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Tourenberichte

Horsepower - Traumpaar Ford Mustang und Highway No. 1 zurück

Im Südwesten der USA. Ein Reisebericht über faszinierende Städte, herrliche Naturwunder und Vielfalt im allgemeinen.

Wir haben so ein Glück!

Gerade sind wir in Los Angeles angekommen, um uns im Urlaub zu erholen, da ruft Leo an und will, dass wir diesen Wagen testen. Er sei genial, hat er gesagt. Ich denke einen Moment lang an Highway und untergehende Sonne und sage vergnügt zu. Leo ist der Boss.

Das geniale Auto ist ein Ford Mustang V6 Premium Convertible. Okay. Was noch? Er ist kirschrot mit elfenbeinfarbenem Verdeck, was nicht so oft zu sehen sein wird. Das Wetter ist super Ende Oktober. Ich betrachte den Wagen von allen Seiten. Wenn man ihn von schräg links unten anschaut, ist der Mustang eher ein Shark. Aggressiv sieht er aus und ziemlich kräftig. 1000 Umdrehungen in der Minute mag der Mustang am liebsten. Für Fahrer, die Schnurren und Blubbern als das höchste der Gefühle erachten, ist es das schönste Schnurren und Blubbern auf der ganzen Welt. Leo weiß das nicht, sonst wäre er selbst gefahren.

Los Angeles

Ich bin natürlich nicht alleine unterwegs. Nicoletta ist auch dabei. Und so schnurre ich mit der 305-PS-Maschine um die Wette durch L.A. Diese Stadt ist wirklich groß. Wir fahren über den Pacific Coast Highway nach Malibu und bestaunen die Villen. Das blaue Meer funkelt in der Sonne. Wir sind begeistert und biegen ab in die Berge nach Norden. Von dort geht es über den Mulholland Drive zurück in die Stadt. Die verwinkelte Passstraße wurde von der Mafia in den 20er-Jahren gerne genutzt, um sich unliebsamer Mitbürger zu entledigen. Man hat eine beeindruckende Aussicht auf die ganze Stadt. Über Beverly Hills und den Hollywood Boulevard fahren wir ins Hotel.

Am nächsten Tag geht es ab in die Wüste. So richtig schnurren geht am besten mit 75 Meilen auf dem Tacho und 300 Meilen geradeaus! Das erledigt der Tempomat perfekt. Und den braucht man auch: Bei exakt 75 Meilen pro Stunde kann die Bedienung eines Gaspedals zur Herausforderung werden. Wozu auch Schalter und Hebel anfassen, wenn das Wippen von zwei Tonnen Neo-US-Musclecar doch alle Sinne befriedigt. Das offene Verdeck und die Musik aus den 70ern ist genau das Richtige gegen unseren Jetlag. Allmann Brothers, Eric Clapton oder Greatful Death bringen uns in Stimmung.
Gelegentlich unterbrechen wir das Wippen für einen Diner. Es gibt Burger mit allem, was schmeckt.

Eine besonders nahrhafte Leckerei ist der Milchshake, als täglicher Glücklichmacher aus einem der diversen Drivethroughs der hiesigen Gastronomie. Gefühlte 3000 Kalorien von Jack in the Box, der die Besten anbietet, können einfach nur glücklich machen. Bei Vanille leuchten Nicolettas Augen am hellsten.

Gemütlich geht es zu auf den Highways und Freeways Kaliforniens. Da man immer genügend Platz auf den Straßen hat, wird die Reise durch keine Überholmanöver gestört. Und wir haben das perfekte Fahrzeug, um über den Highway zu schweben. Alle Bodenwellen werden fein säuberlich geschluckt und wir genießen die Ruhe.

Grand Canyon

Eigentlich dürfte hier nichts stehen. Denn der Grand Canyon ist ein unbeschreibliches und völlig überwältigendes Naturwunder. Seine Dimensionen sind fernab von jeder Vorstellungskraft. Der Grand Canyon National Park umfasst eine 450 km lange Schlucht im Norden Arizonas, die vom Colorado River ins Gestein des Colorado- plateaus gegraben worden ist. Bis zu 1800 m tief, bieten die gewaltigen Erosionen Einblick in 1,8 Milliarden Jahre Erdgeschichte. Wir wandern am Südrand des Canyon entlang und schweigen.

Abends führt die Reise zu einem netten Motel am Ortseingang von Kingman. Den Wagen parken wir direkt vor dem Zimmer. So haben sie das früher mit den Mustangs auch gemacht. Hier gibt es sogar Schwimmbecken und Whirlpool. Im Restaurant zwei Straßen weiter genehmigen wir uns ein Steak und danach einen würzigen Bourbon. Mehrere Gäste tragen einen Cowboyhut. Nicoletta auch.

