerikanischen Nationalpark erinnert, ins Engadin. Wir nehmen Quartier in Celerina, im Hotel Cresta Palace. Ein von der Inhaberfamilie in der Tradition bester Schweizer Gastlichkeit geführtes und penibel gepflegtes Vier-Sterne-Haus.

Majestätisch und mächtig bauen sich die Viertausender auf

Am nächsten Morgen hat unser geliebtes „Cabi“ erst mal Ruhetag. Mit der Standseilbahn erklimmen wir den Berg Muottas Muragl (gesprochen Murei) und unternehmen die Panorama-Wandertour zur Alp Languard. Ein Drei-Stunden-Weg in 2.300 Meter Seehöhe mit atemberaubenden Blicken auf Sankt Moritz, die Silser Seen bis zum Maloja-Pass und auf die vergletscherten Viertausender der Bernina-Gruppe. Wir haben während der Wanderung ständig das Gefühl, an einer Riesenpostkarte entlang zu marschieren. Gestärkt mit einer Bündner Graupensuppe bringt uns der Schweizer Postbus zurück zum Hotel. Der Rest des Nachmittags gehört dem ausgezeichneten Spa-Bereich des Hotels.

Über den Berninapass führt die Route hinunter ins Puschlav-Tal, begleitet von der atemberaubend in den Berg trassierten Bernina Bahn, mit der wir uns schon mal die Straße teilen müssen. Auch überzeugten Automobilisten kann eine Fahrt mit der Bahn nur empfohlen werden. Von Tirano, mittlerweile wieder in Italien, geht es nach Bormio. Herrliche Landschaft, jedoch wurden viele Kilometer der schönen Straße in endlosen Tunnels vergraben, nachdem ein dramatischer Bergsturz 1987 das komplette Tal verlegt hat und eine Neutrassierung notwendig machte. Noch ein Cappuccino in Bormio und dann, ja dann geht es hinauf auf den mit 2.757 Metern dritthöchsten Pass der Alpen, das Stilfser Joch. Wer gerne Kurven fährt, ist hier definitiv richtig. 87 Spitzkehren sind rekordverdächtig. Dazu gibt es gratis unbeschreibliche Landschaftseindrücke. Geduld braucht man dagegen für die deutlich stärker befahrene Südtiroler Rampe des Passes, die wir uns mit Radfahrern teilen müssen. Dem Vergnügen, diese Strecke zu meistern, tut das aber keinen Abbruch und so sehen wir vom Reschenpass auf der Rückfahrt zu unserem Ausgangspunkt Landeck, noch lange sehnsuchtsvoll in das Stilfser Tal zurück. Wenn man sich drei perfekte Cabrio-Tage wünschen könnte, so ungefähr müssten sie aussehen.

Text & Fotos: Kurt Webersinke

Das Kreisviadukt der Berninabahn in Brusio.

Verschnaufpause an den Silser Seen.

Ein Traumblick eröffnet sich uns auf den Morteratschgletscher in der Berninagruppe.

Pause an der Nordrampe des Stilfser Jochs.