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Modelle / Top-Hersteller

Alte Schale, junges Herz zurück

Oldies brauchen viel Liebe und sorgfältige Pflege. Launisch sind manche obendrein. Die Alternative: nachgebaute Klassiker mit modernem Innenleben. Das Angebot reicht vom Porsche 356 Lookalike mit VW-Motor bis zum perfekt kopierten Mercedes 300 SL Roadster auf SLK-Basis.

Duftende Ledersitze mit dezenter Patina, ein Holzlenkrad mit polierten Metallspeichen, verchromte Armaturen und massive Knöpfe auf dem Armaturenbrett. Der Blick fällt über die lange Motorhaube mit den markanten Kotflügeln. Unter der Haube röhrt ein betagtes, aber rüstiges Triebwerk. Unterwegs, wenn das Stoffdach hinter den Sitzen verschwunden ist, lächeln einem fremde Menschen freundlich zu. Oldtimer-Cabrios bieten nicht nur viel Fahrspaß, sie sind auch im Gegensatz zu manch modernem Spaßfahrzeug ausgesprochen sozialverträglich. Kein Wunder, dass die Zahl der registrierten Oldtimer in Deutschland wächst und derzeit bei 300.000 liegt.

Retrolook mit Stil

  • ein Porsche 356 mit VW-Motor der großer und kleinen Jungen.

Klassische Cabrios haben viele Fans und so mancher träumt heimlich von einem historischen Mercedes SL oder einem offenen Porsche 356 Cabrio. Allerdings scheuen sie die Sensibilität der automobilen Senioren und fürchten mangelnde Zuverlässigkeit bei längeren Ausflügen. Legendär sind die Launen der britischen Roadster der 50er- und 60er-Jahre, die gerne bei Nässe oder anderen Unpässlichkeiten den Dienst quittieren.
Für unsere Fans gibt es eine passende Lösung. Durch die Kombination von Nostalgie mit moderner Technik haben einige Marken Kultstatus erreicht. Zum Beispiel die Roadster der Brüder Friedhelm und Martin Wiesmann im westfälischen Dülmen. Die klassischen Roadster mit ihren erotischen Rundungen, nostalgischem Interieur und sorgfältiger Detailverarbeitung werden mit moderner BMW-Technik flott gemacht. Der Klassiker ist der MF3, der seit 1993 gebaut wird und aktuell mit dem 343 PS starken Sechszylinder-Motors des al ten BMW M3, einem echten Sportmotor, ausgestattet ist. Mehr Power und Achtzylinder-Sound bietet der MF4 mit wahlweise 367 oder 420 PS, was den Zweisitzer bis zu 300 km/h schnell macht. Für den MF4 gibt es optional eine Sportautomatik oder ein 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe. Topmodell bei Wiesmann ist der MF5 mit dem 507 PS starken Zehnzylinder des alten M5. Bei einem Leergewicht von 1.395 kg schafft der MF5 Beschleunigungswerte wie ein Supersportwagen. Sehr viel billiger gibt es den nostalgischen Westfalen aber auch nicht. Ab 189.000 Euro zahlt man für den MF5, ab 128.900 für den MF4. Das Einstiegsmodell MF3 gibt es für vergleichsweise günstige 102.000. Ein Trost: Wertverlust ist bei den Wiesmann Roadstern kein Thema. Auch nach 15 Jahren liegen gepflegte Exemplare noch auf dem Niveau des Anschaffungspreises.
Ähnlich angenehme Effekte beschert auch der Morgan Roadster seinen Besitzern. Der britische Klassiker ist einer der wenigen Old-timer, die heute noch vom Band laufen. Nostalgisch ist nicht nur die Karosserie, sondern auch der Eschenholzrahmen, der seit Urzeiten von Morgan verwendet wird. Legendär war der Morgan Plus 8 mit dem 3,5-Liter-Achtzylinder von Rover. Dessen typisches Brabbeln hat der seit 2004 gebaute Nachfolger nicht mehr. Dafür wird er von modernen Jaguar- oder Ford-3,0-Liter-Sechszylindern angefeuert, deren Leistung mit maximal 203 PS auch ausreichend ist für den schmächtigen Oldie. Mit Preisen ab 57.000 Euro ist der Morgan Roadster ein Schnäppchen im Vergleich zu den Wiesmann Boliden. Deutlich günstiger ist das Einstiegsmodell Morgan 4/4 Sport, dessen 1,6-Liter-Vierzylinder von Ford freilich nicht annähernd die Erotik der großvolumigen Triebwerke besitzt.
Trotz des enormen Fahrvergnügens werden weder Wiesmann noch Morgan als echte Oldtimer wahrgenommen. Wer sich mit dem Hauch der guten alten Zeiten umgeben will, aber nur auf moderne Technik vertraut, für den hat Ernst Scheib vielleicht die passen de Lösung. Scheib baut seit vielen Jahren in Ansbach ungewöhnliche Krea-tionen in Form von Nachbauten legendärer Klassiker. Bekannt geworden ist er mit Replikas von alten MG TD Roadstern und 356er Cabrios auf VW Käfer-Basis. Die bietet er auch heute an, mit Scheibenbremsen und zum Teil mit ABS, und verlangt dafür ab 29.000 Euro. Das Vorzeigeobjekt von Scheib ist freilich der 300 SL Lookalike, der auf Basis des Mercedes-Benz SLK gebaut wird. Mit dem quasi originalen Interieur des 300 SL zahlt man für den Anti-Aging-Klassiker etwa 165.000 Euro. Ein anderes Paradebeispiel für nachgebaute Oldies mit neuem Innenleben ist der HMC Healey, ein eindrucksvoller Nachbau des klassischen Austin Healey 3000 aus den 60er-Jahren. Die HMC Healeys wurden von 1989 bis 2000 als Silverstone und Lightweight gebaut. Gebrauchte HMC finden sich auch heute noch, und die sind meist gepflegt, weil nur als Schönwetter-Auto gefahren. Mit ihrer feinen nostalgischen Ausstattung in Holz und Chrom, mit Ledersitzen und gediegenem Achtzylinder-Sound des 3,9-Liter-Rover-Motors bieten sie jede Menge Fahrspaß. 190 PS leistete das Rover-Triebwerk. Damit war der zwischen 1.000 und 1.200 kg leichte HMC um Lichtjahre schneller als alle echten Healeys – und vor allem zuverlässiger. Heute bietet der damalige HMC-Importeur Leberfi nger in Hamburg gepflegte Gebrauchte ab 40.000 Euro an. Gute originale Austin Healeys kosten deutlich mehr.

Text | Georg Weindl

Unter der Haube des MF5 Wiesmann Roadsters (gr. Bild oben) schlägt ein Herz mit 507 PS. Damit sind die Beschleunigungswerte wie bei einem Supersportwagen möglich.

Der Morgan Roadster ist einer der wenigen Oldtimer, die heute noch noch vom Band laufen.

Der HMC Healey ist der eindrucksvolle Nachbau des klassischen Austin Healey 3000 aus den 60er-Jahren.