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Verwandlungskünstler zurück

Es gibt Cabrios, die einst als Coupé oder Limousine auf die Welt gekommen sind. Und es gibt Cabrios, die es eigentlich gar nicht gibt.

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Die Göttin wurde sie genannt. Heute kann man das noch gut nachvollziehen, denn die Nobellimousine von Citroën, die von 1955 bis 1975 gebaut wurde, hat wirklich etwas Erhabenes und Souveränes an sich. Eigentlich kommt der Beiname von einem Wortspiel. Die DS klingt im Französischen ähnlich wie Déesse. Und das heißt die Göttin. Heute ist die aerodynamische Komfortlimousine ein Klassiker. Gepflegte Exemplare rangieren zwischen 15.000 und 25.000 Euro. Doch es geht auch viel teurer. Während von der Limousine über 1,4 Millionen Stück gebaut wurden, entstand beim Karosseriebauer Chapron eine kleine Auflage zweitüriger und viersitziger Cabriolets. Im Zeitraum von 1960 bis 1971 baute man 1.365 Cabrios im Werksauftrag. Teils als DS und teils als billigere und einfachere ID-Version. Daneben fertigte Chapron noch bis 1973 weitere 389 werksunabhängige Cabriolets, die teilweise niedrigere Frontscheiben hatten. Einige deutsche und Schweizer Karosseriebauer versuchten sich ebenfalls am eleganten Franzosen und bauten die Limousinen zu Cabrios um.

In den letzten Jahren avancierte die offene DS zum Liebhabermodell

Die offene Version des Citroën-Klassikers verharrte lange Zeit in einem regelrechten Dornröschenschlaf. In den letzten Jahren avancierte die offene DS jedoch zum Liebhabermodell. Wer sich heute eine Göttin zulegen will, muss tief in die Taschen greifen. Ein Cabrio kostet etwa das Zehnfache der Limousine. Unter 100.000 Euro geht so gut wie gar nichts. Billiger sind nur inoffizielle spätere Umbauten, die hin und wieder auch als Viertürer unterwegs sind. Das animiert natürlich etliche Limousinenbesitzer, die ihren Citroën in ein Cabriolet verwandeln lassen wollen. Es gibt in Deutschland und den Niederlanden entsprechende Betriebe, die das durchführen. Aber die Verwandlung vom Viertürer zum Zweitürer und die Herstellung etlicher Spezialteile ist ziemlich aufwändig und daher sehr teuer.

Cabrio-Umbauten erfreuen sich hoher Wertzuwächse

Die Renaissance des offenen Citroën ist kein Einzelfall. Dank der enormen Popularität von Cabrios, die mitunter auch Ursache für eindrucksvolle Preisentwicklungen ist, hat sich der Umbau zum Cabrio zu einem nachhaltigen Geschäft entwickelt. Für den Laien ist es dabei gar nicht so einfach festzustellen, ob das offene Wunschobjekt auch wirklich original ist. Das trifft zuweilen auch für den legendären Daytona Spider von Ferrari zu. Offiziell hieß der offene Zweisitzer mit dem 4,4-Liter- Zwölfzylinder ja 365 GTS/4, wurde aber wegen eines spektakulären Rennerfolgs des Coupés von den Medien nur kurz „Daytona“ genannt. Präsentiert wurde der Spider 1969. Danach entstanden nur 125 offizielle offene Exemplare. Vom Coupé wurden zehnmal so viele gebaut. Berühmt wurde der Spider allerdings durch eine Kopie. In der TV-Serie „Miami Vice“ waren die beiden Helden in einer schwarzen Replika auf Corvette-Basis unterwegs. Ferrari ließ das später verbieten, worauf die beiden in einen weißen Testarossa wechselten.

Die Popularität des Daytona Spider inspirierte daraufhin etliche Coupé-Besitzer zum Umbau. Optisch sind diese Umbauten nur durch Details wie eine steilere Frontscheibe zu unterscheiden. Bei den Replikas ist das einfacher. Sie erkennt man schnell an den amerikanischen Armaturenbrettern. Wer heute einen der 125 echten Spider besitzt, kann sich über einen eindrucksvollen Wertzuwachs freuen. Echte GTS/4 rangieren mittlerweile deutlich über einer Million Euro. Die sogenannten Conversion-Modelle, die aus Coupés entstanden sind, beginnen bei 250.000 Euro und liegen auf dem Niveau der Coupés.

Aber auch bei den Butter- und Brot-Cabrios entstanden bemerkenswerte Verwandlungen. Es gab es zum Beispiel den Karosseriebauer Deutsch in Köln, der sich speziell mit Cabrio-Umbauten von Ford-Modellen, insbesondere mit dem P7, dem 17m und 20m zwischen 1967 und 1971 einen Namen gemacht hatte. Später bereicherte Deutsch auch Modelle von Borgward und Opel um offene Versionen, bis er das Geschäft Ende der 60er-Jahre aufgab.Während in Deutschland der nachträgliche Umbau vom geschlossenen zum offenen Automobil wegen des hohen Aufwands und der damit verbundenen TÜV-Vorschriften ein Fall für Liebhaber ist, wurde und wird auch heute noch in den USA ziemlich weitreichend enthauptet. Und zwar von Spezialisten wie Newport Convertible in Kalifornien. Dort wird vom Hummer H3 über den BMW X6 bis zum Maybach so ziemlich alles geöffnet und mit Stoffdach versehen. Ob ein Jaguar XJ mit einem Überrollbügel eine ästhetische Bereicherung ist, darüber kann man allerdings geteilter Meinung sein.

In den USA bauen Spezialisten so ziemlich alle Wagen in Cabrios um


Deutsche Cabrio-Spezialisten sind da wesentlich zurückhaltender. Gerhard Bähr in Hagen zum Beispiel verwandelt seit gut 20 Jahren klassische Mercedes-Modelle. Bähr bietet Bausätze und auch komplette Umbauten an. Am besten verkauft sich das viersitzige Cabrio der W111 Serie von 1961 bis 1970. Basis ist das entsprechende Coupé. Zuerst wird die Chassis-Verstärkung eingeschweißt, dann das Dach abgenommen und das Verdeck eingebaut. Notwendige Detailarbeiten werden durchgeführt. 13.900 Euro kostet der Umbau, der rund zwei Monate in Anspruch nimmt. Das Cabrio sieht auf den ersten Blick kaum anders aus als das Original, unterscheidet sich aber in einigen Details und Spaltmaßen. Neben dem Klassiker der 60er-Jahre bietet Bähr den Umbau auch für die Strich-8-Modelle und die 123er Coupés an, die es in der Serie nie gegeben hat. Auch die 123er Limousine und das SEC Coupé der von 1983 bis 1991 gebauten Serie W126 werden in Hagen in Cabrios verwandelt. Dass man damit eine echte Rarität in der Garage hat, dürfte klar sein. Nur einen exorbitanten Wertzuwachs wie bei den echten Citroëns und Ferraris sollte man für die umgebauten Cabrios nicht erwarten.

Text: Georg Weindl
Fotos: Citroën, Bähr

W111-Replika aus Deutschland - Gerhard Bähr in Hagen verwandelt Mercedes-Klassiker in Cabriolets. Bestseller ist der W111. Ein solcher Umbau dauert rund zwei Monate.

Elegante Göttin als Cabrio - In Kleinauflage entstand zwischen 1960 und 1971 beim Karosseriebauer Chapron die offene Version des Citroën-Klassikers DS.