Las Vegas

Casinos, Unterhaltungsshows, Gastronomie, Luxusshopping. Und alles im Superlativ. Die milden Gesetze des Staates Nevada haben hier in den vergangenen 100 Jahren eine Vergnügungsoase mitten in der Wüste entstehen lassen. Wir bleiben zwei Nächte in einem Motel direkt neben dem "Strip". So heißt die Vergnügungsmeile mitten in der Stadt mit weltberühmten Hotels wie Caesars Palace, Excalibur, Luxor, Flamingo, Mirage oder Monte Carlo. Ganze Städte hat man hier in Ausschnitten nachgebaut: New York steht neben Rom, Paris neben Venedig – eine Traumwelt neben der anderen. Amerikaner müssen die Welt nicht bereisen.

Die Nacht ist lang. Glücksspiel, so weit das Auge reicht. Die meisten Gäste spielen an "einarmigen Banditen" – die moderateste Art das Konto zu leeren. Bei 10, 20 oder 50 Dollar Mindesteinsatz an den Roulettetischen wird uns warm. Wir trinken Gimlet und Whiskey Sour. Ältere Gäste auf kleinen Elektrocaddies cruisen durch die Hallen. Den folgenden Vormittag im Pool haben wir uns wirklich verdient. Den zweiten Abend verbringen wir artig bei kaltem Bier im Harley Davidson Diner.

Am nächsten Morgen verlassen wir Las Vegas auf dem Highway No. 160 nach Westen. Es tut gut, dem Lärm zu entfliehen. Drei Stunden später werden wir im Death Valley genau das Gegenteil erleben. Das Schnurren und Blubbern aus den 3,7 l Hubraum beruhigt immens. Wir sitzen bequem in den wohlgeformten Ledersitzen und halten die Nasen in den Wind. Das Reisen mit mit dem Mustang macht uns wirklich Spass.

Death Valley

In Badwater steigen wir aus. Hier befindet sich der tiefste Punkt der westlichen Hemisphäre. 85,5 m unter dem Meeresspiegel meistert unsere Klimaanlage die 38 Grad Außentemperatur spielend. Der Boden ist von einer weißen Salzkruste überzogen, die beim Gehen knirscht. Wie anstrengend muss die Durchquerung der Wüste vor 160 Jahren gewesen sein! Die Goldsucher in ihren klapprigen Planwagen damals haben hier Halt gemacht und dem Platz den Namen "Schlechtes Wasser" gegeben. Sie hatten sich wohl mehr erhofft als eine kleine Pfütze mit salzigem Wasser.

Die folgende Nacht verbringen wir in dem behaglichen Motel Whitney in Lone Pine. Es gibt chinesische Ente und Bier. Nicoletta gefällt die Abwechslung zum Burger. Um meine grauen Zellen, die sich im Urlaubsmodus befinden, zu testen, sagt Nicoletta zu mir: "Nenn mir den Namen des Hotels, in dem wir gestern übernachtet haben!" Ich antworte reflexartig: "Wo waren wir gestern?" Wir sind im Urlaub!

Yosemite National Park

Wir kommen spät auf die Straße und verlassen Lone Pine auf dem Highway No. 395 nordwärts. Es geht bergauf. Vorbei an großen Seen, durch Wälder, die aussehen wie zu Hause. Nach der langen Fahrt erreichen wir am frühen Abend Yosemite Valley. Die steinernen Riesen Half Dome und El Capitan sehen wir schon von weitem. In der 1000 m hohen senkrechten Wand des El Capitan hängen Kletterer wie Farbtupfer, die in Hängematten in der Wand übernachten werden. Auf unserem Spaziergang zu den Yosemite Falls begegnen wir mehreren Rehen. So zahm, wie sie uns mustern, sind wir nicht die ersten Touristen, die sie treffen. Das ist verständlich: Die Falls sind mit 739 m die höchsten Nordamerikas. Ganz zu schweigen von den Mammutbäumen im Mariposa Groove, die wir am nächsten Tag sehen werden. Der größte heißt Giant Grizzly. Sein Stamm hat einen Umfang von 25 m. Im südlich des Parks gelegenen Oakhurst finden wir wieder ein feines Motel. Genau der richtige Abend für Pasta und Wein.

