Home Kontakt Impressum

Tourenberichte

Feuerspucker im Blütenrausch zurück

Weit wie das Wasser des Sees, flirrend wie die Farben der Blüten. Knallrot wie ein Triumph Spitfire. Frühling am Bodensee.

Morgens 8.30 Uhr, ein Buntspecht hämmert im Wald, links und rechts der Straße zwitschern die Buchfinken; eine leuchtend gelbe Löwenzahnwiese taucht auf, danach eine blühende Apfelbaumkolonie. Frühling am Bodensee. Eingehüllt in flirrende Farben rollen Ernst und seine zwölfjährige Tochter Mira im knallroten Triumph Spitfire 1500 durchs Hinterland des Nordufers. Zugegeben, von Buntspecht und Buchfink hören die beiden nur bei einer kurzen Pause etwas, das Klangerlebnis dieses Morgens ist die Edelstahl-Doppelrohr-Auspuffanlage mit ihrem sonoren Brummen. Und weil die roten Saisonkennzeichen noch nicht lange am Auto sind, kann Ernst sich mehr am erwachenden Fahrspaß als an der erwachenden Natur berauschen.

Nur für echte Kerle: das Gokart-Gefühl des Triumph Spitfire

Das Gokart-Gefühl mit der direkten Lenkung und der knackigen Federung des tiefergelegten englischen Feuerspuckers hat ihm einen ganzen Winter gefehlt.
Habratsweiler, Eggenweiler, Bettenweiler, Appenweiler, Batzenweiler: Auf gerade mal fünf Kilometer Strecke reihen sich die winzigen Orte nördlich von Friedrichshafen hintereinander auf. Winzig sind auch die Straßen, die sie verbinden. Ein Geflecht aus kleinen und kleinsten Teeradern zieht sich unweit des Bodensee-Nordufers durch die hügelige Landschaft, in der man sich glückselig verlieren kann. Orientierung? Nach Sonnenstand. Ziel? Keines. Einfach rollen. Durch eine Mischung aus Streuobstwiesen, Obstgärten, Wäldern und Feldern. Gletscher haben einst den Bodensee ausgeschaufelt und ihre Ablagerungen als sogenannte Drumlins in seiner Umgebung zurückgelassen. 15.000 Jahre später sind sie das ideale Cabrio-Gelände, in dem man jede einzelne Kurve genießt.

Überholen wird sowieso zur Herausforderung, so eng sind oft die Sträßchen. Gerade jetzt tuckert vor Ernst ein Traktor mit einer Mistladung auf dem Anhänger mit gerade mal zehn Stundenkilometern durch die Landschaft und schenkt dem Cabrio-Fahrer dieses natürliche Duft-Potpourri, das man in einer Limousine niemals haben würde. Was Mira als nervende Geruchsbelästigung empfindet, sieht Ernst mit der Gelassenheit des Alters. Ohne Hektik und Naserümpfen zieht er den Spitfire vorbei, als die Straße etwas breiter wird.

Immer weiter nach Norden geht die morgendliche Ausfahrt. Über Horgenzell lässt sich der Höchsten erreichen, ein 800 Meter hoher Bergrücken mit herrlichem Landschaftsblick. Nun schnell nach Ilmensee, wo sich zwei kleine Seen idyllisch in die Landschaft schmiegen. Eine Tasse Kaffee am Campingplatz, dann geht es an die Rückfahrt nach Süden Richtung Bodensee. Mit flotterer Gangart auf nun schon etwas breiteren Straßen über Deggenhausertal und Oberteuringen. Wenn bisher mitunter wegen der kleinen Straßen nur im dritten Gang zu fahren war, darf der Spitfire nun sein Feuer spucken. Seine 72 PS bei 815 Kilo Leergewicht machen den bis 1980 gebauten Engländer zum wendigen, sprintfreudigen Flitzer. Die mit Pendelachse und Querblattfedern nicht gerade als vorbildlich gerühmte Straßenlage des Roadsters muss ja nicht voll ausgereizt werden. Immenstaad ist erreicht und der Spitfire zieht am Bodensee-Ufer entlang nach Westen. Rechts liegen die Weinberge.

