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Tourenberichte

Allah sei Dank! zurück

Orient pur. Bei einer Video­produktion mit dem Mini Cabrio lernt ein Filmteam in Marokko den wundersamen Orient hautnah kennen.

Willkommen im Reich der Sinne

Wir haben uns offensichtlich massiv verzockt. Es ist keine gute Idee, in das Labyrinth und Getümmel der Souks einzutauchen. Bilder sollen es werden, wie wir sie auch von den bunten Prospekten der Tourismusbranche her kennen. Nur eben ein wenig anders. Wir suchen Authentizität, soweit dies möglich ist: mit einem nagelneuen Mini Cabriolet mitten in Marrakech. Sicherlich bedeuten derlei Vehikel schon lange nichts Besonderes mehr in der afrikanischsten Stadt Marokkos, die innerhalb weniger Jahre zu einem der beliebtesten Hot Spots der internationalen High Society avancierte.

Wenn die Haute-Volée, dazu zählt selbstverständlich auch die lokale Prominenz, in ihren Boliden in der lauen Abenddämmerung den Boulevard Mohamed V. entlangfährt, dann schenkt ihr hier kaum jemand noch Beachtung. Ganz anders im bunten Gewimmel der Altstadt, wo es zwischen Mofas, Eselkarren und Sonstigem für solche Protzkisten ohnehin keinen Platz gäbe.

Tony, unser Model und Stuntfahrer, agiert gelassen am Volant seines Arbeitsgerätes. Schäkert mit den Kindern, die ihn sogleich umringen, gibt bereitwillig Auskunft über das Woher, Warum und Weshalb. Wegen Dreharbeiten sind wir in den Souks, Dreharbeiten zu einem Showroom-Video für die Mini-Familie. Deren jüngster Spross, ein Cabriolet, ist jetzt der Star hier in Nordafrika.

Festgefahren zwischen Esel, Minze und Menschen

Es ist im Grunde eine völlig unaufgeregte Stimmung, wären da nicht der schreiende Esel und sein Treiber, ein Taxifahrer, der versucht, sich seinen Weg durch die Schaulustigen zu bahnen. Ein zorniger alter Mann an seiner improvisierten Verkaufstheke, wo der Eselkarren soeben die kunstvoll aufgetischten Bündel frischer Minze abgeräumt hat. Und eine Mutter, die versucht, lautstark und mit beredten Gesten ihre neugierigen Kinder vom Mini fern zu halten. Es gelingt ihr nicht. Dafür gelingen genau die Bilder, die sich ein Kameramann nur wünschen kann.

Orientalische Gelassenheit versus Dispo

Die Filmcrew versteht ihr Handwerk. Es sind Profis, die ihre Klasse schon an ganz anderen Locations dieser Welt bewiesen haben. Wilde Tiere und zickige Models. Set auf- und abbauen. Rasante Location-Wechsel und wenig Schlaf, das kennen sie alle. Damit gehen sie gelassen um. Aber Marokko ist anders. Heute vor Sonnenaufgang hat der Ruf des Muezzin zum Frühgebet die Debütanten in der islamischen Welt aus ihren Träumen gerissen. Ein kleines technisches Malheur an einem Monitor, der Ausfall eines Fahrzeuges und die Unpässlichkeit des Local Guide lassen das Team relativ unwirsch auf das, zumindest nach westlichem Verständnis, hier inflationär gebrauchte „Insch’allah“ – So Allah will! – reagieren. Mit der hiesigen Mentalität kommen wir rastlos Getriebenen aus dem Abendland zunähst nicht so ganz klar. Und schon gar nicht bei einer Videoproduktion, wo die „Dispo“ als Bibel gilt und den Tagesablauf bestimmt. Ohne diese Disposition, in der sind alle für den Dreh erforderlichen Parameter minutiös festgehalten, geht gar nichts. Schließlich kostet jeder Drehtag richtig Geld. Wer’s vorher noch nicht wusste, der weiß zumindest nach einem Blick in seine „Dispo“, wann und wo was passiert. In der Tat ein unverzichtbares, in unserem Fall ein auf vier Seiten knapp verfasstes Dossier. „Heute waren wir mit dem kleinen Besteck unterwegs“, erklärt Hendrik, der Kameraassistent. Also mit einem Minimum an Technik. Mehr würde dieses Gewimmel hier ohnehin nicht vertragen. Ab morgen dann, verrät er, werden wir mit dem kompletten Besteck unterwegs sein.

