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Luxus für 2 zurück

So sahen Autoträume vor 40 Jahren aus: ein luxuriöser Roadster mit einem mächtig blubbernden Achtzylinder unter der Haube. 1971 debütierte der Mercedes-Benz 350 SL und startete zu einer einzigartigen Karriere.

Gestern Luxus-Cabrio, heute ein gefragter Youngtimer

Er sorgte für Aufsehen, obwohl er nicht protzig war. Sportliche Eleganz war seine Botschaft. Heute wirkt er gegenüber aktuellen Luxus- Sportwagen fast schlicht. Aber damals war er der Inbegriff des gediegenen, luxuriösen Cabriolets. 1971 debütierte der Mercedes-Benz 350 SL und löste damit die Pagode ab. So taufte man die Vorgänger-Reihe wegen des markanten Dachaufbaus. Der neue SL hieß intern offiziell R107 und war mit 4,39 Meter Länge und 1,79 Meter Breite nicht nur größer und stattlicher. Er hatte vor allem einen Achtzylinder unter der Haube, und das war selbst in den elitären SL-Kreisen ganz neu. Auch die legendä- ren 300 SL aus den 50er-Jahren fuhren nur mit sechs Zylindern. Aber nun kam der 350 SL mit einem 3,5-Liter-Acht- zylinder und 200 PS. Selbst der teuerste Porsche, der 911 S, konnte mit seinem 190 PS starken Boxermotor da nicht mit- halten. Stolze 30.000 Mark kostete der 350 SL bei seinem Debüt. Kopfstützen, elektrische Fensterheber oder Klimaanlage, die heute Standard sind, gab es auch bei dem Luxus-Roadster nur gegen Aufpreis. Im Vergleich zum Vorgänger wirkte der 350 SL in vielerlei Hinsicht größer, stattlicher und solider. Dazu trugen vor allem die gestiegenen Sicherheitsansprüche bei.

Bei der passiven Sicherheit setzte der neue SL Maßstäbe

Robuste Türen, eine ebenfalls recht solide A-Säule und die großzügig gepolsterten Sitze versprachen qualitativ hochwertiges Reisen. Das für heutige Verhältnisse große Lenkrad mit dickem Pralltopf und Polsterplatte signalisierte ebenso wie das großzügig gepolsterte Armaturenbrett besondere passive Sicherheit. Airbags gab es damals noch nicht. Der gesamte Innenbereich wirkte funktionell und unverwüstlich mit einem Hauch Sportlichkeit.

Und er sollte noch sportlicher werden. Zwei Jahre nach der Premiere schob Mercedes-Benz den 450 SL nach, dessen 4,5-Liter-Achtzylinder 225 PS stark war.Und im selben Jahr kam die Ölkrise, die den Deutschen leere Autobahnen und Zukunftsängste bescherte. Im Juli 1974 brachten die Stuttgarter daraufhin den günstigeren und sparsameren 280 SL auf den Markt. Das Einstiegsmodell war nun mit einem 2,8-Liter-Reihensechszylinder unterwegs, der auch in der S-Klasse und im 280 E eingesetzt wurde und 185 PS leistete. Der SL repräsentierte klassische Mercedes-Werte auf hohem Niveau und etablierte sich als Luxussportler. Er war stark, repräsentativ, aber nicht aufdringlich – und komfortabel, betont solide und sicher. Dazu trugen die damals innovativen Knautschzonen vorne wie hinten und die besonders robuste Fahrgastzelle bei.

Im Prinzip blieb es in den folgenden Jahren bei den drei Modellen, die wegen erhöhter Umweltauflagen immer wieder dezent modifiziert wurden. 1980 kam der 5,0-Liter-Achtzylinder mit 240 PS, der zwei Jahre zuvor im viersitzigen Coupé 500 SLC debütiert hatte. 1980 wurde auch der 350 SL durch den 218 PS starken 380 SL abgelöst. Besonders viel tat sich dann 1985. Die SL-Motoren erhielten auf Wunsch Katalysatoren, und der 560 SL markierte die Krönung der Baureihe. Der wurde allerdings nur in den USA, Australien und Japan verkauft und war wegen der Umweltvorschriften mit 230 PS auch schwächer als der 500 SL. Die dicken Stoßstangen der US-Version waren nicht jedermanns Geschmack, doch tat dies dem Erfolg der Baureihe keinen Abbruch. Im Jahr 1985 war der R107 nun schon 14 Jahre alt – also in automobiltechnischer Hinsicht ein Methusalem. Aber das Ende war noch nicht in Sicht.

So erfolgreich wie der Roadster war das viersitzige Coupé SLC nicht. Vom Coupé, das weitgehend identisch motorisiert war, wurden bis zum Produktionsende im Sommer 1989 rund 62.000 Autos gebaut. Vom Roadster liefen dafür 237.287 Exemplare vom Band. Dass ein Sport wagen 18 Jahre lang produziert wird, das ist ein sicheres Zeichen dafür, dass es sich hier um einen Klassiker handelt – was übrigens in bester SL-Tradition ist.

Abgelöst wurde der R107 dann vom eleganteren und dynamischeren R129, der später noch mit Zwölfzylinder-Motoren bestückt wurde. Anfangs hielt sich die Nachfrage nach dem gebrauchten R107 in Grenzen. Doch seit ungefähr vier bis fünf Jahren wächst das Interesse und steigen die Preise.

Heute liegen gute Exemplare über dem damaligen Neupreis

Mittlerweile ist der SL ein bestens etablierter Youngtimer. Frühe Modelle können bereits das H-Kennzeichen erhalten. Ordentliche Exemplare rangieren bei rund 15.000 Euro. Für die gefragten Achtzylindermodelle nach der Modellpflege 1985 mit geringer Laufleistung zahlt man mittlerweile bis zum doppelten Preis. Eine schlechte Investi- tion dürfte der R107 grundsätzlich nicht sein. Wie alle SL glänzt er mit stabilen Preisen, die grundsätzlich nach oben gehen. Eine solche Investitionssicherheit entspricht ganz dem schwäbischen Charakter. Dass sich dies mit Fahrspaß und Alltagstauglichkeit kombinieren lässt, spricht besonders für den SL.

Text: Georg Weindl
Fotos: Daimler AG

Technische Daten

    • Mercedes-Benz SL (Baureihe R107)
  • BAUZEIT
    1971 – 1989
  • PRODUKTION
    237.287 ROADSTER
  • HUBRAUM
    2,8 – 5,6 LITER
  • LEISTUNG
    185 – 240 PS (132 – 177 KW)

Hightech unter der Haube: der 3,5-Liter- Achtzylinder mit 200 PS.

Das serienmäßige Hardtop war damals eine Besonderheit des SL und eine wintertaugliche Alternative zum Stoffdach.

Die solide schwäbische Art beherrschte auch das Interieur inklusive neuer Sicherheits-Features wie dem Lenkrad mit Pralltopf.