Auf dem See ziehen Fährschiffe und Segelyachten vorbei

Von den etwas höheren Abschnitten der B31 blickt man zur Linken auf den See. Fährschiffe ziehen dort draußen vorbei, mondäne Kursschiffe, schnittige Segelyachten. Dazwischen dümpeln wie eh und je die Boote der Bodenseefischer. Das "Schwäbische Meer" als größtes Binnengewässer Deutschlands gebärdet sich heute überhaupt nicht wie ein Meer. Eine völlig glatte Oberfläche macht das Wasser zum Spiegel. Wie in einem Fantasy-Film taucht auf einmal eine Ritterburg auf, mit wuchtigen Mauern, Türmen, Toren: "Die Meersburg", erklärt Ernst und schaltet einen Gang höher, um gegen das Röhren der Auspuffanlage anzukommen. "In der hat sich vor rund 150 Jahren die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff eingemietet."

Doch nach Dichtkunst steht der Zwölfjährigen jetzt nicht der Sinn, die sich längst den Kopfhörer übergestülpt hat und Shakiras neues Album in voller Dröhnung hört. Annette von Droste-Hülshoff? Da müsste man ja erst auf Facebook nachfragen, ob die überhaupt noch jemand kennt. Schon eher interessiert Mira da die Steinzeit. Die am Bodensee nicht weit entfernt vom Mittelalter der Meersburg liegt. Das Pfahlbaumuseum Unteruhldingen ist schnell erreicht, und Mira kann stein- und bronzezeitliche Siedlungsformen erforschen.

Etappen lassen sich auch bequem auf der Wasserstraße zurücklegen

Dann ist Uferspringen angesagt. Im Nu ist zum zweiten Mal am heutigen Tag Meersburg erreicht und die Autofähre nach Konstanz. Ob man nun per Auto, Fahrrad oder Rollschuh entlang der 270 Kilometer langen Bodensee-Ufer rollt, immer steht ein reger Schiffsverkehr zur Unterstützung bereit, will man eine Etappe auf dem Wasser zurücklegen.

Und genau das machen Ernst und Mira jetzt mit dem Spitfire. 70 Kilometer lang wäre die landschaftlich sicher sehr schöne Fahrt um den Überlinger See herum nach Konstanz, die Autofähre schafft das in 15 Minuten. Die Stadt im Westen des Sees ist gleichzeitig das Tor zu den abzweigenden Seeteilen Überlinger See und Untersee, aus dem der Rhein seinen Weg nach Norden zum Meer nimmt. Wieder lockt die Landschaft mit Cabriogerechten kleinen gewundenen Straßen, diesmal die des Bodanrück, einem Gebirgsrücken zwischen Überlinger See und Untersee. Oder man könnte dem Rhein folgen bis nach Stein, einer der sehenswertesten historischen Städte der Schweiz. Oder gar vorstoßen bis nach Schaffhausen zum Rheinfall, dem größten Wasserfall Europas.

Doch Ernst will heute noch das Schwäbische Meer umrunden und auch das Südufer auf schweizerischer Seite sehen. Das in Romanshorn und vor allem Arbon mit wunderschöner Fachwerkarchitektur brilliert. Allerdings fahrtechnisch um den Preis der einsamen abgelegenen Sträßchen, denn jetzt am Spätnachmittag ist in den Stadtzentren auf der Strecke der Feierabendverkehr unterwegs. Dann lieber eine Pause einschieben und mit Mira im Café schnell ein Stück "Rüeblitorte" essen. Über den Rand der Kaffeetasse ist drüben auf der anderen Seeseite eine riesenhafte Zigarre im blauen Himmel zu sehen. Dort liegt Friedrichshafen, wo am 2. Juli 1900 das erste Luftschiff des Grafen Zeppelin startete. Heute dreht der High-tech-Zeppelin NT hoch über dem Bodensee eine Runden, den man auch als Passagier für Rundflüge besteigen kann. Was Mira längst auf ihrer Liste der Urlaubsaktivitäten stehen hat. Doch jetzt, so meint die Zwölfjährige, dürfte es mal etwas Natur sein. Ernst hat da so eine Idee und lenkt den Spitfire weiter nach Osten hinüber ins österreichische Bregenz.

In Friedrichshafen startete einst das Luftschiff des Grafen Zeppelin

Das kleine Pass-Sträßchen auf den Pfänder, den 1.064 Meter hohen Hausberg der Stadt, ist genau das, was Papa glücklich macht. Oben aus dem Zeppelin über dem See müssten jetzt eigentlich die Passagiere neidvoll herunterblicken auf diesen knallroten Punkt, der sich flink und wendig die Bergstraße hochschraubt. Oben auf dem Pfänder dann die von Mira eingeforderte Natur: Wie auf einer Kinoleinwand breitet sich in der Tiefe der gesamte Bodensee aus, gesäumt von 240 Alpengipfeln aus drei Ländern. Ernst und Mira werfen sich rücklings in eine Löwenzahn-wiese, betrachten die vorüberschwebenden Greifvögel der Pfänder-Adlerwarte und den langsam draußen am Horizont vorbeiziehenden Zeppelin. Was für ein Tag!