Insgeheim freuen sich wohl alle nach zwei heftigen Drehtagen, die ewig pulsierende Metropole hinter sich zu lassen. Freuen sich über ein wenig Entspannung wärend der Fahrt zur nächsten Location jenseits des Hohen Atlas in den Wüstengebieten im Südosten des Königreiches. Es ist eine überschaubare Karawane, die die Tore der alten Köigsstadt Marrakech gen Süen verlässt. Ein Mercedes Sprinter mit langem Radstand, ein Vito – beide vollgepackt mit Technik. Ein Mitsubishi Van und der Mini mit Tony am Steuer. Wir sind noch gar nicht lange unterwegs, da funkt es vom Führungsfahrzeug her: „Stopp bitte bei der nächsten Gelegenheit!“ Vorne im Führungsfahrzeug sitzt Martin, der Regisseur und Produzent. „Wir drehen – den Vito und Tony brauchen wir hier vorne. Der Rest macht sich klein.“ Aziz, dem kundigen Location Scout, entlockt dies ein leises Lächeln. Ihm war ziemlich klar, wann und wo in etwa, und noch dazu bei bestem Licht, der erste Halt stattfinden wird. Er schweigt. Der Diplom-Chemiker verdient seit etlichen Jahren sein Geld in der Filmbranche. Hat bei vielen großen Produktionen mitgewirkt und ist bereits für den nächsten Film von Ridley Scott gebucht. Scott hat dafür höchstpersönlich bei ihm angerufen.

Fahren gegen die Zeit und für das beste Licht

Cut – um im Jargon des Filmbusiness zu verbleiben. Die nächste Location befindet sich in den Gorges du Dadès. Eine imposante Schlucht mit pittoresk anmutenden Felsformationen, die im Wechselspiel zwischen Licht und Schatten eine bizarre Kulisse bilden. Frühmorgens ist es hier Mitte Februar richtig kalt. So um die zwei Grad nach Sonnenaufgang. Da sind längst die Kamerapositionen festgelegt, ist eine Testfahrt mit dem Kamerafahrzeug unternommen. Nur die ersten wärmenden Strahlen der Morgensonne fehlen noch, um die Schlucht zu erhellen.

Welcher Kontrast zu dem quirligen Marrakech. Balsam für die Sinne. Die Crew wirkt relaxt. Es kann losgehen. Mit quietschenden Reifen jagt Tony den Mini in die erste, die zweite und die dritte Serpentine, hinauf zu einem Plateau. Lenkt das Fahrzeug präzise um die vorher definierte Position und wartet. „Tony, das war soweit in Ordnung, das Ganze noch einmal und versuch’ einfach, aus der letzten Serpentine schneller raus zu kommen und halte dich weiter links!“ In der Folge wird Martin ihn noch des Öfteren die Serpentinen hinauf und hinunter bemühen. Eben so lange, bis das beste Licht schwindet.

Für die dritte Februarwoche wurden für die Südseite des Atlasgebirges teils schauerartige Niederschläge prognostiziert. Ein Segen für das Land. Für die Crew bedeutet dies, Gas geben! Noch sind die geplanten Wüstensequenzen nicht im Kasten. Und wie es weiter geht, weiß ohnehin nur Allah. Schlussendlich müssen alle über den gleichen Pass im Hohen Atlas zurück nach Marrakech. Auf 2.400 Meter liegt dann richtig viel Schnee und der Pass ist gesperrt. „Klar könnte man den Rückflug umbuchen“, sinniert Andrea, die Aufnahmeleiterin, und hat sogleich passende Optionen mit Hilfe ihres Laptops ermittelt.

Nur eine Minirolle im großen Naturschauspiel

Wir erreichen unser Etappenziel in Merzouga, eingebettet zwischen den mächtigen Sanddünen des Erg Chebbi, rechtzeitig vor Sonnenuntergang. Ein Lichtspiel von wahrhafter Größe. Noch im letzten Büchsenlicht inspiziert die Crew die von Aziz gewählte Location, wo zum Sonnenaufgang der Mini inmitten der weitläufigen Dünenlandschaft in Szene gesetzt werden soll. Die Nacht wird kurz. Teile der Crew versuchen sich bei einer Session mit den „Blauen Männern“ in den traditionellen blauen Gewändern der Nomaden des Südens an diversen Trommeln. Dann ruft auch schon die Wüste am nächsten Morgen. Die Vorhut hat für die geplante Kamerafahrt bereits die Schienen verlegt, diverse Spiegel und Reflektoren in Position gebracht und trinkt jetzt Tee. Köstlichen frisch zubereiteten Minztee, den uns Ali, der Patron unserer Auberge, mitgegeben hat. Das Set steht. Gleich dreht sich alles nur noch um den Mini. Ein letzter prüfender Blick auf die Uhr, gleich muss die Sonne da sein. Das Timing bestimmt die Natur. Und die könnte es gar nicht großartiger arrangieren, als sich das erste Licht der aufgehenden Sonne zunächst zaghaft dem Dünenkamm annähert, dann bricht – und im nächsten Augenblick mit voller Strahlkraft den jungen Tag zum Leben erweckt. Alle verharren voller Demut. Kein Laut. Kein Kamerageräusch stört diesen magischen Moment.