San Francisco

Wir fahren nach Westen Richtung Küste. Oktober ist eine gute Reisezeit, es ist nicht zu heiß und es sind nicht so viele Touristen unterwegs. Über die Oakland Bridge erreichen wir das Stadtzentrum von San Francisco und steigen in dem kleinen Hotel Fitzgerald ab. Unglaublich: Auf den elegant eingerichteten Zimmern gibt es Mülltrennung. Unser lieb gewonnenes Musclecar lassen wir uns für ein paar Tage wegnehmen. Nach dem Einchecken übergibt man die Schlüssel einem freundlichen Herrn, der das Fahrzeug für 18 Dollar am Tag an einem sicheren Ort parkt. San Francisco bietet wenig Platz für Autos. Dafür hat man das Gefühl, die Stadt ist voll von Intellektuellen und Künstlern. Diese Metropole auf 42 teils sehr steilen Hügeln hat europäisches Flair. Nach zwei Tagen Spazierengehen werden wir starken Muskelkater in den Waden haben. Es geht immer auf und ab. Ich tu so, als würde mir das nichts ausmachen. Als ich dann doch vorschlage, Tageskarten für Cablecars zu kaufen, willigt Nicoletta mit einem Lächeln ein.

Nachts jagen uns die vielen Junkies und Bettler in den Seitenstraßen einen Schrecken ein. Die Warnung des Reiseführers, die Hauptstraßen nicht einfach zu verlassen, werden wir ab jetzt ernst nehmen.

Am nächsten Morgen werden wir von gutem Kaffee überrascht. So muss ein Tag beginnen vor dem Besuch von Fisherman’s Wharf, dem früheren Hafen der Stadt. Von hier aus hat man einen guten Blick nach Alcatraz, dem ehemals berüchtigten Gefängnis.

Wenn Nicoletta hungrig ist, muss es ganz schnell gehen. Da darf ein Abendessen beim Franzosen auch über 100 Dollar kosten. Ein 10-Dollar-Dinner bei Kam Po in Chinatown (Kreuzung Broadway/Powell Street) macht sie aber auch glücklich. In der Küche hängt auf 20 m2 diverses Geflügel mit und ohne Federn neben vier Schweinehälften von der Decke. Nach Kam Po geht es zwei Blocks weiter ins Café Trieste (Kreuzung Vallejo/Grant Street), um den Sieg der SF Giants über die Phillies aus Philadelphia zu bejubeln. Dafür bekommen wir zwei Bier spendiert. Die brauchen wir auch: erstens, weil dies der erste Laden auf unserer Reise ist, in dem keine Kreditkarten akzeptiert werden und wir kein Bargeld dabei haben. Und zweitens: um unseren Hygieneschock bei Po Kam zu verdauen. Froschschenkel, Schweineohren und unzählige nie gesehene Geflügelkreationen haben uns ein wenig mitgenommen. Die italienischen Barkeeper kennen die Baseballregeln auch nicht. Ihr Tipp: "Cheer when all cheer!"

Der folgende Morgen bringt Regen. Wir ziehen von einem coolen Café zum nächsten und lesen und schreiben. Zwei ältere Damen setzen sich zu uns und empfehlen uns das Örtchen Carmel an der Pazifikküste.

Am nächsten Tag scheint wieder die Sonne. Die Golden Gate Bridge und Sausalitos sind die funkelnden Höhepunkte einer fantastischen Stadt. Diese Brücke, die den Highway No. 1 über die San Francisco Bay trägt, ist ein Statement. Es ist gewaltig und sagt: Wir können das. Wir machen das. Wir wollen das. Das Selbstverständnis Amerikas strahlt uns dunkelorange in der Sonne an. Wir fotografieren alles, was sich bewegt und freuen uns.

Highway No. 1

Gefühlt ist Gilroy das größte Outlet der USA. Ein ganzer Pazifik voller Angebote in 145 Stores. Das lassen wir uns nicht entgehen auf dem Weg zum letzten Ziel: dem Highway No. 1 von San Francisco nach Los Angeles. Die Rückbank voller Schätze verlassen wir das Shopping-Paradies Richtung Süden, lassen Monterey Bay rechts liegen und besuchen das schmalzig-charmante Carmel. Zehn Minuten vor Dienstschluss vermietet uns eine ältere Dame um 21.50 Uhr ihr letztes Zimmer. Der hoffnungslos romantische Strandspaziergang bei Mondschein folgt noch in derselben Nacht.
Unsere letzten drei Tage haben begonnen.

Es ist ein guter Wagen und wir werden ihn nicht vergessen.

Ein Picknick am Strand mit diebischen Möwen, Gezeiten beobachten und noch ein paar Meilen durch die Wälder cruisen, ist unser Endspurt im Erholen. Unser Ford Mustang blinzelt in der Sonne. Er sieht richtig gut aus dabei mit seinen breiten Reifen und seinen hochgezogenen Radkästen. Das Highlight des letzten Tages ist ein wunderschöner Spaziergang am Sandstrand des Pfeiffer Beach im Naturschutzgebiet von Big Sur. Ich bekomme einen Sonnenbrand als Abschiedsgeschenk. Danach fahren wir die Küstenstraße des legendären Highway weiter nach Süden, vorbei an steilen Klippen, einem Strand voller See-Elefanten und unzähligen, wunderschönen Landschaftsimpressionen. Rechts der Pazifik, links der Wald. Wir sind entspannt und freuen uns auf das Motel. Leider ist es unsere letzte Nacht. Am Vormittag fahren wir weiter zum Flughafen nicht ohne vorher noch einen Abstecher nach Venice Beach gemacht zu haben. Der Abschieds-Milchshake schmeckt nach Kürbis, weil Amerika Helloween entgegenfiebert. Für uns schmeckt er nach Goodbye. Helloween ist egal. Nicolettas Küsse schmecken besser.

