Home Kontakt Impressum

Modelle / Top-Hersteller

Ganz großer Sport zurück

Wie kann man eine Classic-Rallye, bestehend ausden schönsten historischen Open-Air-Autos, miteinem modernen Auto sprengen? Nur dankMega-Cabrio – zum Beispiel dem Bugatti VeyronGrand Sport als Begleitfahrzeug der Kitzbüheler Alpenrallye.

Text & Fotos | Roland Löwisch

Es gibt tatsächlich einen Kritiker. Aber wirklich nur diesen einen – auf den gesamten
470 Kilometer der dreitägigen Kitzbüheler Alpenrallye. Der Mann ist schätzungsweise 85 Jahre alt und vermutlich leicht schwerhörig, als wir im Bugatti Veyron 16.4 Grand Sport „plötzlich“ und mit gefühlten 30 km/h in irgendeinem Bergdorf an ihm vorbeidonnern. „Depperter“, schimpft der tiefösterreichische Einheimische mit lokalem Akzent. Gut zu hören, weil wir tatsächlich ziemlich langsam und dann auch noch ohne Dach fahren. Vielleicht muss man nicht gerade deppert
sein, um das teuerste, schnellste und stärkste Serien-Cabrio zu fahren. Aber
es hilft: Der Wagen besitzt die inzwischen bereits legendären 1001 PS dank Sechzehnzylinder-Motor und vier Turboladern, die ihn befähigen, bis zu 407 km/h schnell zu werden. Man kann auch mit Ersatzteilwerten punkten: Allein das 18 Kilo schwere einteilige Dachstück, das zu Zweit de- und montiert werden muss, kostet so viel wie ein neuer Basis-Golf mit Schiebedach.

1,4 Millionen Euro Kaufpreis, kein wirkliches Schnäppchen

Und wer ihn nicht nur fahren, sondern gar besitzen will, überweist für den offenen Grand Sport 1,4 Millionen Euro an den VW-Konzern, dessen Tochter Bugatti die Jahresbilanz zwar nicht nach oben treibt, dafür aber das Image. Wenn man dann zusätzlich 19 Prozent Mehrwertsteuer drauflegt, ist auch noch der Staat glücklich.
Ob Fahrer oder Eigner, eine Eigenschaft sollte er unbedingt aufweisen: einen gewissen Hang zur Extrovertiertheit. Denn: Mehr Aufmerksamkeit kann man nicht erheischen, als mit dem Übersportler aus Molsheim die gesamte, nicht minder teuere Klassikbranche im mondänen österreichischen Urlaubsort aufzumischen.
Denn der ist die Alpenrallye eigentlich gewidmet, den schönen, alten und meistens offenen Schätzen wie Bentley Speed Six, Auto Union Wanderer, BMW 319 Roadster, Lagonda Le Mans, Aston Martin 2-litre speed, Fiat 508C, Jaguar XK 120, Porsche 356, BMW 507, Mercedes 300 SL Roadster, Iso Grifo Spyder, Maserati Vignale Spyder 3500 GTI, MGC, Pagoden, Alfa Spider und, und, und. Da versammelt sich die Crème de la Crème der Klassiker, die beim fachkundigen Publikum um Beifall buhlt.
Der Nachteil dieser wunderbaren und historischwertvollen Oldtimer: Jeder Passant,
der sich ein bisschen für Autos interessiert, hat jedes Modell schon mindestens
einmal irgendwo gesehen. Nicht so den Bugatti. Kaum rollen wir – noch vor dem eigentlichen Start der Rallye – auf dem Parc fermé ein, in dem sich die rund 200 offiziellen Teilnehmer für die Kitzbüheler Alpenrallye sammeln,
wirkt der Bugatti Veyron wie ein Magnet auf Eisenspäne: Das Publikum lässt die Oldies links liegen und schwärmt zum und vom Neuwagen aus dem Elsass – die
meisten in respektablem Abstand.

Seit 2005 wurden erst etwa 50 offene Super Sportler ausgeliefert

Kein Wunder: Noch nicht mal alle 300 geschlossenen und etwa 50 offenen Supersportler sind seit dem Baubeginn im Jahr 2005 ausgeliefert worden – und die meisten davon dürften warm und trocken in Sammlungen steht oder in den Scheichtümern des mittleren Ostens, in China oder in Amerika cruisen. Einen Bugatti Veyron live zu erleben, ist so wahrscheinlich wie schwarzes Edelweiß am Donauufer.
Kein Wunder, dass man von der umherstehenden autoaffinen Fangemeinde der meist beneidete Mensch des Platzes ist, wenn man nur die Schlüsselgewalt über
das unübersehbar sportliche Gefährt hat. Und wer sich hinters Steuer klemmt und
den monströsen Motor startet, ist in den Augen der Alpenrallye-Passanten im Olymp angekommen.
Sich in den Sitz zu fädeln, funktioniert mit Dach ordentlich, ohne allerdings
elegant. Einmal Platz genommen, schauen die lokalen Polizisten so, als würden sie schon deshalb ein Bußgeld erheben.
Nur wenig Knöpfe und Schalter lenken von der eigentlichen Aufgabe eines
Veyron ab: zu wirken.