Allah sei Dank!

Text: Ernst H.R. Büttner
Fotos: El Miria Palais, Gerhard Eisenschink, Ernst H.R. Büttner, age fotostock/LOOK-foto

Auch ohne Giftzähne: Das Spiel mit der Schlange überlässt man besser deren Beschwörer.

Traditionelle Gewänder, Büchsenknall, Pulverdampf und donnernde Hufe: die Zutaten einer Fantasia.

Im letzten Büchsenlicht: Protagonisten eines Reiterspiels der Berber.

Beim Setaufbau muss jeder Handgriff sitzen. Auch im Irgendwo der Wüste.

Rechtzeitig zum besten Licht muss das Set stehen. Jetzt sind die Techniker gefordert.

Fahrpausen in Marakkesch und Umgebung

  • ÜBERNACHTEN

    Beispielsweise in Riads, traditionellen Stadthäusern, die häufig zu luxuriösen Gästehäusern umfunktioniert wurden.
  • El Miria Palais
    Riad aus 1001er Nacht Ouahat Sidi Brahim
    Bellaguide-Palmeraie
    Marrakech
    Tel. +212 524 30 65 44
    www.elmiria.com
  • Dar Daif
    Riad mit der Atmosphäre einer Karawanserei
    Douar Talmasla
    Ouarzazate
    Tel. +212 524 85 42 32
    www.dardaif.com
  • Auberge Ait Oudinar
    Gorges du Dadès
    Tel. +212 524 83 01 53
    www.aubergeaitoudinar.com
  • Ksar Bicha
    Luxus in der Wüste − am Fuß der Sand- dünen von Erg Chebbi
    Merzouga
    Tel. +212 535 57 71 13
    www.ksarbicha.com
  • Oscar Hotel
    Das Hotel ist direkt neben den Atlas- Filmstudios gelegen.
    Km 5, Route de Marrakech
    Ouarzazate
    Tel. +212 524 88 22 2
  • SEHEN & STAUNEN
  • Jardin Majorelle
    Botanischer (Paradies-) Garten

    Avenue Yacoub El Mansour
    Marrakech
    Tel. +212 524 30 18 52
    www.jardinmajorelle.com
  • Gorges du Dadès
    Die Schluchten des Dadès bieten atemberaubende Ein- und Tiefblicke.
  • Erg Chebbi
    Übersichtliche Wüste mit den größten Sanddünen Marokkos − ideal für Wüsteneinsteiger!
  • Ouarzazate
    Das Hollywood Marokkos − seit 1984 ständiger Drehort von Filmproduktionen. Dekorationen und Ausstattungen von Filmen wie „Lawrence von Arabien", „Asterix und Obelix: Mission Kleopatra", „Himmel über der Wüste" oder „Galdiator" sind zu besichtigen.
    www.atlas-marokko.de
  • ESSEN & TRINKEN
  • Dar Moha al Madina
    81, Rue Dar el Bacha
    Marrakech
    Tel. +212 524 38 64 00
    www.darmoha.ma
  • Le Foundouk
    55, Souk Hal Fassi Kat Bennahïd
    Marrakesh
    Tel. +212 524 37 81 90
    www.foundouk.com
  • La Kasbah des Sables
    Mit Patios und Salons, traditionell und stilecht
    N° 195 Hay Aït Ksif
    Ouarzazate
    Tel. +212 524 88 54 28
    www.lakasbahdessables.com
  • ANREISEN & TOUREN
  • Per Flugzeug
    ab Frankfurt, Düsseldorf und München
    Langgasse 33
    www.royalairmaroc.de
  • Individuelles Reisen
    Speziell zugeschnittene Reisen mit einheimischen Guides (Inventives, Location Scouting u.v.m.)
    www.atlas-activ-tours.de
  • KULTIVIERT CHILLEN
  • Club & Bar Le Comptoir Darna
    Avenue Echouhada Hivernage
    Marrakech
    Tel. +212 524 43 77 02
    www.comptoirmarrakesch.com
  • SHOPPEN & MEHR
  • Labyrinth der Souks in der Médina
    In der Altstadt von Marrakech mit ihren Gerüchen und Gewühl gibt es günstige Waren aus 1001 Nacht.
  • Djemaa el Fna (Platz der Geköpften)
    Quintessenz jeder Stadtbesichtigung: Quacksalber, Geschichtenerzähler, Beutelschneider, Schlangenbeschwörer, Wasserverkäufer und Akrobaten tummeln sich hier bis in die späte Nacht.