Am Flughafen trennen wir uns schweren Herzens von unserem Ford Mustang, der uns 2500 Meilen durch den Südwesten der USA getragen hat. Er ist genau so wie dieses vielfältige Land, das wir bereist haben: aufwühlend, überwältigend, entspannt. Er fordert das Auge und beruhigt die Sinne. Er ist ein Macho, der aber doch am liebsten blubbert und schnurrt. Er übertreibt manchmal (305 PS! 3,7 l Hubraum!), und ist total gemütlich. Ein gutes Auto. Wir werden ihn nicht vergessen.

Fotos | Text
Nicoletta Miller & Harald Finger

Horsepower

  • Ford Mustanf V6 Premium Convertible
  • 305 PS / 3,7 l Hubraum (Und das ist nur die kleine Motorisierung)
  • Relaxtes Schnurren

Ob Route 66 oder Highway No. 1 - jede Fahrpause ist ein Highlight. An der Pazifikküste trifft man immer wiede auf Seehunde.

Fahrpausen

  • Die schönsten Pausen sind die, die man nicht plant. Hier unsere besten Entdeckungen.
  • SCHLAFEN
  • Bellagio Las Vegas
    3600 Las Vegas Blvd.
    Las Vegas, NV 89109-4339
    Tel. +1 / 702 693-7111
    www.bellagio.com
  • Normandy Inn
    Ocean Ave.
    Carmel, CA 9392
    Tel. +1 / 831 624-3825
    www.normandyinncarmel.com
  • Tipp
    Motels findet man an jeder Reiseroute, zumeist an den Ortseingängen der Städte. Oft sind die Preise außen an den Gebäuden angebracht. Es empfiehlt sich, das Zimmer immer vorher anzusehn. Wenn es nicht gefällt, einfach weiterfahren, das nächste Angebot kommt bestimmt.
    PS: Ein Kingsize Bed reicht für zwei Personen.
  • ESSEN & TRINKEN
  • Rue Saint Jacques Restaurant
    1098 Jackson Street
    San Francisco, CA, 94133
    Cross street: Taylor Street
    Tel. +1 / 415 776-2002
    www.ruesaintjacques.com
  • Sweetwater Steakhouse
    41177 California 41
    Oakhurst, CA 93644-9403
    Tel. +1 / 559 658-5252
    sweetwatersteakhouseca.com
  • Texas Roadhouse
    2422 Naglee Road
    Tracy, CA 95304-7324
    Tel. +1 / 209 830-1133
    www.texasroadhouse.com
  • Cracker Barrel Old Country
    3520 Stockton Hill Road
    Kingman, AZ 86409-3005
    Tel. +1 / 928 757-9000
    www.crackerbarrel.com
  • Blt Burger
    3400 Las Vegas Boulevard
    South Las Vegas, NV 89109
    Tel. +1 / 702 792-7888
    www.bltrestaurants.com‎
  • Kam Po Kitchen
    801 Broadway
    San Francisco, CA 94133-4218
    Tel. +1 / 415 982-3516
    Cross street: Powel Street
  • SCHAUEN
  • Pfeiffer Beach
    400 südlich der Big Sur Stati-on vom Highway No.1 scharf rechts in die Sycamore Canyon Road abbiegen
    Big Sur, CA 93920
    Tel. +1 / 831 667 2315
    www.bigsurcalifornia.org/beaches.html
  • Sausalitos
    Netter Vorort im Norden San Franciscos gleich nach der Golden Gate Bridge
  • EINKAUFEN
  • Gilroy Premium Outlets
    681 Leavesley Road
    Gilroy, CA 95020
    Tel. +1 / 408 842-3729
    145 Stores in Gilroy
    www.premiumoutlets.com
  • Tanger Outlet Center
    2796 Tanger Way
    Barstow, CA 9231
    Tel. +1 / 760 253-4813
    www.tangeroutlet.com
  • Anthropologie
    Anthropologie
    6301 W. 3 Rd. St. S. J,
    Farmer’s Market
    Los Angeles, CA 90036-3154
    Tel. +1 / 323 934-8433
    www.anthropologie.com‎
  • Maragret O’Leary
    1 Claude Lane
    San Francisco, CA 94108-4446
    Tel. +1 / 415 391-1010
    www.margaretoleary.com