Foto & Text | Gerhard Eisenschink

ROADSTER MIETEN

  • Von Falkenbach Premium Roadster Tours & Rent Waldseer Straße 3
    D-88250 Weingarten
    Tel. +49.751.509 19 01
    www.von-falkenbach.de

INFORMIEREN

"Schwäbisches Meer"

  • Der Bodensee liegt im Dreiländereck Deutschland, Österreich, Schweiz.
  • Er ist etwa 63 Kilometer lang und 14 Kilometer breit.
  • An der tiefsten Stelle ist er gut 250 Meter tief.
  • Der Rhein fließt durch ihn hindurch.

Postkartenblick: Die bekannte Hafeneinfahrt von Lindau.

Vorwärts: Im sprintfreudigen Spitfire auf Tour.

Weitsicht: Auf dem Pfänder oberhalb von Bregenz hat man einen Paradeblick auf den See.

Überragend: Die Meersburg ist stolzes Wahrzeichen der gleichnamigen Stadt. Hier lebte einige Zeit die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff.

Annette von Droste-Hülshoff über die Meersburg

  • "Auf der Burg haus ich am Berge. Unter mir der blaue See, höre nächtlich Koboldzwerge, täglich Adler aus der Höh."

Mittelalterlich: Blick von der Meersburg in die Altstadt von Meersburg.

Architektonisches Juwel: die Altstadt von Stein am Rhein in der Schweiz. Hier verlässt der Rhein den Bodensee.

Dämmerung: Der Bodensee-Radweg lockt zur Umrundung per Pedales.

Fahrpausen am Bodensee

  • SCHLAFEN
  • Obst- und Ferienhof Lehle (rustikal)
    Frickenwäsele 29
    D-88090 Immenstaad
    Tel. +49.7545.941 70
    www.lehle-ferienhof.de
  • Bodensee-Hotel Sonnenhof (luxuriös)
    Sonnenhof 8
    D-88079 Kressbronn/Retterschen
    Tel. +49.7543.50 02 20
    www.sonnenhof-bodensee.de
  • ESSEN & TRINKEN
  • Schloss Montfort am Seeufer
    Untere Seestraße 3
    D-88085 Langenargen
    Tel. +49.7543.91 27 12
    www.montfort-schloss.de
  • Hotel Restaurant "Der Löwen" (historisches Ambiente)
    Hansjakobstraße 2
    D-88709 Hagnau
    Tel. +49.7532.43 39 80
    www.loewen-hagnau.de
  • SCHAUEN
  • Pfahlbaumuseum
    Strandpromenade 6
    D-88690 Uhldingen-Mühlhofen
    Tel. +49.7556.92 89 00
    www.pfahlbauten.de
  • Zeppelin-Museum
    Seestraße 22
    D-88045 Friedrichshafen
    Tel. +49.7541.380 10
    www.zeppelin-museum.de
  • Die Meersburg
    Schlossplatz 10
    D-88709 Meersburg
    Tel. +49.7532.800 00
    www.burg-meersburg.de
  • EINKAUFEN
  • LAGO Shopping-Center
    Bodanstraße 1
    Parkhauseinfahrt: Hafenstraße 1
    D-78462 Konstanz
    Tel. +49.7531.69 13 36 12
    www.lago-konstanz.de
  • Weingut Aufricht
    Höhenweg 8
    D-88719 Meersburg-Stetten
    Tel. +49.7532.24 27
    www.aufricht.de
  • ERLEBEN
  • Rundflug über den Bodensee
    ZLT Zeppelin Luftschifftechnik
    Allmannsweilerstraße 132
    D-88046 Friedrichshafen
    Tel. +49.7541.590 00
    www.zeppelinflug.de
  • Panoramagondel auf den Pfändergipfel
    Pfänderbahn AG
    Steinbruchgasse 4
    A-6900 Bregenz
    Tel. +43.5574.42 16 00
    Wetterauskunft: Tel. +43.5574.433 16
    www.pfaenderbahn.at