Bei 160 Km/h schließen die Seitenscheiben automatisch

Werden die ersten Meter – nachdem die Masse unwillig und unter Tuscheln und Raunen Platz gemacht hat – im Schritttempo absolviert, katapultiert der erste Überholvorgang (natürlich außerhalb der Ortschaft) das Cabrio bereits auf 160 km/h. Das merkt man nicht am digitalen Tacho (es verbleibt gar keine Zeit, dorthin zu schauen), sondern daran, dass die herunter gelassenen Seitenscheiben automatisch hochfahren. Das soll genauso den Piloten vor dem Verlust seiner Sonnenbrille durch Luftzug bewahren, als auch den Veyron aufgrund verbesserter Aerodynamik noch schneller machen.
Richtig langsam wollen wir allerdings nicht werden – es regnet. Fette Tropfen
fallen auf das karmesinrote Boxmark-Leder. Das Dach haben wir im Hotel gelassen.
Zwar führen wir einen Kohlefaser- Regenschirm mit, dessen Montage nur ein paar Sekunden dauert und mit dem man trotzdem noch Tempi fahren kann, für
die man in Österreich für ewig im Zuchthaus verschwinden könnte, doch wir trotzen dem fragwürdigen Alpensommer und fahren unter der Nässe hindurch. Schließlich ist ein Veyron Grand Sport nicht aus Zucker, sondern aus Carbon.

Das Heulen und Schluchzen der Turbos macht süchtig

Es gibt noch einen weiteren Grund, den Wagen oben nicht zu schließen: Jede Art von Dach würde das Heulen und Schluchzen der Turbos und der Überdruckventile
dämmen – es wäre schade drum. Dieses ständige Seufzen hinter den silbrigen
Lüftungsgittern der Luftansaughutzen („mirrorshine“ statt mattschwarz, Aufpreis:
7.000 Euro) über den Köpfen der beiden Insassen macht süchtig, genauso
wie die Freude auf den nächsten Bummelanten vor uns auf der Landstraße. Oder
auf die letzte Rallye-Etappe, die legendäre Großglocker-Hochalpenstraße, die der
so offene wie nachtblaue Veyron ohne jegliches Zucken im Allradantrieb nimmt.
Selbst dort auf dem Gipfel ist der Bugatti der Star. Da verblassen auch die weiteren
Begleitfahrzeuge aus dem VW-Konzern: das neue Golf GTI Cabrio, der Bentley
Continental GTC und der Lamborghini Gallardo LP 570-4 Spyder Performante fallen neben dem Bugatti kaum auf. Überraschen wir drei Tage lang die Zaungäste
mit dem Über-Auto, schafft es einer von ihnen, uns am Ende der Rallye mit einer Frage zu überraschen. Zurück auf dem Parc fermé kann ein zurückhaltender 15-Jähriger seine Neugier nicht mehr zügeln: „Wie war Ihr Abitur-Notendurchschnitt,
damit Sie diesen Wagen fahren können?“, fragt er.
Eine ehrliche Antwort hätte ihn desillusioniert, deshalb antworten wir diplomatisch:
„Man kann ruhig ein bisschen deppert sein...

Der Bugatti Veyron sorgte bei der Kitzbühler Alpenrallye für einen Massenauflauf. Ein echter Publikumsliebling!

Unter den schönsten Oldtimern dieser Rallye hatte der Bugatti einen hohen Stellenwert und dies nicht nur bei den Teilnehmern.

Das Interieur und die farbliche Abstimmung dieses Edel-Cabrios sucht seinesgleichen. Eine Kombination aus Rot und Schwarz.

Das Herz. Der Motor mit seinen 16 Zylindern bringt eine maximale Leistung von 1001 PS und ein max. Drehmoment von 1250 Nm.

Technische Daten

  • Die Höchstgeschwindigkeit von über 400 km/h erreicht der
  • Roadster nur, wenn das Polycarbonat- Dachelement eingesetzt ist.
  • Leistung 1001 PS(736 kW)
  • Hubraum 7993 cm³
  • Vmax 407 km/h
  • Verbrauch 24,1 l/100 km
  • CO2-Ausstoss 574 g/km
  • Preis 1,4 Mio. Euro + MwSt.

Die Kitzbühler Alpen als Traumkulisse für alle Oldtimer und auch für den heimlichen Star der Rallye, das Edel-Cabrio — der Bugatti Veyron Grand Sport.

Das am häufigsten gewählte Motiv auf der Kitzbühler Alpenrallye 2012. Wann hat man schon die Gelegenheit dieses Auto zu fotografieren?

Der markante Kühlergrill lässt Spielraum für das Ungewöhnliche und lädt den Betrachter zu einer Reise ins Ungewisse ein.