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Best Ager - Käfer Cabrio zurück

Das Käfer Cabrio wird in diesem Jahr 60 Jahre alt. Höchste Zeit für einen Rückblick auf das vermutlich klassenloseste aller Cabriolets.

Kann man mit 60 Jahren noch jugendlich frisch sein, wie kaum ein anderer für Freizeitspaß und entspanntes Genießen stehen? Das Käfer Cabrio kann es und muss sich dabei gar nicht einmal anstrengen. Fitnesskuren hat der rundliche Viersitzer gar nicht nötig. Niemand will ihn hetzen. Stattdessen freut man sich auf entspannte Landpartien, bei denen der Wind um die Ohren pfeift. Windschott und Nackenföhn sind dem Käfer Cabrio fremd. Mit 60 Jahren muss man sich niemandem anbiedern.

1949 war das Geburtsjahr des Klassikers. Damals in den Nachkriegsjahren war das Leben, wie man sagt, recht einfach und hatte wenig Luxus zu bieten.
Auch bei VW in Wolfsburg war die Modellpalette alles andere als kompliziert. Es gab den Typ 1, das war der Käfer, den Typ 2, das war der Bus. Den Käfer konnte man ordern in der Standard- oder der besseren Exportausführung. Kein Wunder, dass sich die Menschen nach Abwechslung sehnten. Und die kam in Form des Käfer Cabriolets, von dem auf der Basis eines Prototyps von 1936 bereits mehrere Einzelanfertigungen entstanden waren. Dies waren viersitzige Versionen, während dann die ersten Serienmodelle des später zur Legende gewordenen Hebmüller- Cabrios Zweisitzer waren.

Diese Hebmüller-Cabrios wären heute nicht so rar und teuer, wenn nicht die Fabrik 1953 in die Insolvenz geschlittert wäre. Ganze 696 Autos verließen die Fabrikhalle. Aus dieser Zeit stammt auch eine weitere Kuriosität: zwischen 1949 und 1963 entstanden knapp 500 viertürige Cabrios – speziell für den Einsatz als Polizeifahrzeuge. Vor allem aber gab es die zweitürige und viersitzige Karmann-Variante und die hatte, wie man heute weiß, eine wesentlich bessere Zukunft vor sich. Vom Karmann-Cabrio gibt es noch ein Exemplar aus dem 49er-Jahrgang, das heute im Auto-Museum in Wolfsburg steht.

25 PS hatte das ursprüngliche Cabrio. Während die Limousine ihre Grundform nie änderte oder technisch weiterentwickelt wurde, genossen Cabrio-Fahrer den Fortschritt: 34 PS, später 40 und 45 PS, bis dann der 1,6-Liter-Boxermotor im 1303 mit 50 PS die zumindest offizielle Höchstleistung markierte. Besonders schick war es in den siebziger Jahren, in dem von Öttinger getunten Käfer Cabrio zu promenieren. Mit Leistungen bis an die 100-PS-Marke war man schnell unterwegs, wofür der Käfer nicht wirklich geschaffen war.
Unübersehbar war, dass das Cabrio in den siebziger Jahren deutlich an Form und Substanz gewann. Mit dem Wechsel vom 1302 auf den 1303 im Jahr 1973 kam der Fortschritt in geballter Form. Panorama-Frontscheibe, größere Heckleuchten und vor allem ein wuchtiges Kunststoff- Armaturenbrett, wo sonst der schlichte Tacho auf Blech dominierte.

Der Käfer war Kult. In den Kinos liefen beliebte Filme wie "Ein toller Käfer". Das amerikanische Original hieß "Love Bug". "Lieber Käfer" oder "Liebeskäfer"? Wer weiß.

Doch 1979 kam das offizielle Ende. VW präsentierte das neue Golf Cabriolet und schickte den Käfer in Rente. Das letzte von insgesamt 331.847 Cabrios lief im Januar 1980 bei Karmann in Osnabrück vom Band.

Aber die Fans blieben ihrem Käfer Cabrio treu. Er entwickelte sich bald zum Klassiker und das unterstreichen auch heute noch die Marktpreise, die jene des ersten Golf Cabrios, bekannt auch als „Erdbeer-Körbchen“, um ein Vielfaches übertreffen. Für wirklich gepflegte Exemplare des offenen Käfers zahlt man heute etwa 13.000 € bis 15.000 €. Mehr geht natürlich auch, wenn man Exemplare mit wenig Laufleistung oder in perfekt restauriertem Zustand sucht. Besonders teuer sind Versionen aus den fünfziger und frühen sechziger Jahren. Hier kommt man kaum unter 25.000 € zum Zug. Dafür kauft man klassenlose Cabrio-Nostalgie, die heute wohl noch mehr zum Tragen kommt als vor 30 oder 40 Jahren. Mit einem offenen Käfer Cabrio auf einsamen Landstraßen vorbei an grünen Wiesen zu rollen – das ist die Perfektion in Sachen Genussfahren.